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15.09.2011

13:31 Uhr

Interview mit Gottfried Urban

„Wenn Griechenland hält, gibt es keinen zweiten Fall Lehman“

VonRalf Drescher

Im Finanzsystem hat sich seit der Lehman-Pleite wenig verbessert, sagt der Vermögensverwalter Gottfried Urban. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, warum trotzdem kein neuer Schock droht und Anleger Aktien kaufen sollten.

Gottfried Urban ist Mitgründer und Vorstand der Vermögensverwaltung Neue Vermögen AG. Bernd Roselieb für Handelsblatt

Gottfried Urban ist Mitgründer und Vorstand der Vermögensverwaltung Neue Vermögen AG.

Herr Urban, am 15. September 2008 ging Lehman Brothers Pleite, die Finanzwelt brach zusammen, die Welt rutschte in die Rezession. Drei Jahre später beben die Märkte erneut. Stehen wir erneut am Abgrund?

Wir sind heute erneut in einer schwierigen Situation, im Vergleich zu 2008 stehen wir aber deutlich besser da. Die Unternehmen haben ihre Lehren aus der Lehman-Pleite gezogen und sich unabhängiger von den Banken gemacht. Insgesamt stehen sie wesentlich solider da. Zudem gibt es eine ganz andere Risikowahrnehmung. Vieles, was 2008 als undenkbar galt, wird heute als Szenario diskutiert. Die Sensibilität für „Schwarze Schwäne“ ist deutlich gewachsen. Das macht einen Schock wie damals unwahrscheinlich.

Gerade aktuell wird aber wieder viel über Bankenpleiten diskutiert. Droht nicht ein zweiter Fall Lehman?

Wenn wir es schaffen, dass es bis 2013 keinen Schuldenschnitt eines europäischen Staates gibt, rechne ich nicht damit.

Die Gefahr, dass es anders kommt, ist real. Eine Pleite Griechenlands gilt an den Märkten als sehr wahrscheinliches Szenario. Und auch in der Politik gibt es zunehmend Stimmen, die einen solchen Schritt nicht ausschließen.

Viele würden Griechenland ohne Zweifel gerne Pleite gehen lassen. Es wäre auch ein starkes Signal, das anderen Schuldenstaaten zeigen würde, dass sie die Konsequenzen ihres Handelns tragen müssen und nicht immer von den anderen Euro-Staaten aufgefangen werden. Insofern wäre ein solcher Schritt womöglich heilsam. Dennoch glaube ich nicht, dass die Politik es so weit kommen lässt.

Warum?

Auch wenn die öffentliche Diskussion ganz anders verläuft, haben wir in Wahrheit keine Staatsschuldenkrise. Das größte Problem sind nach wie vor die unterkapitalisierten Banken.

Wie bitte? Die ausufernden Staatsschulden sind kein Problem?

Doch, das sind sie. Aber eine hohe Staatsverschuldung wäre beherrschbar, wenn das Bankensystem stabil wäre. Nehmen Sie das Beispiel Japan: Der Staat ist extrem verschuldet, verfügt aber mittlerweile über gesunde Banken. Deswegen hat Japan auch überhaupt keine Probleme, sich am Kapitalmarkt zu finanzieren.

Und die europäischen Banken stehen nach wie vor schlecht da?

Die Eigenkapitalausstattung der Banken hat sich seit 2008 verbessert. Es wurde auch viel dafür getan, vor allem durch die politisch gewollten Niedrigzinsen, die den Banken Margen ermöglichten, die sie so wohl nie wieder sehen werden. Allerdings wurde das Eigenkapital nur an die Risiken angepasst, die im Zuge der Lehman-Pleite offensichtlich wurden. Die europäische Schuldenkrise bringt aber jetzt ganz andere Risiken zu Tage, auf die die Banken nicht annähernd vorbereitet sind.

Was meinen Sie genau?

Bis heute gilt die Gesetzmäßigkeit, dass Banken ihre Euro-Staatsanleihenbestände nicht mit Eigenkapital unterlegen müssen, da diese per definitionem kein Risiko bergen. Spätestens wenn Griechenland Pleite gehen sollte, muss diese Gesetzmäßigkeit durchbrochen werden. Ein Ausfall griechischer Anleihen wäre für die Mehrheit der Institute noch beherrschbar. Aber wer sagt mir denn, dass nicht weitere europäische Staaten folgen werden bzw. künftig auch Eigenkapitalquoten für Bestände an Euro-Staatsanleihen gelten?

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

15.09.2011, 13:39 Uhr

Ich finde es immer wieder spannend, wie man Griechenland mit Lehmann vergleicht. Es sind zwei komplett unterschiedliche Situationen, daher scheue ich Vergleiche einer möglichen Pleite Griechenlands mit der Pleite der Lehman Brothers. Es ist zwar einfacher Rückschlüsse aus einer vergangenen Pleite zu ziehe, jedoch sollte man sich lieber auf die Details des jetziges Sachverhalts einlassen als zu versuchen Brücken zu bauen.

pendler

15.09.2011, 13:45 Uhr

GR ist Pleite, raus aus dem Euro

Pendler

15.09.2011, 13:49 Uhr

Der nette Herr Sores holt gerade zum 2. Schlag gegen intakte volkswirttschaften aus:

Absicht: Volkswirtschaften zerstören --


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