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13.01.2010

11:06 Uhr

Investoren-Umfrage

Profi-Anleger rechnen mit fallenden Aktienkursen

VonUlf Sommer

Investoren teilen einer Umfrage zufolge den Optimismus der Banken für die Aktienmärkte nicht. Folgt der Dax dem Votum seiner Marktteilnehmer, notiert er Ende 2010 niedriger als heute. Auch für den Euro sieht es nicht gut aus. Auffällig: Institutionelle Investoren zeigen sich skeptischer als Privatanleger.

Die Marke von 6.000 Punkten wird der Dax nach Meinung von Investoren dieses Jahr nicht halten können. ap

Die Marke von 6.000 Punkten wird der Dax nach Meinung von Investoren dieses Jahr nicht halten können.

DÜSSELDORF. Gut 3 100 befragte private und institutionelle Anleger taxieren den Dax zum Jahresende durchschnittlich bei 5 908 Punkten, also zwei Prozent niedriger als gestern. Das ergibt die Umfrage des Frankfurter Researchinstituts Sentix, dem größten unabhängigen Anbieter von Stimmungsindizes und verhaltensorientierten Daten in Europa.

Noch nie hatten Anleger im Rahmen dieser Umfrage auf Sicht von zwölf Monaten mit fallenden Kursen gerechnet. Insgesamt erwarten sie eine Schaukelbörse - ohne klaren Trend. Die Hauptsorge gilt einer steigenden Arbeitslosigkeit, einer schwachen Binnenwirtschaft und einem Einknicken der Weltwirtschaft. Auffällig ist, dass ganz besonders die Profis mit einem verheißungsvollen Jahresauftakt rechnen, sie dann die Börsen aber - ebenso wie die Privaten - im zweiten und dritten Quartal deutlich fallen sehen.

"Aktuell hohe und zuletzt deutlich gestiegene Investitionsquoten spiegeln den Optimismus der Profis wider", sagt Sentix-Experte Patrick Hussy. Doch auf Sicht von sechs Monaten und mehr sind die Institutionellen derzeit so negativ für die Börsen gestimmt wie noch nie seit Beginn der regelmäßigen Umfrage vor gut zehn Jahren. "Sehr viele Anleger kaufen ohne Überzeugung", sagt Hussy. Getreu dem Motto des früheren Citigroup-Chefs Charles Prince, "solange die Musik spielt, müssen wir mittanzen", haben professionelle Investoren im Zuge der jüngsten Börsenrally ihre Aktienquoten massiv erhöht, obwohl sie die fundamentalen Aussichten miserabel beurteilen.

Solch ein Missverhältnis registrierte Sentix auch vor einem Jahr. Ebenso wie jetzt beurteilten Anleger zur Jahreswende 2007/2008 die mittelfristigen Erwartungen negativ, kauften aber gleichzeitig massiv Aktien, um an der Kursrally zu partizipieren. Daraufhin stieg der Dax im Januar 2008 nochmals über die Marke von 8 000 Punkten, obwohl die Immobilienkrise schon damals die Märkte seit mehr als einem halben Jahr verunsicherte.

Damals wie heute fehlte Anlegern die Grundüberzeugung für eine bessere Zukunft. Mit fatalen Folgen, denn die Märkte hielten einem ersten Belastungstest nicht stand. Als sich im Januar 2008 der französische Händler Jérome Kerviel von der Société Générale mit 4,9 Mrd. Euro verspekulierte und seine Hausbank daraufhin panikartig ganz besonders Dax-Titel verkaufte, um die Verluste nicht noch weiter ausufern zu lassen, wuchsen sich die weltweiten Verkäufe zu einer Lawine aus. Wer mittelfristig keine Perspektiven sah und nur um der kurzfristigen Gewinne eingestiegen war, verkaufte seine Aktien.

Mit Blick auf die nahe Zukunft schlussfolgern die Sentix-Experten, dass den Börsen noch im Januar die Puste ausgeht und es zu empfindlichen Rücksetzern kommt, sobald die Kurse erst einmal zu korrigieren beginnen. Ursache dafür seien die vielen nicht überzeugten Käufer, die gerade erst eingestiegen sind.

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