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10.12.2013

17:15 Uhr

Interview mit Klaus Kaldemorgen (Teil 1)

„Rückschlagpotenzial ist deutlich gestiegen“

VonDörte Jochims, Dirk Wohleb

Klaus Kaldemorgen gehört zu den bekanntesten Fondsmanagern Deutschlands. Im Interview verrät der Anlageexperte, was er in den kommenden Wochen und Monaten an den Börsen erwartet und warum er noch immer an Aktien glaubt.

Kaus Kaldemorgen: Nicht nur der Bart ist ab. Der populäre Fondsmanager meldet sich mit einem Portfolio zurück, das das Zeug zum Bestseller hat. DWS

Kaus Kaldemorgen: Nicht nur der Bart ist ab. Der populäre Fondsmanager meldet sich mit einem Portfolio zurück, das das Zeug zum Bestseller hat.

FrankfurtKlaus Kaldemorgen, zog sich 2012 als Chef der Deutschen-Bank-Tochter DWS zurück. Er gab Mandate für milliardenschwere Aktienfonds auf und konzentrierte sich auf einen Total-Return Fonds. Jetzt feiert der Fondsmanager ein beeindruckendes Comeback.

Herr Kaldemorgen, bis 2011 waren Sie Geschäftsführer und Chefstratege für Aktien bei der DWS. Sie verwalteten mehrere milliardenschwere Aktienfonds. Inzwischen sind Sie „nur noch“ einfacher Fondsmanager. Ist es Ihnen schwergefallen, loszulassen?
Nein, gar nicht. Ich habe in der Zeit davor versucht, mit der Geschäftsführung und dem Fondsmanagement zwei sehr aufwändige Sachen gleichzeitig zu machen. Allein zeitmäßig war es äußerst schwierig, den Aufgaben gerecht zu werden. Ich habe mich daher wieder auf meine Kernkompetenz zurückgezogen und das ist für mich ganz klar das Fondsmanagement.

Sie haben aber nicht nur vom Aktienchef und Geschäftsführer zum Fondsmanager gewechselt, sondern auch die Mandate für  Aktienfonds abgegeben. Mit dem Concept Kaldemorgen verfolgen Sie einem Total-Return Ansatz. Glauben Sie nicht mehr an Aktien?
Oh doch. Aber wir hatten seit 2000 zwei Kapitalmarktkrisen erlebt. Es hat mich schon sehr gestört, dass man als Aktienfondsmanager eine Benchmark schlagen muss und bei Rückschlägen nicht aus den Märkten rausgehen oder absichern kann. Das Geld der Anleger floss damals vor allem in vermögensverwaltende Produkte. Doch hier dominierten Vermögensverwalter wie Carmignac oder Flossbach. Kein großes deutsches Fondshaus hatte damals vergleichbare Produkte im Angebot. Einen vermögensverwaltenden Fonds  aufzulegen, war für mich eine große Herausforderung.

DWS-Prognose: Konjunktur

Weltwirtschaft: Solides Wachstum

Nach Ansicht der Experten der DWS ist die Weltwirtschaft auf einem guten Weg. 2014 sollte zu einem soliden Jahr für die Anleger an den internationalen Finanzmärkten werden. „Die Bäume wachsen, aber sie wachsen nicht in den Himmel“, sagte Asoka Wöhrmann, Chefstratege und Geschäftsführer der Deutsche Asset & Wealth Management Investment GmbH.

Europa: Auf Erholungskurs

Im vergangenen Jahr habe der Patient Europa die Intensivstation verlassen, nun sei er endgültig auf dem Wege der Besserung - vor allem dank der Wirtschaftserholung in Südeuropa.

EU-Konjunktur: Kaum Inflation

Deswegen dürfte das Bruttoinlandsprodukt im Euro-Raum 2014 um 0,7 Prozent wachsen, so Wöhrmann. „Die Inflation dürfte niedrig bleiben, die Gefahr einer Deflation besteht nicht“, so der Chefstratege.

Deutschland: Keine Blase

„Eine Blase sehe ich nicht – nicht bei deutschen Aktien und auch nicht an den deutschen Immobilienmärkten“, sagte Wöhrmann. Die DWS empfiehlt den Anlegern für das kommende Jahr, ein Schwergewicht auf Aktien zu legen.

USA: Positiver Ausblick

Die Dynamik für höheres Wachstum weltweit dürfte im kommenden Jahr von den entwickelten Volkswirtschaften ausgehen, allen voran von den USA. Steht Amerika sich nicht durch einen Shutdown selbst im Weg, dürfte es den moderaten Wachstumskurs beibehalten.

Asien: Japan gewinnt

Japan wird eine größere Rolle als in den vergangenen Jahren spielen: Hier stehen die Strukturreformen der dritten Phase des Premierministers Shinzo Abe (Abenomics) im Kampf gegen die Deflation auf dem Programm.

China: Positive Impulse

Auch China wird mit einem Wachstum von 7,5 Prozent weiterhin für einen positiven Impuls für das globale Wachstum sorgen.

Sie waren über Jahrzehnte mit Aktieninvestments sehr erfolgreich. Doch von 2009 bis 2011 rutschte die Performance bei Fonds wie den DWS Vermögensbildungsfonds I und Akkumula ab. Was ist damals passiert?
Ich habe Europa zu hoch und die USA zu niedrig gewichtet, auch weil ich keine großen Währungsrisiken eingehen wollte. Doch ab 2009 schwankten die Aktienmärkte sehr stark und es wäre besser gewesen, sich stärker an der Benchmark zu orientieren. Abweichungen wurden nicht belohnt.

Ihr neuer Fonds zählt heute im Zweijahresvergleich zu den besten Produkte seiner Kategorie. Zudem beträgt das Fondsvolumen schon wieder mehr als 500 Millionen Euro. Hat Sie wieder der Ehrgeiz gepackt?

Ohne Ehrgeiz können Sie als Fondsmanager nicht erfolgreich sein. Ich möchte mich mit Vermögensverwaltern der Spitzenklasse messen, wie Flossbach von Storch oder Carmignac.

Haben Sie persönlich Geld investiert?
Ja. Ich habe für mein eigenes Geld eine Anlage gesucht, die meine Philosophie spiegelt. Dieser Fonds begrenzt Risiken und ist ideal für Anleger, die älter sind als 40 und die Kursschwankungen ihrer Anlagen gering halten wollen.

Kommentare (3)

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CallMeSceptic

10.12.2013, 17:59 Uhr

Ich schaetze Herrn Kaldemorgen wirklich sehr und wuensche ihm und seinen Anlegern alles Gute.
Allerdings glaube ich nicht dass er es auf Dauer anders als seine genannten und ungenannten Kontrahenten und darob besser, nach Steuern und Gebuehren, als eine statische 60/40 Aktien/Renten Benchmark machen wird-
s.a. Morningstar Analysen von Herrn Masarwah zu dem Thema.
Insbesondere nicht kapital- statt zeitgewichtet, also nachdem mal richtig viel Geld zugeflossen ist, wiederum a la Flossbach, Carmignac&co.
Und die vorgeschlagene Streuung auf ein paar solcher Vehikel sorgt ja selbst wenn man 3 oder 4 dieser zukuenftigen Outperformer voridentifizieren kann- was unwahrscheinlich ist und- surprise surprise- meist nicht die vorherigen Outperformer beinhaltet- nur wieder fuer eine Annaehrung der eigenen Gesamtperformance an diese statische Benchmark.
Diese Vehikel verkaufen sich speziell in D so gut weil die Leute dort die Volatilitaet von Aktien nicht verstehen (wollen) aber Angst vor ihr haben (wollen), hartnaeckig daran glauben dass einige Experten funktionierende Kristallkugeln haben, sie nicht wissen (wollen) wie sie es selber einfach und auf Dauer besser machen koennen und darob lieber die Verantwortung auf diese Auguren abschieben- wofuer sie jene und selbst halt maechtig bezahlen muessen und werden.

bankomat

10.12.2013, 19:32 Uhr

Ziemlich oberflächlich, was 'Experte' Kaldemorgen da von sich gibt:-) .... dem würde ich keinen Cent anvertrauen. Es gibt nur das gezielte A- Picking. ZB, als Schröder mit Putin die Ostsee-Pipeline beschlossen hatte (2005) hatte ich mir überlegt wer die Röhren wohl liefern wird. Richtig, Salzgitter. Also habe ich SG-Aktien gekauft. Die standen damals bei 18 €. 2007 hab ich die dann bei 130 € ohne Skrupel (wegen der armen Wiederkäufer) los geschlagen.... ..das nennt ich Rendite, Herr Experte K......und noch eins: solche Storys wiederholen sich nicht.....;-!

wolfshund

10.12.2013, 20:12 Uhr

Bester geäußerter, nichtssagender Schwamm:
"Würden Sie sagen, der Fonds eignet sich als alleiniges Investment?
Um Gottes Willen. Ich bin doch auch ein Risiko und kann daneben liegen. Es ist daher keine schlechte Idee zum Beispiel die Portfolios mehrerer Vermögensverwalter zu kombinieren." - Er ist ein Risiko für viele, die jetzt wieder Appetitt bekommen und sich nicht beherrschen können. Sein Geld in mehrere Portofolios mehrerer Vermögensverwalter gleich auch noch zu legen, ist TOTALSCHWACHSINN...nie aber mindestens: TOTAL-return um ironisch zu sein. Die KOSTEN. Und die Gierhälse werden nicht voll sondern verlangen ab gerade noch erreichbaren Jahresmargen zweistellige Extraprozente für ihr: Portofolio!! Da müssen die Märkte nur wieder schwanken und die Hosen vor einem höheren auswärtigen Investment voll genug herausdrücken....schon verliert der Kleinanleger.

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