Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.07.2011

15:18 Uhr

Interview zur Schuldenkrise

„Italien ist noch beherrschbar“

VonRalf Drescher

Italien droht in den europäischen Schuldensumpf zu sinken. Doch eine Wende ist noch möglich, sagt Michael Reuss, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Huber, Reuss und Kollegen. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, wie die Euro-Zone gerettet werden kann, warum die Kritik an Ratingagenturen verfehlt ist und wieso Anleger den Herbst fürchten müssen.

Michael Reuss ist Geschäftsführer der Münchener Vermögensverwaltung Huber, Reuss und Kollegen. Quelle: Andy Ridder für Handelsblatt

Michael Reuss ist Geschäftsführer der Münchener Vermögensverwaltung Huber, Reuss und Kollegen.

Herr Reuss, die Sommerrally an den Aktienmärkten hat sich in eine Sommerpanik umgedreht. Die Märkte zittern vor einem Zusammenbruch Italiens. Zu Recht?

Im Grunde genommen hat sich an den Fakten zu Italien wenig geändert, deswegen hat bis vergangene Woche auch niemand wirklich über das Land gesprochen. Was wir gesehen haben, war ein cleverer Schachzug von ein paar spekulativen Investoren. Sie haben gesehen, dass sich die Anleihenrenditen Italiens der kritischen Fünf-Prozent-Marke nähern und haben die Gelegenheit genutzt, um mit großen Positionen gegen den Markt zu wetten. Diese Spekulanten verdienen gerade kräftig und andere springen auf den Zug auf, was die Bewegung verschärft.

Aber wie steht Italien in Wirklichkeit da?

Italien ist nicht ohne. Das Land ist extrem verschuldet und die Wirtschaft wächst kaum. Italien hat eine Schuldenquote von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – bereits ein Verhältnis von 90 Prozent gilt als kritisch. Man muss sagen, dass die Politik bisher sehr wenig getan hat, um die Schuldenmisere zu bekämpfen. Jetzt ist die Situation sehr ernst, da Italien in diesem und im nächsten Jahr sehr hohe Summen am Kapitalmarkt refinanzieren muss.

Kann das bei den aktuellen Zinsen überhaupt gelingen?

Nein, Zinsen von mehr als sechs Prozent sind eindeutig zu hoch. Aber der Vorteil ist, dass die italienische Politik jetzt alarmiert ist. Die Verantwortlichen tun erst etwas, wenn die Not sehr groß ist und diese Situation ist jetzt erreicht. Die gute Nachricht ist, dass es noch nicht zu spät ist. Anders als in Griechenland ist die Lage in Italien noch beherrschbar.

Inwiefern?

Italien verfügt über sehr wettbewerbsfähige Firmen, die Bürger haben eine sehr hohe Sparquote und die Haushalte sind relativ gering verschuldet. Der Staat könnte sich also Geld holen, wenn er es braucht.

Ein erstes Sparpaket ist geschnürt, aber noch nicht verabschiedet worden.

Die schwierige politische Situation in Italien erschwert eine Lösung. Aber dass das Paket aufgelegt wurde, zeigt, dass hier etwas verstanden wurde. Selbst bei Silvio Berlusconi dürfte die Botschaft angekommen sein. Die Entscheidung, dass er 2013 nicht noch einmal antritt, dürfte damit zusammenhängen, dass er weiß, was auf das Land zukommt und kein Lust hat, diesen schmerzhaften Prozess anzuführen. Ich gehe davon aus, dass auch in Italien die politischen Kräfte in der Not zusammenrücken werden.

Der Schuldenberg Italiens

Gegenwind an den Kapitalmärkten

Mit bangem Blick verfolgt Italien die steigende Nervosität an den Märkten, denn mit höheren Risikoaufschlägen für Italiens Anleihen steigen auch die Refinanzierungskosten. Hier ein kurzer Überblick über den Schuldenberg des Landes und wie es an frisches Geld kommt.

Italien in „schlechter Gesellschaft“

Ende 2010 erreichte der Schuldenstand des Staates bereits 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und wird wohl dieses Jahr 120 Prozent übersteigen. Damit wäre die Quote doppelt so hoch wie im Maastrichter EU-Vertrag erlaubt. Italiens Schuldenberg reicht aber noch nicht an die gigantische Quote des von EU und IWF vor der Pleite bewahrten EU-Partners Griechenland (2010: 142,8 Prozent) heran. Auch Irland (EU-Prognose für 2011: 112,0 vH) und Portugal (101,7 vH) werden voraussichtlich Ende dieses Jahres mehr Schulden angehäuft haben, als sie an Wirtschaftsleistung auf die Waage bringen.

Inländische Gläubiger stützen

83 Prozent der Schuldensumme Italiens von 1,843 Billionen Euro wurden 2010 nach Informationen des Wirtschafts- und Finanzministeriums über Staatstitel abgedeckt. Den Großteil davon halten Gläubiger im Inland. Damit konnte sich das Land bislang sozusagen am eigenen Schopf aus dem Schuldensumpf ziehen.

Absturzgefahr

Doch das Freiburger Centrum für Europäische Politik (CEP) verweist darauf, dass das Land schon seit zwei Jahren mehr Kapital im Ausland leiht als es für Investitionen in die Erweiterung der Produktionskapazitäten ausgibt. „Wenn sich um Italien nicht schnell etwas tut, gleitet das Land bereits 2011 in die unterste Risikokategorie ab, in der sich Griechenland, Portugal, Zypern und Malta befinden“, warnte CEP-Vorstandschef Lüder Gerken.

Anstehende Emissionen

Paolo Bonaiuto, der Berater des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi, beziffert die Gesamtsumme an Emissionen „in den kommenden Monaten“ auf 120 bis 130 Milliarden Euro. Von Juli bis September sollen allein mit der Ausgabe neuer Anleihen insgesamt 40 Milliarden Euro in die Staatskasse wandern. Zudem behält sich die Regierung vor, weitere Neuemissionen aufzulegen. Außerdem will der Staat durch die Aufstockung laufender Anleihen zusätzlich frisches Geld bei Investoren einsammeln.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

12.07.2011, 15:30 Uhr

Reuss ist ein Dummschwaetzer der heute nur politisch genehme Vorarbeit leistet um sich anzudienen.

Mein tiefstes Mitleid an all jenen die bei dieser "Vermoegensverwaltung" Kunde sind.

Wirklich Lachaft !

Danke an das HB, Sie haben mich sehr belustigt hiermit.

Demokrat

12.07.2011, 15:40 Uhr

Aus welcher Anstalt ist der AUSGEBROCHEN .
Wenn er das GLAUBT was er hier ERZÄHLT stehen seine Chancen gut bald DRESCHE zu bekommen wenn der Michel gemerkt hat was er für einen Nonnsens er erzählt.

Kapitalverbrecher

12.07.2011, 15:41 Uhr

„Italien ist noch beherrschbar“
---
Muhahaha ... und Spanien dann nicht mehr! :-)
Die Eurofanatiker lügen sich ihr Weltbild immer weiter selbt in die Tasche.

Wer wie Herr Reuss & Kollegen, dieses Zitat auf ihrer Webseite stehen haben: „Es ist oft produktiver, einen Moment über sein Geld nachzudenken, als Monate dafür zu arbeiten“ der hat wohl selbst noch nie hart und produktiv für sein Geld arbeiten müssen.
Herr Reuss, wer bitteschön erarbeitet denn die Rendite und den Zins ihrer Kapitalgeber?
Ihre ganze Branche ist asozial und pervers.
Ich wünsche Ihnen, das sie zukünftig in den Genuß geringen Lohns für lange harte körperliche Arbeit kommen werden.
Dann bin ich gespannt, ob sie noch immer solche dummen Zitate auf Ihrer Webseite posten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×