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12.05.2011

11:44 Uhr

Interview mit Martin Mack

„Die meisten Staaten gehen nicht Pleite – sie sind es schon“

VonJörg Hackhausen

Der Vermögensverwalter Martin Mack malt ein düsteres Szenario für die Märkte. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, wie die Notenbanken den Crash provozieren – und warum dieser bisher trotzdem ausgeblieben ist.

Mit ihrer ultralockeren Geldpolitik befeuern die Notenbanken den Anstieg der Aktienmärkte - und den Crash. Quelle: dpa

Mit ihrer ultralockeren Geldpolitik befeuern die Notenbanken den Anstieg der Aktienmärkte - und den Crash.

FrankfurtHerr Mack, Sie prophezeien schon seit längerem einen Crash an den Finanzmärkten. Doch der ist bislang ausgeblieben. Wann ist es so weit?

Man kann Fehlentwicklungen an den Finanzmärkten aufzeigen, wann diese allerdings eingepreist werden, ist selten klar abzusehen. So lange die Notenbanken die ultralockere Geldpolitik weiter verfolgen, kann das den Anstieg der Aktienmärkte sogar noch beschleunigen und eine Bereinigung verzögern.

Warum soll der Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik nicht gelingen?

Das grundsätzliche Problem ist, dass wir uns nahezu weltweit in einer Überschuldungssituation befinden. Über die vergangenen Jahrzehnte wurden soviel Schulden aufgeladen, dass diese selbst bei Null Prozent Zinsen kaum noch tragbar sind. Ein steigender Zinsaufwand, gemessen an den überschaubaren Staatseinnahmen  und gigantischen Staatsausgaben, wäre nicht verkraftbar, so dass die Fed wieder der Notenpresse einsetzen könnte. 

Welche Gefahren sehen Sie?

Jede Krise – vor allem seit der Pleite des US-Hedge-Fonds LTCM im Jahre 1998 – wird dadurch ‚gelöst’, indem noch mehr Geld gedruckt wird. Es ist absehbar, dass uns die Rechnung dafür präsentiert wird. Ein Weiter so, kann in einer Hyperinflation münden.  

Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen bereits erhöht und der Inflation den Kampf angesagt.

Reine Kosmetik - nur um nicht noch einen weiteren Vertrauensverlust zu erleiden. Wer soll mit 25 Basispunkten Zinserhöhung denn ernsthaft beeindruckt werden, wenn sich die unter dem Begriff systemrelevant vollkaskoversicherten Banken gleichzeitig in unbegrenzter Menge Geld zum Spielen ausleihen dürfen? Ob EZB, Fed, Bank of England oder Bank of Japan – ich sehe keinen Einäugigen!

Was würden Sie anders machen?

Es ist mehr als überfällig darüber aufzuklären, dass unser bisheriges System der Aufschuldung so nicht weiter funktionieren kann. Wir befinden uns in einer Überschuldungskrise, die durch zusätzliche Verschuldung gelöst werden soll – absurd! Durch kreditfinanzierten Konsum ist noch nie jemand dauerhaft zu Wohlstand gekommen. Was wir benötigen ist eine solide Basis, auf der wir wieder vernünftig aufbauen, verlässlich planen und somit wirtschaften können. Die Frage ist nur, ob die Schmerzen der Anpassung früher kommen und noch verkraftbar sind oder von den Märkten durch massiven Vertrauensverlust unkontrollierbar erzwungen werden. Schmerzhafte Einschnitte sind unvermeidbar, doch es ist die einzige Möglichkeit.

Was meinen Sie mit Einschnitten?

Schauen Sie sich die Entwicklung der europäischen Schuldenkrise an. Mittlerweile wissen wir, dass alles nichts genützt hat und mit der Täuschung der Märkte bisher nur Zeit gewonnen beziehungsweise verloren worden ist. Die Garantien, Bürgschaften und avisierten Rettungsschirme konnten das absehbar Unvermeidliche bisher nicht verhindern. Nun wird offen über einen Schuldenschnitt im Falle Griechenlands diskutiert, aber das ist erst der Anfang. Was erforderlich ist, ist eine grundlegende Sanierung der Staatsfinanzen und wie auf Unternehmensebene muss dazu auch bei Überschuldung die Konsequenz einer Insolvenz gehören. Ich halte den Einstieg in die Transferunion für fatal!

Kommentare (7)

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Profit

12.05.2011, 12:20 Uhr

Selten so ein dämliches Interview mit einem "Vermögensverwalter" gelesen, und von diesem "Berufsstand" ist man einiges gewohnt. Lassen wir einmal die weltwirtschaftliche Analyse außen vor. Mit dieser kann man durchaus konform gehen oder auch nicht. Nur, warum sollte eine vermögender Kunde bei diesem "Vermögensverwalter" sein Geld "parken"? Die Empfehlung vom interviewten lautet: Wir stehen am Rande, halten im Wesentlichen Liquidität, 10-20% Gold und einige kurzlaufende Bundesanleihen. Wozu brauche ich für so eine Strategie einen teuer bezahlten "Vermögensverwalter"? Das müssen schon selten einfältige Investoren sein, die für solche "Strategien" auch noch Geld bezahlen! All die gemachten "Empfehlungen" kann jeder selbst realisieren. Ich würde sagen der Herr ist ein Scharlatan.

C.Meyer

12.05.2011, 12:34 Uhr

Absolut richtige Sehensweise des Herrn Mack und korrekt an der Realität entlang argumentiert "wie sie nun mal ist".
Profit hat allerdings recht damit, dass jeder informierte Investor auch ohne Hilfe von Vermögensverwaltern, zu den Schlußfolgerungen des Herrn Mack kommen kann.
Das erfreuliche an diesem Interview ist, dass unverblümt Tatsachen angesprochen werden, die man ansonsten in dieser Deutlichkeit selten vernimmt.

ohneBlende

12.05.2011, 12:45 Uhr

... man darf nicht vergessen, dass er mit vollen Hosen an der Seitenlinie stand, wie die Kurse am Boden lagen - wer dort mit Cash nicht zugegriffen hat, der ist auch kein Investor - kein guter und kein schlechter, sondern garkeiner.

Leider ist bei den meisten Titeln auch der Zug schon abgefahren - d.h. die Kurse zu hoch - lediglich die am härtesten getroffenen Immobilien Titel haben unserer Ansicht noch offensichtliches Potential wie z.B. Patrizia, Nymphenburg Immo, TAG Tegernsee etc ...

Gruss aus Bayern
R.Haller

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