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22.03.2012

07:49 Uhr

Interview

„Wer glauben will, sollte lieber in die Kirche gehen“

VonKatharina Schneider

Bei angeblichen Öko-Investments mit hohen Renditeversprechen lauern viele Gefahren. Der Münchener Fachanwalt für Kapitalanlagerecht, Peter Mattil, erklärt, wie sich Anleger vor herben Verlusten schützen können.

Peter Mattil, Fachanwalt für Kapitalanlagerecht aus München.

Peter Mattil, Fachanwalt für Kapitalanlagerecht aus München.

Herr Mattil, mit blinkenden Werbeanzeigen werden Verbraucher im Internet zum Investment in Rohstoffe wie Holz und Palmöl gelockt. Versprochen werden Renditen von jährlich mehr als zwölf Prozent. Ist das eine gute Anlage?

In den allermeisten Fällen würde ich sagen ‚Finger weg’. Denn sehr hohe Renditeversprechen bedeuten immer auch ein sehr hohes Risiko. Nach meiner Erfahrung gehe ich davon aus, dass gerade mal zwei von tausend solcher Angeboten seriös sind.

Haben Sie in Ihrer Kanzlei bereits Erfahrungen mit Investitionen in Holz  gemacht?

Ich hatte schon viele Mandanten, die Baum-Investments und Ähnliches abgeschlossen haben. Am Ende existierten weder die Grundstücke noch die Bäume, das Unternehmen war eine reine Briefkastenfirma und ihr Geld haben die Anleger nie wieder gesehen.

Gibt es für Betrogene eine Chance, ihr Geld zurückzubekommen?

Wenn es sich tatsächlich um eine Briefkastenfirma handelt, ist es sehr schwierig, die Verantwortlichen ausfindig zu machen. Bis der Kunde Verdacht schöpft, sind die meist schon mit einem Sack voll Geld über alle Berge.

Darauf müssen Anleger achten

Wie hoch sind die Erträge?

In den Anzeigen für Rohstoffinvestments mit Megarendite werden häufig die Renditeprognosen des Best Case-Szenarios genannt oder die Spitzenwerte einzelner Jahre.

Wann werden die Erträge gezahlt?

Hinter der angeblichen jährlichen Rendite verbirgt sich oft die IRR (Internal Rate of Return). Dabei handelt es sich aber nur um eine theoretische mittlere jährliche Rendite. Diese Angabe bedeutet nicht, dass der Anleger tatsächlich jedes Jahr eine Auszahlung bekommt.

Wie lange läuft die Beteiligung?

Investments in Holz laufen häufig zwanzig Jahre. Aber auch bei Genussscheinen sind Laufzeiten von mindestens fünf Jahren üblich. Eine frühzeitige Kündigung ist häufig nicht möglich oder mit finanziellen Einbußen verbunden.

Welche Erfahrungen haben die Initiatoren?

Ein Anhaltspunkt um die Seriosität eines Anbieters zu beurteilen, sind die bereits umgesetzten Projekte.

Wie qualifiziert ist die Geschäftsführung?

Wenn die Geschäftsführer in der Vergangenheit in Branchen tätig waren, die nichts mit dem beworbenen Projekt gemein haben, ist besondere Skepsis angebracht. Seriöse Unternehmen sollten die Vita ihrer Führungskräfte veröffentlichen.

Wie entwickelt sich die Branche?

Trotz Energiewende gibt es keinen durchgängigen Aufwärtstrend bei Erneuerbaren und ökologischen Energien. Vor einem Investment sollten sich Anleger genau über die entsprechende Branche informieren.

Und wenn tatsächlich ein richtiges Unternehmen dahinter steht?

Auch dann ist es nahezu unmöglich, das Geld zurückzubekommen. In ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen weisen die Anbieter in der Regel darauf hin, dass der Totalverlust des Kapitals möglich ist. Damit haben sie den Kunden über das Risiko aufgeklärt.

Könnten Anleger nicht auf Schadenersatz klagen?

Das können sie schon, aber dann müssen sie auch nachweisen, dass das Unternehmen grob fahrlässig oder mit Absicht gehandelt hat und dadurch beispielsweise kein Ertrag aus den gepflanzten Bäumen erzielt wurde. Da die Plantagen meist weit weg in Südamerika liegen, ist die Beweisführung aber quasi unmöglich.

Der eigene Wald als Geldanlage

Video: Der eigene Wald als Geldanlage

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Warum schreitet bei solchen Angeboten nicht die Finanzaufsicht Bafin ein?

Es wäre schön, wenn sie das täte. Solche Angebote gehören aber zum Grauen Kapitalmarkt und werden bisher nicht reguliert. Es werden also weder die Angebote selbst noch die Prospekte von der Bafin geprüft.

Im vergangenen Jahr wurde das Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagenrecht novelliert. Wird das die Situation bald verbessern?

Das Gesetz stellt schon eine deutliche Verbesserung dar. Berater müssen nun eine Haftpflichtversicherung haben und die Verjährungsfristen für Klagen wegen Prospekthaftung wurden verlängert. Allerdings wurden Gewerbebehörden für die Überwachung des Vertriebs eingesetzt. Aus meiner Sicht sollte das besser die Bafin machen. Außerdem fehlt eine Regelung, dass Anleger bei Investments nicht persönlich haften und Geld nachschießen dürfen.

Kommentare (6)

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Buchen

22.03.2012, 11:17 Uhr

Investments in Holz,sind Investments in Waldheuschrecken

Buchen

22.03.2012, 11:28 Uhr

Kein Orkan und keine Not
sondern
Profit und Gier
sind
des Waldes Tod.

Kastanien

22.03.2012, 11:34 Uhr

Kein Orkan und keine Not
sonder Profit und Gier
ist des Waldes tot

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