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18.02.2013

10:14 Uhr

Interview mit Ulrich Kater

„Der Dax wird die 8.000er-Marke überschreiten“

VonStefan Menzel

Das Ende der Krise ist noch nicht erreicht, ist Ulrich Kater überzeugt. Trotzdem sieht der Chefvolkswirt der Deka-Bank gute Chancen für Anleger. Nicht nur der Dax könnte weiter durchstarten.

Ulrich Kater ist Chefvolkswirt der Dekabank. Bert Bostelmann/bildfolio für Handelsblatt

Ulrich Kater

Ulrich Kater ist Chefvolkswirt der Dekabank.

Herr Kater, alles sehnt sich nach dem Ende der Krise. Sind wir wirklich durch?
Vorsicht! Wir sind einen guten Schritt bei der Bewältigung der Krise vorangekommen, aber das Ende ist sicherlich noch nicht erreicht. Die Finanzkrise ist jetzt eingedämmt und damit auch die wichtigsten Panik-Faktoren. Für die gesamte Bewältigung der Krise dürfte man in etwa zehn Jahre brauchen. Fünf Jahre sind vorüber, also haben wir immerhin schon einmal die Hälfte des Weges hinter uns gebracht. Man kann dabei auch die Politik loben: Mit ihren Eingriffen hat sie es geschafft, eine Wiederholung der Abwärtsspirale aus den 30er-Jahren zu verhindern.

Die Banken sind für Sie das eigentliche Problem?
Unser Finanzsystem ist weiterhin überschuldet, darum dreht sich alles. Zudem gibt es kein klares Bild darüber, wie gut oder schlecht die Qualität der Kreditbestände bei den Banken ist. Wir stehen unverändert vor der Aufgabe, dass die Explosion der Kreditvergabe seit den 70er-Jahren korrigiert werden muss.

Aber wie wollen Sie das erreichen?
Nachdem zu freie Märkte im Finanzbereich zu große Nebenwirkungen anrichten, bleibt hier nur die Regulierung. Klare Grenzen schaffen neues Vertrauen, das wir auf den Finanzmärkten so dringend brauchen. Die Banken werden davon in erster Linie betroffen sein, die Welt der Kreditinstitute wird deshalb komplett umgekrempelt. Sogar die ansonsten sehr Banken-freundlichen Briten setzen jetzt harte Regeln durch.

Für Sie ist der Euro demnach nur eine Randerscheinung in der Finanzkrise?
Ich würde den Euro als ein Baustein der Krise sehen, weil er den Südländern in der EU eine hohe Verschuldung erlaubt hat. Aber letztlich war der Euro nur eine Art Begleiter. Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Faktoren, die zur Finanzkrise geführt haben.

Die wichtigsten Fragen zum Börsenjahr 2013

Kann ich mit sicheren Anlagen die Inflationsrate schlagen?

Nein. Und das dürfte vorerst auch so bleiben, weil Zentralbanken und Regierungen die Zinsen unten halten. Nur so können sie vermeiden, dass Staaten von den Schulden erdrückt werden. Wer die Inflation schlagen will, muss begrenzt Risiken eingehen. Mit Aktien zum Beispiel.

Soll ich mein Eigenheim jetzt sanieren

Wann, wenn nicht jetzt? Zehnjähriges Baugeld gibt’s für 2,5 Prozent, von der staatlichen KfW für eine neue Heizung oder ein gedämmtes Dach sogar ab einem Prozent. Auch der Einsatz von Erspartem lohnt: Auf der Bank bringt es kaum Zinsen, und Investitionen für Dämmung und Heizung schützen gut vor Inflation. Die wird stark von Öl-, Gas- und Strompreisen getrieben. Und: Maßnahmen, die Erhalt und Modernisierung dienen, steigern den Wiederverkaufswert.

Fällt der Garantiezins meiner Lebensversicherung

Am Garantiezins aus alten Verträgen kann die Finanzaufsicht nur im Notfall rütteln. Wer neu abschließt, bekommt 1,75 Prozent auf Beiträge garantiert, nach Abzug von Provision und Kosten. Der Garantiezins orientiert sich an der Rendite von AAA-Anleihen im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (zuletzt 3,7 Prozent). 60 Prozent davon können sich Versicherer als Garantiezins noch leisten – etwa 2,2 Prozent. Noch bleibt Luft.

Ist es Zeit, Schwarzgeld zu legalisieren?

Das Schweizer Bankgeheimnis ist praktisch erledigt, weitere Steuer- CDs können durchaus noch in die Hände der Finanzbehörden geraten. Und: Per Selbstanzeige kommen Steuerhinterzieher relativ milde davon. Das muss aber nicht so bleiben. Nebenbei: Was passiert, wenn Bürger ihre Steuern nicht zahlen, lässt sich in Griechenland besichtigen.

Soll ich mein Vermögen zu Lebzeiten schon verschenken?

Jedes Elternteil darf jedem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei schenken. Schön fürs Kind: Es bekommt das Elternhaus schon zu deren Lebzeiten und spart Steuern. Wer seine Villa nur steueroptimiert übertragen, aber selbst noch bewohnen will, sollte vorsichtshalber ein Nießbrauchsrecht eintragen lassen. Mit Kindern kann man sich zer- streiten, Verschenktes aber nur bei „grobem Undank“ zurückfordern. Die Hürden dafür aber sind hoch.

Ist mein Geld auf der Bank sicher?

Käme eine deutsche Bank oder Sparkasse in Schieflage, müssten zunächst die Einlagensicherungs-systeme der Geldhäuser die Sparer entschädigen. Doch klar ist: Bei Pleite einer sehr großen Bank oder einer Kettenreaktion wären die Töpfe schnell leer. Unabhängig davon garantiert daher seit Ende 2010 das Gesetz pro Kopf und Bank 100.000 Euro; wer mehr hat, sollte das Geld also auf mehrere Banken verteilen.

Droht ein Aktiencrash?

Eher nicht. Aktien sind, gemessen an der global schwachen Konjunktur und der Euro-Krise, zwar schon recht weit gelaufen. Und Aktienkurse zieht es nach unten, wenn die Wirtschaft darbt. Aber Investoren suchen Rendite. Sichere Staatsanleihen bringen zu wenig. Aktien solide geführter Konzerne mit guten Dividenden rentieren höher als Anleihen der Unternehmen. Wer Geld übrig hat, steckt einen Teil in solide Aktien.

Soll ich in Währungen außerhalb des Euro investieren?

Die goldene Regel heißt: Setze nie alles auf eine Karte. Das gilt auch für Währungen. Problem: Die Fluchtwährungen, allen voran der Schweizer Franken, sind schon sehr teuer. Ein paar norwegische, schwedische oder kanadische Staatsanleihen aber können Sie Ihrem Depot ruhig beimischen.

Wie sichere ich meine Kinder ab?

Indem Sie sicherstellen, dass sie etwas bekommen, wenn Ihnen etwas zustößt: Unerlässlich ist eine Risikolebensversicherung, für etwa 30 Euro monatlich gibt es im Todesfall 250 000 Euro. Dazu regelmäßig eine feste Summe ansparen, am besten in Aktien für ein Kinderdepot. Vorsichtige schließen noch eine Kinder-Invaliditätsversicherung ab, die greift weiter als eine Unfallpolice.

Soll ich jetzt Schulden machen?

Kredite sind billig, Konsum kurbelt die Wirtschaft an. Ist Ihr Job sicher, kaufen Sie sich was Schönes, viel Zinsen gibt es sowieso nicht. Bei Immobilien gilt: Auch Niedrigzins-Kredite müssen verlängert und zurückgezahlt werden. In zehn Jahren können die Zinsen viel höher sein. Wer zu wenig tilgt, ist bis zur Rente nicht schuldenfrei. Baukredite also nur so hoch ansetzen, dass Sie die Rückzahlung in einem vernünftigen Zeitraum stemmen können.

Soll ich meine Immobilie verkaufen?

Die Preise sind hoch, eigentlich ein guter Zeitpunkt. Aber die Euro-Krise ist nicht gelöst, Sachwerte bleiben gefragt. Wer verkaufen will, braucht vor allem aber einen Plan, wie er das Geld anlegt. Wer es nur auf dem Sparbuch parken möchte, sollte seine vermietete Wohnung behalten. Das gilt erst recht für das Eigenheim – so man sich wohl darin fühlt.

Soll ich Gold kaufen?

Im Zweifel ja. Wer Gold als Währung betrachtet, kann Papier immer in Edelmetall tauschen, egal, zu welchem Preis. So gesehen ist Gold das einzige Tauschmittel, das Inflation und Währungsreform überlebt hat. Wer davor Angst hat, kauft Gold – als Versicherung.

Gibt es sicheres Tagesgeld für mehr als zwei Prozent Zins?

Kaum. Solange die EZB Banken Geld für 0,75 Prozent gibt, müssen nur kapitalschwache Institute für zwei bis drei Prozent Geld sammeln. Oft greift dann nur die ausländische Einlagensicherung. Bei Pleiten wird es mühsam, an sein Geld zu kommen.

Soll ich in Oldtimer, Kunst, Uhren oder Wein investieren?

Klar doch, wenn Sie Spaß daran haben – und etwas davon verstehen. Die Angst vor Inflation treibt die Preise von Sachwerten, auch von schönen, nutzlosen, wie Cézanne und Mercedes SL. Aber Vorsicht: Laien werden von Experten übervorteilt. Lassen Sie sich unabhängig beraten, auch wenn das erst mal Geld kostet.

Was genau?
Die Deregulierung der Finanzsysteme ist sicherlich zu weit gegangen. Dann haben die Zentralbanken mit ihren niedrigen Zinsen auch einen großen Beitrag geleistet. Schließlich ist dann noch die systemische Aufsicht über die Bankenwelt verlorengegangen.

Kommentare (24)

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Account gelöscht!

18.02.2013, 10:33 Uhr

Die Krise hat noch nicht mal angefangen...was wir sehen sind künstlich zusammengehaltene Balloons die nicht mehr steigen und man aus purem Fanatismus und politischem Wahn einfach Luft hineinpumpt, im verordneten Glauben, dass da noch etwas steigt.

DieSoehneMannheims

18.02.2013, 10:34 Uhr

Die schöne, gute, alte Inflation, die sich unsere Politiker herbeisehnen und deshalb schüren, die über die abhängige EZB ausgeführt werden soll, beginnt an der Börse. Anstatt die Ausbeuter zu bestrafen, zu denen auch die Großindustrie zählt, die ihren Arbeitern massiv zu wenig bezahlt, was die Ungleichgewichte zusätzlich schürt, werden mal wieder die normalen Bürger ausgebeutet. Die sind dann auch noch so dämlich, wieder zur Wahl zu schreiten und dieselben Typen zu wählen, die immer wieder zu feige sind, eine Enteignung dort anzusetzen, wo sie angebracht ist, um die Ungleichheit nicht ausarten zu lassen und dadurch Ausschreitungen gezielt aus dem Wege zu gehen. Hollande war der einzige europäische Politiker, der den Versuch unternommen hat, das Richtige zu tun. Aber: Wenn die anderen Staaten zu dämlich sind, bei diesem historischen Projekt mitzuziehen, wird sich eben nie was ändern, und das ist auch der Grund dafür gewesen, weshalb von Anfang an festgestanden ist, dass Hollande scheitern wird, ja, scheitern musste.

Heini1946

18.02.2013, 10:37 Uhr

Hört endlich auf diese abhängigen Fondmanager zu befragen.
Natürlich sieht er immerzu nur Chancen auf steigende Kurse.
Es gibt aber eine Reihe sehr ernst zunehmenden Indikatoren,
die von einem Optimimus sprechen wie er auch 2000 zu Höchstkursen geführt hat. Aber nicht lange, dann haben die
angeführten Indikatoren zu sagenhaften minus 70% geführt. Besser sind da Beobachter, die alle Indikatoren einbeziehen. Sie sind bankenunabhängig und müssen keine Blockflöte spielen. Naturgemäß bleiben da nur wenige übrig. Z. B. Prof. Malik.

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