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27.06.2012

16:43 Uhr

Interview mit Klaus Kaldemorgen

„Jeder Kaninchenzüchterverein ist transparenter“

VonHeike Schwerdtfeger
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Der DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen im Interview über seine Anlagestrategie, sein jüngstes Fondskonzept und die Probleme der Euro-Retter. Die Politiker, sagt er, seien hoffnungslos überfordert mit der Situation.

Der DWS-Aktienfondsmanager Klaus Kaldemorgen spricht im Interview über seine Anlagestrategie. dpa

Der DWS-Aktienfondsmanager Klaus Kaldemorgen spricht im Interview über seine Anlagestrategie.

Herr Kaldemorgen, worüber haben Sie sich an dem Wochenende der Griechenlandwahl mehr gefreut: Den Wahlausgang oder das Tor von Lars Bender für die deutsche Nationalmannschaft beim Vorrundenspiel der Europameisterschaft?

Kaldemorgen: Wenn ich ehrlich bin, das Tor von Lars Bender. Der Ausgang der Wahl hat uns nicht sehr viel weiter gebracht, denn gleich danach kamen auch noch die Spanienprobleme auf die Tagesordnung. Mich beunruhigt besonders, dass die Schuldenkrise jetzt mit einem weltwirtschaftlichen Abschwung zusammenfällt, der die Handlungsspielräume reduziert.

Womit rechnen Sie bei der Eurokrise?

Meine Hypothese ist, dass die Politik den Euro nicht aufgeben wird. Auf Griechenland hätte man verzichten können, aber der Rest des Eurolandes wird bleiben wie es ist – koste es, was es wolle. Weil die Aktienmärkte dadurch von politischen Entscheidungen und Zentralbanken abhängig bleiben, geht es volatil weiter.
Wie wollen Sie für Anleger Geld verdienen?

Die hohen Kursschwankungen kommen einem Multi-Asset-Fonds wie den DWS Concept Kaldemorgen zugute, der Aktien, Anleihen, Währungen, Rohstoffe und Derivate kombiniert, auch auf fallende Kurse setzt und mit einem strikten Risikomanagement ausgestattet ist. Bei den internationalen Aktienfonds wie dem DWS Vermögensbildungsfonds I und dem Akkumula halte ich Aktien mitunter sehr lange und spiele längerfristige Trends. Diese Fonds leiden stärker, sollen aber längerfristig auch ordentliche Erträge erzielen.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Was genau machen sie anders bei dem neumodisch als „Multi-Asset-Fonds“ titulierten DWS Concept Kaldemorgen?

Ich reagiere schneller und habe die Aktienquote in den vergangenen zwölf Monaten zwischen Null und 70 Prozent variiert. Anfang des Jahres habe ich Finanzwerte gekauft, als die Erwartung sehr negativ war und sie dann verkauft, als die Euphorie groß wurde. Ich kann nicht mehr nur auf die Fundamentaldaten von Unternehmen schauen. Wenn die Notenbanken wieder ein Kaninchen aus dem Hut zaubern, schießen die Märkte plötzlich hoch. Wer sich nur auf gute Unternehmenszahlen konzentriert, verliert schnell den Anschluss. Denn in einer solchen Phase steigen auch Unternehmen mit schwachen Zahlen. Um am Ball zu bleiben agiere ich kurzfristig.

Welches Management macht mehr Spaß, das traditionelle oder das kurzfristige?

Der kurze Takt ist nervenaufreibend, aber es ist auch angenehm, nicht auf einen Vergleichsindex schielen zu müssen. Beim Concept habe ich den Gesamtertrag im Kopf und nicht, ob ein Unternehmen besser läuft als der Vergleichsindex. Die Mischung muss es bringen.

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Aber der Erfolg ist nicht sicher. Wie kurz ist die Leine Ihres Risikomanagers?

Ziemlich kurz, denn ich habe den Anlegern versprochen, dass sie nur mit einer einstelligen Volatilität rechnen müssen, während die bei internationalen und deutschen Aktien zwischen 20 und 30 liegt. Der Risikomanagementexperte Karl-Alwin Hiller kann mir als Mathematiker berechnen, wie viel Risiko ich mir leisten kann, damit ich eine Verlustgrenze einhalte. Wir gehen gemeinsam durch, was im Portfolio passiert, wenn ich eine Position verändere. Aktien und beispielsweise High-Yield-Anleihen reagieren ganz ähnlich, während eine Dollarposition wenig mit Aktien korreliert. Kompliziert wird es dadurch, dass sich Korrelationen ändern. In normalen Zeiten sind sie geringer als in Stressphasen. Aber auf alles müssen wir vorbereitet sein.

Kommentare (2)

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nextmoney

27.06.2012, 17:22 Uhr

"Diese Fonds leiden stärker, sollen aber längerfristig auch ordentliche Erträge erzielen." - Ach wenn es doch den KONJUNKTIV nicht GÄBE!
Seit Dekaden gleiches Gefasel, nichts unter dem Strich: 10 Jahre DAX: ein Verlust! Heute mehr denn je egal ob DAX, Schwellenländer, global ist alles und der eigene Harley-Davidson Motorradfuhrpark will aus hohen Kauf- und Nebengebühren dummer Konsumenten/Käufer bezahlt sein, nicht nur in der Garage stehen. Dann lieber gleich BASF, Apple, Coca-Cola, Nestle.

PRhodan

27.06.2012, 19:13 Uhr

Akkumula und "DWS Vermögensvernichtungsfonds I" sind klassische Vertreter aus der Rubrik "Fonds, die keiner braucht"! Die in ihrer Werbung ach so arrogante DWS befindet sich hier im unteren Mittelfeld und kassiert noch saftige Gebühren dafür, dass diese Fonds nicht mal ein gutes Sparbuch schlagen konnten. Mit diesen Fonds ruiniert man die ohnehin schwach ausgeprägte Investmentkultur des deutschen Michels. Solche Fonds können nur durch einen starken Vertrieb in die Depots gedrückt werden. Da hilft ja seit einiger Zeit die Postbank, deren uniformierte Verkäufer i. d. R. weniger Ahnung von Kapitalmärkten und Kapitalanlagen haben als viele ihrer Depotkunden.

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