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31.01.2008

10:28 Uhr

Investment-Trends

Profi-Investoren denken um

VonIngo Narat

Noch lassen viele Institutionelle Anleger Rohstoffe links liegen, sie machen höchstens ein Prozent der Portfolios aus. Doch das wird sich nach Ansicht von Experten ändern. Denn der Markt ist nicht nur wegen steigender Preise äußerst attraktiv.

Institutionelle Investoren setzen bisher kaum auf Rohstoffe.

Institutionelle Investoren setzen bisher kaum auf Rohstoffe.

LONDON. Institutionelle Investoren sind auch nach sieben Jahren Hausse kaum in Rohstoffen (Commodities) engagiert. Experten taxieren die Quote im Schnitt auf ein Prozent am Vermögen oder darunter. „Aber der Anteil wird in den kommenden Jahren auf drei bis fünf Prozent steigen, vor allem Edelmetalle dürften eine größere Rolle spielen“, glaubt Thomas Meyer zu Drewer, Deutschland-Leiter von Lyxor Asset Management. Michael Widmer, Metallanalyst bei Lehman Brothers in London, wittert daher für Investoren und Produktanbieter „genügend Potenzial auf diesem Feld“.

Genaue Zahlen über die Rohstoffinvestments der institutionellen Anleger sind nicht verfügbar. Widmer behilft sich daher mit dem Anteil von Rohstoff-Indexfonds plus strukturierter Rohstoffprodukte – etwa jenen mit Kapitalgarantie – an der Weltbörsenkapitalisierung inklusive der Bankeinlagen. Bei der Kalkulation kommt er auf eine Quote am Gesamtvermögen von nur 0,1 Prozent.

In dieser Schätzung sind allerdings weder die Direktengagements an den Terminmärkten noch die Hedge-Fonds-Aktivitäten oder die immer populärer werdenden börsengehandelten Indexfonds enthalten. Widmers Schätzung für eine Gesamtquote liegt „deutlich unter ein Prozent“. Natalie Dempster, Leiterin Research bei der Minenlobby World Gold Council (WGC) in London, ist etwas optimistischer und taxiert den gesamten Rohstoffanteil in den Portfolios der institutionellen Adressen auf durchschnittlich ein Prozent.

Laut Barclays Capital erreichten die Commodities-Investments insbesondere in Indexfonds auf einschlägige Messlatten wie den GSCI und ähnliche Instrumente im vergangenen Jahr 160 Mrd. Dollar. Experten des Hauses erwarten weitere Zuwächse im laufenden Jahr.

Die im Verhältnis zum Gesamtvermögen insgesamt minimalen Engagements sind nach Ansicht von WGC-Chef James Burton völlig unangemessen. „Institutionelle können ihre Depotrisiken streuen, sich gegen Inflation sichern und außerdem von den steigenden Rohstoffpreisen profitieren“, sagt der Chef der Minenlobby. „Schon bei geringen Quoten von drei Prozent verbessern sich die Risiko-Ertrags-Profile der Portfolios“, sagt Widmer, „weil Rohstoffpreise sich relativ unabhängig von Aktien und Anleihen entwickeln.“

Weltweit haben einige wenige Adressen Pionierrollen übernommen. „Die US-Stiftungsfonds der Universitäten Yale und Harvard lagen hier immer in Führung“, sagt Burton. Doch Harvard und Yale verschleiern den Blick auf Tausende anderer Pensionsfonds als wichtige Gruppe unter den institutionellen Investoren. Die meisten stehen heute noch im Abseits. „Die Anlagen sind marginal, verglichen mit den Quoten von Aktien oder Anleihen“, sagt auch Frédéric Lasserre, Leiter Rohstoffresearch bei der Société Générale in Paris. „Weltweit sind meiner Beobachtung nach von den großen Pensionsfonds nur eine Handvoll ernsthaft auf diesem Feld aktiv.“

Ähnlich urteilt Burton: „Erst in den letzten sechs bis zwölf Monaten wächst die Einsicht, dass Rohstoffe eine interessante Vermögensform sind.“ Das Interesse und die Informationsanfragen steigen seiner Beobachtung nach, „aber ohne das es gleich mit Investitionen verbunden wäre – wir sind in einem ganz frühen Stadium.“

Besondere Aufmerksamkeit in den USA ist dem größten öffentlichen Pensionsfonds des Landes gewiss: Calpers. Der Pensionsfonds für die öffentlich Beschäftigten in Kalifornien verwaltet 260 Mrd. Dollar und setzt jetzt zum ersten Mal den Fuß in die Rohstoffmärkte. „Wir planen Investments von zwei bis drei Milliarden Dollar in den nächsten drei Jahren“, sagt Calpers-Sprecher Brad Pacheco in Sacramento.

Auch auf dem hiesigen Kontinent ist das Bild im Durchschnitt ernüchternd. „Die meisten europäischen Institutionellen haben null Prozent Rohstoffe“, sagt Simon Davies, Leiter der britischen Anlagegesellschaft Threadneedle. Aber es gibt Ausnahmen. Zu den Vorreitern zählen die niederländischen PGGM und ABP sowie die britische Hermes. In Deutschland spielt sich die 12,5 Mrd. Euro verwaltende Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) nach vorne.

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