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05.01.2015

15:31 Uhr

„Islamic Banking“

Eine Finanzwelt ohne Zinsen

Das Geschäft mit Geldanlagen nach islamischem Scharia-Recht wächst kräftig. Internationale Finanzzentren bringen sich für das Geld von Scheichs und Staatsfonds in Stellung. Doch westliche Banken halten sich zurück.

Islamic Banking ist seit Jahren ein Trend. ap

Islamic Banking ist seit Jahren ein Trend.

New YorkZinsen verboten, Investitionen in Glücksspiel, Waffen und Porno tabu: Trotz strenger Vorschriften zählt das Finanzwesen nach islamischem Recht in der Bankenwelt zu einer von wenigen florierenden Nischen. Mehr als 1,6 Milliarden Muslime gibt es weltweit und der Bedarf an Anlage- und Sparprodukten, die dem religiösen Gesetz der Scharia entsprechen, ist lange nicht gedeckt.

Westliche Banken könnten hier ein neues Geschäftsfeld erschließen, doch die meisten bleiben bislang auf Distanz. Dafür buhlen internationale Finanzzentren wie London oder Luxemburg um das Geld von Scheichs und Staatsfonds.

Nach Berechnungen der Wirtschaftsberatung Deloitte machen Scharia-konforme Anlagen bislang nur ein bis zwei Prozent aller Finanzwerte weltweit aus. Aber das Geschäft zieht seit Jahren an. „Die wachsende muslimische Bevölkerung sucht nach Anlageprodukten, die ihren Bedürfnissen entsprechen“, sagt Deloitte-Experte David Capocci. Sein Unternehmen rührt kräftig die Werbetrommel, um Investoren aus islamischen Ländern nach Luxemburg zu locken. Der Euro-Zwergstaat bringt sich als westliches Zentrum für orientalische Geldgeschäfte in Stellung.

Deloitte geht davon aus, dass die in islamischen Finanzprodukten verwalteten Mittel bis 2018 von knapp zwei auf etwa 3,4 Milliarden Dollar ansteigen werden. In den vergangenen vier Jahren sei der Markt mit einer Jahresrate von 17,6 Prozent gewachsen.

Echte Anleger sind...

...gelassen

"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."

...geduldig

"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."

...rational

"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Mehr als 300 islamische Banken und über 750 Investmentfonds bräuchten Finanzdienstleistungen, heißt es in einer Studie. Elf der 20 größten Staatsfonds stammten aus islamischen Ländern - große Erträge aus dem Ölgeschäft müssten investiert werden. Luxemburgs Konkurrenz schläft aber nicht: Großbritanniens Premier David Cameron hat angekündigt, London zur Drehscheibe für islamische Finanzgeschäfte machen zu wollen. Eine britische Staatsanleihe unter Scharia-Recht gibt es bereits.

Kommentare (6)

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Herr Manfred Zimmer

05.01.2015, 15:37 Uhr

Die Frage ist in der Tat, ob die EZB eine Bank mit islamischem Vorbild ist?

Zumindst die Fakten sprechen für sich.

Dass die deutsche Regierung stark religiös geprägt ist, ist auch überall nachzulesen. Die Bundeskanzlerin ist Pfarrerstochter und der Bundespräsident sogar evangelischer Pfarrer.

G. Nampf

05.01.2015, 16:05 Uhr

"Doch westliche Banken halten sich zurück."

Nein, mittlerweile sind wir nicht mehr weit weg von einem islamischen Wirtschaftssystem, denn Zinsen zahlen ist auch im Westen unmodern geworden.

Es fragt sich nur noch, warum jemand einem anderen Kapital überlassen soll, denn Zinsen sind eine Entschädigung für die Überlassung von Kapital, mit dem man selbst wirtschaftlich tätig sein könnte (http://de.wikipedia.org/wiki/Zinsen#Zinstheorien)

Herr Peter Aue

05.01.2015, 17:09 Uhr

"Es fragt sich nur noch, warum jemand einem anderen Kapital überlassen soll"

Das ist die übliche Zinswucherpropaganda. Auch in Europa war der Zins lange Zeit bei Todestrafe verboten. Aus sehr gutem Grund: denn er ist eine exponentielle Wachstumsfunktion, welche mathematisch zur Vermögenskonzentration bei den Geldverleihern führt und langfristig zum Zusammenbruch des Geldsystems.
Daß eine gewisse "Religion" den Zinswucher als Waffe gegen alle anderen Völker vorschreibt, sei nur am Rande erwähnt.

Wenn Sie selbst überlegen würden, anstatt einfach die Zinswucherpropaganda nachzuplappern, dann würden sie sofort folgende Antwort auf die obige Frage, wer denn dann noch Geld verleihen würde, erfassen:

Na stellen Sie sich vor, der Kapitalgeber wird Anteilseigner. Kein Mensch braucht den Zins.
Ich investiere in eine Firma, von der ich überzeugt bin. Erwirtschaftet sie Gewinn, gehört ein Teil des Gewinnes mir, als Anteilseigner der Firma. Sicher haben Sie schon den Begriff Aktie gehört. Das ist im Grunde auch nichts anderes, nur halt für große Firmen.

Also bitte selbst denken und nicht die Propaganda der Zinswucherer einfach nachplappern.

Die Erde ist ein begrenzter Planet und der WACHSTUMSZWANG, der durch den Zinseszins des Schuldgeldes erzeugt wird, zerstört nicht nur die Lebensgrundlagen von Mensch und Tier, sd. zerstört die Menschen auch seelisch, wie man überall sehen kann.

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