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02.11.2011

15:02 Uhr

Interview mit Oliver Roth

„Man fühlt sich als Spielball der Gezeiten“

VonRalf Drescher

Der Erholung folgt an der Börse der nächste Rückschlag. So geht es seit Monaten. Oliver Roth von Close Brothers Seydler Bank gibt im Interview einen Einblick in das Leben eines Aktienhändlers in verrückten Zeiten.

Oliver Roth ist Händler und Kapitalmarktstratege der Close Brothers Seydler Bank.

Oliver Roth ist Händler und Kapitalmarktstratege der Close Brothers Seydler Bank.

Herr Roth, die Börsen sind am Dienstag zum wiederholten Male abgeschmiert. Kann man als Händler im Moment noch ruhig schlafen?

Ich schlafe ruhig, aber es erfüllt mich mit Zorn, wie Griechenland mit seinen europäischen Partnern umgeht. Wenn Herr Papandreou einen Volksentscheid will, hätte er das doch auch schon vor Wochen sagen können. Die Euro-Staaten eine Menge getan, um Griechenland zu helfen, da sollte sich das Land auch fair verhalten. Die plötzliche Ankündigung, wenige Tage nachdem die Euro-Staaten endlich eine Lösung für den Schuldenschnitt gefunden haben, empfinde ich als Provokation.

Was halten Sie, abgesehen vom Timing, von der Idee eines Plebiszits?

Ich bin ein großer Freund von Bürgerbeteiligungen und auch von Volksentscheiden. Aber ich glaube nicht, dass man extrem komplexe Themen – und dazu zählt Wirtschaft zweifelsohne – jedem so vermitteln kann, dass er eine rationale Entscheidung treffen kann. In Griechenland droht der Volksentscheid allein aufgrund der Unwissenheit vieler Bürger über die Konsequenzen eines negativen Votums zu scheitern. In Krisenzeiten darf nicht darüber abgestimmt werden, was zu tun ist. Jetzt müssen die Experten den Weg weisen. Im OP wird ja auch nicht darüber abgestimmt, wo der Arzt den Schnitt setzt.

Was passiert, wenn sich die Griechen gegen Schuldenschnitt und Sparpaket aussprechen?

Die EU muss in diesem Fall den Geldhahn sofort zudrehen. Die Konsequenz ist, dass Griechenland unkontrolliert Pleite geht – mit verheerenden Folgen in der Finanz- und Wirtschaftswelt.

Was erwidern Sie Experten wie Jim Rogers, die eine Pleite Griechenlands und einen Ausschluss aus der Euro-Zone als wünschenswert bezeichnen, weil dies zeigen würde, dass die Euro-Zone die Probleme konsequent bekämpft?

Ich sehe es genau anders herum. Wenn es die Euro-Staaten schaffen, Griechenland aus seiner verheerenden Situation herauszuholen, zeigt das Handlungsfähigkeit. Und die Vorgaben, die dem Land gemacht werden, zeigen die Bereitschaft, Fehler aus der Gründungszeit rückgängig zu machen. Über eine unkontrollierte Pleite ein Exempel zu statuieren, wäre ein Spiel mit dem Feuer. Der Renditeanstieg von Anleihen aus andere Krisenstaaten, insbesondere Italien, gibt einen deutlichen Hinweis, was passieren würde, wenn das Referendum negativ ausgeht.

Wie schätzen Sie die Lage in Italien ein?

Italien steht im Grund genommen nicht anders da als vor zehn Jahren. Die Schulden sind hoch, das Wirtschaftswachstum chronisch schwach. Das Problem ist die extrem hohe Sensibilität der Finanzmärkte für Schwächen. Alles wird zurzeit sehr kritisch gesehen. Und Italien hat die Chance verpasst, mit einem entschlossenen Sparpaket ein positives Zeichen zu setzen. Je länger die Lösung dauert, desto kritischer wird die Situation.

Kommentare (1)

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Boersianer

02.11.2011, 21:54 Uhr

Ach Olli, früher beim Kicken und wenn der OFC gespielt hat, warst Du aber irgendwie cooler drauf.

Das ganze Leben ist ein Spiel. Meistens gewinnt man, und manchmal verliert man eben. Verluste gehören ganz einfach mit zum Geschäft. Aber man steht immer wieder auf, und schlägt zurück. Wer das nicht kann und / oder Niederlagen akzeptiert, sollte sich besser einen andern Job suchen.

Du willst doch nicht so enden, wie dieser Dummschwätzer und ekelhafte Nestbeschmutzer Dirk M., der jetzt bescheuerte Seminare und dämliche Bücher schreiben muss um seinen Lebensunterhalt zu sichern, weil es mit dem Handeln nicht mehr so klappt.

In diesem Sinne, bleib mir wohl gewogen Kumpel und weiterhin für dich und mich,

happy Trading :-)

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