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17.12.2011

09:39 Uhr

Interview Peter Bernholz

„Die Rolle der EZB ist absolut gefährlich“

VonIngo Narat

Der Euro ist nur gefährdet, weil Politiker die Europäische Zentralbank in der Schuldenkrise zu Hilfsmaßnahmen drängen, sagt der Baseler Professor Peter Bernholz. Eine höhere Inflation werde die Folge sein, warnt er.

Peter Bernholz. Pressefoto

Peter Bernholz.

FrankfurtHerr Bernholz, welche Vermutungen über den weiteren Fortgang der Schuldenkrise lässt der Rückblick in die Geschichte zu?

Peter Bernholz: Man hätte die Griechen im Frühjahr 2010 nicht auffangen sollen. Ein Staatsbankrott wäre besser gewesen, da eine Rettung von systemrelevanten Banken billiger gekommen wäre. Jetzt ist die Lage viel schwieriger. Auf dem Papier haben die anderen Euro-Länder zwar nur Garantien übernommen da aber Griechenland und Portugal und vielleicht auch andere Länder ihre Schulden  nie werden zurückzahlen können, handelt es sich um eine Schuldenübernahme durch die stärkeren Länder. Dies erklärt auch die jüngste Drohung von Standard & Poor's, das Rating selbst von Deutschland herab zu setzen.

Was bedeutet das?

Ein  Staatsbankrott lässt sich also nicht vermeiden, obwohl im griechischen Fall von „freiwilligem Verzicht“ der privaten Gläubiger die Rede ist, um den Begriff Bankrott und die Rating-Einstufung „Default“ zu vermeiden. Jetzt sind auch andere Staaten gefährdet. Wenn die Finanzakteure Angst haben, breitet sich die Krise weiter aus. Der gefährlichste Vorschlag der Politiker ist jetzt: Die EZB soll unbegrenzt die Schulden aufkaufen. Das würde die Schulden monetisieren und die Unabhängigkeit der Notenbank endgültig beseitigen.

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Sollten wir vom Ansatz „Schulden bekämpfen mit noch mehr Schulden“ abgehen?

Die Schulden werden bisher nur verlagert, deshalb halte ich nichts davon. Genauer gesagt: Es ist eine reine Schuldenverlagerung, wenn die Krisenländer nicht mehr zurückzahlen können – was eher wahrscheinlich ist. Dann greifen die gegebenen Garantien. Andere Länder geraten in den Strudel. Damit steigt auch die deutsche Verschuldung. Die sogenannten Target 2-Verrechnungssalden zwischen den nationalen Notenbanken sind übrigens auch eine Schuldenverlagerung zur Bundesbank, die Probleme für die Bundesbank und damit Deutschland signalisiert. Ich sehe enorme Gefahren vor uns.

Gibt es eine Alternative zu diesem Weg in die Haftungs-/ Transferunion?

Auch in diesem Fall werden die Schulden verlagert. Sie bleiben an den Steuerzahlern der soliden Länder hängen. Ein EU-Finanzministerium müsste Konsolidierungsmaßnahmen in den weniger soliden Ländern durchsetzen können. Die Ursache der ganzen Probleme liegt in unsolidem Wirtschaften. Es begann mit den Zinssenkungen nach dem Platzen der Internetblase zu Beginn des Jahrtausends. Billige Kredite erzeugten die Immobilienblase in den USA und anderen Ländern. Diese Politik wurde von Notenbanken und Politikern gefördert. Jetzt sind wir praktisch sogar bei einer Null-Zins-Politik angekommen. Wir sind auf dem gleichen Weg wie Anfang des Jahrtausends, aber einen ganzen Schritt weiter.

Wie bewerten Sie die Rolle der EZB als Monetisierer der Staatsschulden?

Eine solche Rolle ist absolut gefährlich. Die Zentralbanken sind dann von der Politik abhängig, machen eine expansive Geldpolitik mit letztlich höherer Inflation. Das kann man gut aus der Historie belegen. Nach dem 2. Weltkrieg hatten die USA, Deutschland und die Schweiz unabhängige Notenbanken und geringere Inflationsraten. Die Zentralbanken Frankreichs, Großbritanniens und Italiens waren dagegen abhängig von den Finanzministerien. Es ist sicher kein Zufall, dass in diesen Ländern die Geldentwertungen seit 1973 höher ausfielen.

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

17.12.2011, 09:58 Uhr

Warum dauert es immer so lange, bis die Vernunft sich Gehör verschaffen kann? Und warum verstopfen sich auch dann noch die Politiker die Ohren? Wahrscheinlich weil die Guillotinen alle in den Museen stehen. Zurück auf die Marktplätze damit!

steuerschaetzer

17.12.2011, 10:02 Uhr

Ausgezeichneter Artikel,
der den deutschen Politikern als Pflichtlektüre für den heutigen Tag und dann immer wieder vor jeder Abstimmung über "alternativlose Maßnahmen zur €-Rettung vorgelegt werden sollte. Gratuliere dem Verfasser und dem Handelsblatt für diese ausgezeichnete Information.

Account gelöscht!

17.12.2011, 10:30 Uhr

Herr Bernholz, 40% Staatsausgabenfinanzierung durch Kredite haben wir schon lange überschritten. Die Folgen davon haben Sie ja sehr gut kommentiert. Zwischen der offiziellen und der tatsächlichen Verschuldung, also auch mit den ausgelagerten Schattenhaushalten, haben wir die 40% bereits überschritten.
http://siggi40.de/s/cc_images/cache_2411271105.jpg?t=1321185567
Wir finanzieren unsere Staatschulden derzeit mit 2%, den niedrigsten Zinsen seit 1945. Lassen Sie mal die Zinsen um nur 2, 3 oder 4% steigen – dann ist Schluss mit lustig – in allen westl. Ind.staaten natürlich.
Bei der Umschichtung der Vermögensanlagen n Sachwerten würde ich sogar Aktien komplett ausklammern. Der große Aktien-Crash ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Meine Empfehlung: Jetzt in Edelmetalle und Rohstoffe umschichten und erst nach dem großen Crash Aktien kaufen, von Firmen, die den Crash überlebt, bzw. umfirmiert haben. Dann können Sie zu einem Bruchteil die Aktien kaufen und somit das Vermögen vervielfachen. Einfach nur Mathematik. Oder sehe ich da was falsch?

@mondahu: Sie sprechen mir aus der Seele, wo kann ich mit anpacken?

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