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11.11.2015

14:34 Uhr

Italiens Notenbankchef

EZB erwägt schärferen Strafzins

Banken müssen derzeit Strafzinsen bezahlen, wenn sie bei der EZB über Nacht Geld parken. Der Einlagensatz liegt seit September bei minus 0,2 Prozent. Offenbar prüfen die Währungshüter eine Verschärfung des Strafzinses.

Laut dem EZB-Ratsmitglied prüft die EZB auch eine Verschärfung des Strafzinses. dpa

Italiens Notenbankchef Ignazio Visco

Laut dem EZB-Ratsmitglied prüft die EZB auch eine Verschärfung des Strafzinses.

FrankfurtDie Euro-Währungshüter werden laut Italiens Notenbank-Gouverneur Ignazio Visco auf ihrer Ratssitzung im Dezember auch eine Verschärfung des Strafzinses prüfen. „Andere Länder scheinen keine Probleme damit erfahren zu haben“, erklärte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) am Mittwoch laut Rede-Manuskript bei einer Veranstaltung in London. Bislang sei die Einführung negativer Sätze reibungslos verlaufen. Der Einlagensatz im Euro-Raum liegt seit September 2014 bei minus 0,2 Prozent. Banken müssen also Strafzinsen bezahlen, wenn sie bei der EZB über Nacht Geld parken. In Dänemark liegen die Einlagenzinsen sogar bei minus 0,75 Prozent.

Eine wachstumsfördernde Geldpolitik könne auch beinhalten, den Umfang, die Dauer und die Zusammensetzung des laufenden Anleihen-Kaufprogramms zu ändern. Mit den seit März laufenden Käufen will die EZB Banken zu mehr Krediten an die Wirtschaft bewegen. Das würde die Konjunktur anschieben und damit auch die hartnäckig niedrige Inflation nach oben treiben.

Die Macht und die Mittel der EZB

Ziele

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Preisstabilität wahren, die Wirtschaftspolitik unterstützen und Finanzstabilität sichern.

Leitzinsanpassung

Leitzinsanpassungen sind das traditionelle Mittel, um die Wirtschaft und die Arbeitsnachfrage zu dämpfen oder zu stimulieren, und so die Lohnentwicklung und die Inflation stabil zu halten.

Negativzinsen

Negativzinsen von 0,1 Prozent berechnet die EZB den Banken für deren Guthaben bei der Notenbank. Jede Bank will ihre überzähligen Guthaben zu einer anderen Bank schieben, indem sie Wertpapiere kauft oder Kredite vergibt.

Langfristkredite

Langfristkredite vergibt die EZB seit Ende 2011 und ergänzt damit die normalen kurzfristigen Kredite. Das hilft den Banken bei der Finanzierung, da Bankanleihen teurer und für manche gar nicht mehr zu haben waren.

Pfandbriefe

Pfandbriefe und Kreditverbriefungen kauft die EZB den Banken seit Herbst 2014 ab. Auch das hilft bei der Refinanzierung und sorgt für mehr Bankguthaben bei der EZB, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen soll.

Käufe von Staatsanleihen

Käufe von Staatsanleihen als Mittel der Geldpolitik setzte die EZB erstmals 2010 ein, um die Renditen von Anleihen der Peripherieländer zu drücken, die damals kräftig nach oben schossen. Das gelang mit dem relativ kleinen Programm nur bedingt. Im September 2012 ersetzte die EZB dieses SMP-Programm durch das OMT-Programm. Sie erklärte sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Bisher kam das Programm nicht zum Einsatz. Seit März 2015 erwirbt sie mit einem erweiterten Kaufprogramm im großen Stil Staatsanleihen. Der Gegenwert landet als Bankguthaben bei den Verkäufern, zum Beispiel Fonds, und als überschüssiges Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken. Das treibt vor allem die Kurse von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe. Indirekt soll das die Wirtschaft ankurbeln.

Notkredite

Notkredite (ELA) können nationale Zentralbanken des Euro-Raums ihren heimischen Banken gewähren, wenn diese nicht mehr genug gute Sicherheiten für normale EZB-Kredite haben. Die EZB muss diese ELA-Kredite genehmigen. Untersagt sie sie, etwa wenn Griechenland sich nicht mit den Gläubigern einigen kann, haben die Banken keinen Zugang zu Euro-Guthaben und Euro-Bargeld mehr, was zur Schließung und letztlich zum erzwungenen Austritt aus der Währungsunion führen kann.

Die Preise verharrten im Oktober im Euro-Raum auf Vorjahresniveau. Als idealen Wert für die Wirtschaft strebt die EZB jedoch eine Teuerung von knapp unter zwei Prozent an.

Von

rtr

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