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22.09.2011

11:58 Uhr

Interview mit Jim Rogers

„Wenn Staaten pleitegehen, kaufe ich so viele Euro wie möglich“

VonRalf Drescher

ExklusivDie Welt steht noch vor schlimmen Problemen, erwartet Jim Rogers. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt der renommierte Investor, wie die Schuldenkrise gelöst werden kann und warum die Welt den Euro dringend braucht.

Star-Investor Jim Rogers: „Der Euro ist eine perfekte Sache. Ich fürchte nur, dass Politiker ein Desaster aus ihm machen.“ ap

Star-Investor Jim Rogers: „Der Euro ist eine perfekte Sache. Ich fürchte nur, dass Politiker ein Desaster aus ihm machen.“

Herr Rogers, Sie raten seit Jahren dazu, Rohstoffe zu kaufen und in China zu investieren. Haben Sie heute eine neue Botschaft für Anleger?

Wenn Sie etwas Neues wollen, dann schauen Sie sich Myanmar an. Hier sollten sie so schnell wie möglich einsteigen. Myanmar vollzieht jetzt die Reformen, die China im Dezember 1978 angestoßen hat. Sie kennen das Ende der Geschichte. China hat über mehr als 30 Jahre eine großartige Erfolgsgeschichte geschrieben.

Sonst nichts Neues?

Ich sehe keinen Grund, etwas an meiner Strategie zu ändern. In den letzten zwölf Jahren lag ich richtig damit, Rohstoffe zu kaufen und die USA sowie den Großteil der übrigen Welt zu meiden. Der S&P 500 steht heute da, wo er vor zwölf Jahren auch stand, während der Rogers International Commodity Enhanced Index im gleichen Zeitraum 450 Prozent zugelegt hat. Wir haben bei Rohstoffen einen intakten Bullenmarkt. Und so lange der läuft, sollte man weiter kaufen. Das ist die Botschaft. Diese ändert sich nicht, denn die Welt hat sich auch nicht geändert.

Was meinen Sie genau?

Weltweit drucken die Notenbanken Geld und werten ihre Währungen ab. In solchen Zeiten braucht man etwas, das schützt. Daher besitze ich einige stabile Währungen, außerdem Agrarrohstoffe sowie Gold und Silber und

werde hier weiter zukaufen.

Vor einigen Monaten kündigten Sie an, vorerst kein Gold mehr zu kaufen…

Ich habe gesagt, dass ich auf dem Allzeithoch nicht kaufe, dass ich aber zukaufen werde, wenn der Preis runtergeht. Dabei bleibt es: Wenn es runtergeht, kaufe ich mehr Gold.

Die Volatilität am Goldmarkt hat zuletzt sehr stark zugenommen. Es gab immer wieder starke Korrekturen. Ist das nicht ein Zeichen, dass der Goldpreis seinen Zenit erreicht hat?

Ich habe keine Zweifel daran, dass Gold im nächsten Jahrzehnt noch deutlich steigen wird. Über 2.000 Dollar geht er sicherlich, vielleicht auch über 3.000. Zwischendurch kann es aber auch runtergehen. Wenn jeder – wie im Moment – Gold als sicheren Hafen sieht, ist das ein schlechtes Zeichen. So etwas gibt es im Anlageuniversum nicht. Deswegen wird es auch immer wieder Korrekturen geben. Für mich sind das gute Kaufgelegenheiten. Ich kaufe lieber, wenn die Kurse fallen.

Dann müssten Sie am Aktienmarkt im Moment auf Ihre Kosten kommen. Dort sind die Kurse massiv gefallen.

Ich besitze kaum Aktien. Bei europäischen Aktien, US-Technologiewerten und Schwellenländeraktien setze ich sogar auf fallende Kurse. Es wird der Moment kommen, wenn am Aktienmarkt Panik entsteht. Dann muss ich meine Short-Positionen auflösen und etwas anderes machen. Wann es so weit sein wird, weiß ich nicht. Ich hoffe aber, dass ich den Zeitpunkt rechtzeitig erkenne.

Kommentare (26)

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Account gelöscht!

22.09.2011, 12:15 Uhr

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"Wenn zwei oder drei Staaten in der Euro-Zone pleitegehen, würde ich so viele Euro-Anlagen kaufen"

Dann kann ich noch eine ganze Weile warten, bevor ich meine Dollars wieder eintausche, ich muß mal sehen wie ich im Detail vorgehe .
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JoeGleis

22.09.2011, 12:16 Uhr

Sehr positives Interview. Der hat den Durchblick.

POPPER

22.09.2011, 12:24 Uhr

Der Mann ist von der Wirklichkeit so weit entfernt, wie die Erde von der Sonne. Außerdem spricht aus seinem Halbwissen auch Verantwortungslosigkeit. Diese dreisten Sprüche, man solle die pleite gehen lassen, die schlecht gewirtschaftet haben, klingt zwar gut, verschweigt aber die Tatsache, dass Herr Rogers seinen Reichtum auf den Schulden derjenigen gründet, die er so mir nichts dir nichts mal pleite gehen lassen will. Es ist schon erstaunlich, wie naiv und mangelhaft das makroökonomische Wissen dieses Finanzmarktjongleurs ist. Glaubt der Mann tatsächlich an den Weihnachtsmann, wenn er seine Erfolgsgeschichte als Patent für die Zukunft verkauft. Er wird nicht arm sein in der Zukunft, aber sein geradezu naiver Glaube,Investitionen in Rohstoffe wie Gold, Silber etc. würden weiterhin hohe Renditen abwerfen, ist erbärmlich. Denn ohne eine grundsätzlich andere Wirtschafts- und Finanzpolitik, ist das kapitalistische System der Finanzindustrie am Ende. Leute, wie Herr Rogers mögen das mit flotten Sprüchen überdecken oder gar leugnen. Die Realität wird sie alle in den nächsten Jahren einholen.

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