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16.09.2013

16:13 Uhr

Investoren warnen

Schwellenländer auf dem Abstellgleis

Lange Zeit haben Investments in Bric-Staaten dicke Profite abgeworfen. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein: Warum Volkswirte Brasilien, Russland, Indien und China miserable Anlagechancen bescheinigen.

Laut einer Bloomberg-Umfrage raten Investoren von der Anlage auf den Märkten der Schwellenländer erst einmal ab. dpa

Laut einer Bloomberg-Umfrage raten Investoren von der Anlage auf den Märkten der Schwellenländer erst einmal ab.

New York Investoren sehen an den größten Märkten der Schwellenländer erstmals die schlechtesten Anlagechancen. Indien schnitt am miesesten ab, gefolgt von Brasilien, Russland und China. Bessere Gelegenheiten bieten die USA und Europa, ergab eine weltweiten Umfrage von Bloomberg unter Anlegern, Analysten und Händlern aus der vergangenen Woche.

Die Aussichten auf eine geringere globale Liquidität, wenn die Federal Reserve ihr Anleihekaufprogramm zurückfährt, hat zu dem größten Ausverkauf bei den größeren Schwellenländer-Währungen in fünf Jahren geführt. Die indische Rupie und die türkische Lira fielen auf Rekordtiefs.

Die Talfahrt führt die Herausforderungen für die Region vor Augen, darunter eine zu starke Kreditabhängigkeit in China und niedrige Investitionen in Brasilien. Zusammen mit Indien und Russland gehören diese Staaten zu der so genannten Bric-Gruppe.

Bedeutung der Schwellenländer für Anleger

Welche Länder sind Schwellenländer?

Schwellenmärkte sind die Finanzmärkte von Volkswirtschaften im Wachstumsstadium ihres Entwicklungszyklus und weisen ein niedriges bis mittleres Pro-Kopf-Einkommen auf. Diese Länder liegen in aller Regel in Asien (ohne Japan), dem Nahen Osten, Osteuropa, Zentral- und Südamerika und auch in Afrika. Insgesamt sind es etwa 170 Länder.

Quelle: Mark Mobius – Emerging Markets für Anleger, Börsenbuchverlag

Wie bedeutend sind diese Länder?

Auf Schwellenländer entfallen 77 Prozent der globalen Landmasse, mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung, mehr als 65 Prozent der globalen Devisenreserven und rund 50 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Wie viele Menschen leben in den Emerging Markets?

2010 lebten rund 5,7 Milliarden Menschen in Schwellenländern – etwa fünf Mal so viele wie in den Industrieländern mit ihren 1,2 Milliarden Einwohnern. Allein China und Indien haben mehr als 2,5 Milliarden Menschen – in etwa das Vierfache der rund 700 Millionen Bürger der USA und der Europäischen Union.

Wer sind die „Big Five“?

China, Indien, Indonesien, Brasilien und Russland sind die sogenannten Big Five und sind nach sämtlichen Maßstäben rentable Schwellenmärkte. Sie sind nicht nur in der Entwicklung begriffen, sondern gehören auch zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt, China, Brasilien und Indien sogar zu den Top Ten. Marc Mobius ist überzeugt: „Diese Volkswirtschaften sind ganz klar die Wirtschaftsmotoren des 21. Jahrhunderts.“

Wie stark wachsen die Emerging Markets?

Von 2000 bis 2010 wuchsen die Volkswirtschaften von vier maßgeblichen Schwellenländern, nämlich Brasilien, Russland, Indien und China (Bric), um 112 Prozent. Die USA, Großbritannien und Japan brachten es nur auf vergleichsweise magere auf 14 Prozent.

„Die Brics werden gegenüber den Industriestaaten immer die zweite Geige spielen“, sagt Umfrageteilnehmer Ben Kelly, Analyst von Louis Capital Markets. „Die wachstumsfreundliche Geldpolitik der USA hat es den Schwellenländern ermöglicht, aufgrund der sehr niedrigen oder negativen Realzinsen zu florieren.“

Da sich die Konjunktur in den USA „und in einem gewissen Maße auch in Europa zu stabilisieren beginnt, dürfte sich ein Teil dieses Entwicklung wohl wieder umkehren. Wir haben das schon an den Anleihemärkten gesehen”, fügt Kelly an.

Kommentare (2)

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333

16.09.2013, 19:49 Uhr

Wurde die Studie von Goldman Sachs in Auftrag gegeben? Ähnlich, die Aussage von GS, den Goldboom für tot zu erklären, weil sich die Wirtschaft in den USA besser erhole und QE 3 lt.Berankes Nebensatz evtl gestoppt wird? Ich dachte Marktmanipulation sei verboten? Wenn Government Sachs etwas sagt, kann man davon ausgehen, dass das Gegenteil richtig ist.Die Schwellenländer sind niedriger verschuldet als die Industrieländer und erfüllen zum großen Teil sogar die Maastrichtkriterien. Hier findet m.E. ein Währungskrieg statt, denn mit Nullzinspolitik und Schrottanleihenkauf wird noch lange kein reales Wachstum erzielt, sondern nur Blasenbildung an den Börsen und auf dem Immobilienmarkt. Wer sind bitte die Großinvestoren, die davon profitieren? Und bitte, welche Konjunkturerholung in welchem Sektor der deindustrialisierten Staaten von Amerika oder der hochverschuldeten noch nicht Vereinigten Staaten von Europa, welches aber über das Schuldgeld geschaffen werden soll?


WirWarenMalDasVolk

16.09.2013, 20:17 Uhr

"Etwa 56 Prozent der Befragten meinten, dass Notenbankchef Haruhiko Kuroda bis mindestens zur zweiten Jahreshälfte 2015 auf Zinsanhebungen verzichten wird"


So schön euphemistisch kann man das natürlich auch sagen. Bis dann hat Japan ca. 300% Verschuldungsgrad, gemessen am BIP.

Der japanische Staatshauhalt 2012/2013 beträgt €885 Milliarden, davon 49% via neuer Schulden. Heisst umgekehrt: Japans selbst erwirtschaftetes Steuernaufkommen beträgt gerade mal €451 Mrd.

Das bei einem BIP von €4,47 Bio. Also rechnen wir mal:

Schuldenstand 2015 = circa € 13,4 Bio; bei angenommenen 5% Zinssatz sind das allein an ZINSEN €671 Mrd. oder das 1,5x des japanischen Steueraufkommens.

Oder Klartext: Japan ist dermassen pleite, dass Griechenland daneben aussieht wie Dagobert Duck höchstpersönlich!

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