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25.01.2012

16:51 Uhr

IWF-Chefin Lagarde

Auch die EZB soll zahlen

Bislang stemmt sich die EZB vehement gegen eine Beteiligung am Schuldenschnitt für Griechenland. Doch der Druck auf die Notenbank nimmt zu. Insgesamt hält die EZB Griechen-Anleihen im Umfang von rund 40 Milliarden Euro.

Die Direktorin des Internationalen Waehrungsfonds (IWF), Christine Lagarde. dapd

Die Direktorin des Internationalen Waehrungsfonds (IWF), Christine Lagarde.

ParisDer Internationale Währungsfonds (IWF) will die Europäische Zentralbank (EZB) in der Schuldenkrise Griechenlands stärker in die Pflicht nehmen. Wenn es keine Einigung mit den privaten Gläubigern über einen
Schuldenschnitt gebe, müssten auch öffentliche Gläubiger wie die EZB sich beteiligen, forderte IWF-Chefin Christine Lagarde am Mittwoch vor Journalisten in Paris.

Die "Financial Times" hatte zuvor von IWF-Forderungen berichtet, die EZB solle auch bei den von ihr gehaltenen griechischen Staatsanleihen im Umfang von rund 40 Milliarden Euro Verluste hinnehmen. Die Zeitung beruft sich dabei auf EU-Kreise. Die EZB hat ihre Griechenland-Anleihen unterhalb des Nominalwerts gekauft. Theoretisch würde sie mit ihren Griechen-Anleihen einen großen Gewinn machen, wenn es keinen griechischen Staatsbankrott gibt und sie die Anleihen bis zur Fälligkeit hält.

Laut "Financial Times" hat das EZB-Direktorium trotz seiner grundsätzlichen Ablehnung über Rückzugspositionen diskutiert. Dabei sei es um den Vorschlag gegangen, dass die EZB auf ihre Kursgewinne mit Griechen-Anleihen verzichtet, zitiert die FT eine Person, die mit den Verhandlungen in der EZB vertraut sei. Der Kursgewinn, das heißt die Differenz zwischen Kaufkurs und Nennwert der Anleihen, solle an Griechenland weitergegeben werden. Die EZB sei jedoch dagegen, die Schuldpapiere entsprechend dem Modell privater Gläubiger zu behandeln.

Über das so genannte Securities Markets Programme (SMP) hat die EZB Anleihen der Euro-Krisenländer im Umfang von 220 Milliarden Euro gekauft. Wieviel davon auf Griechenland entfällt ist nicht ganz klar, weil die EZB keine Zahlen zu einzelnen Ländern nennt. Experten gehen aber davon aus, dass die Notenbank Griechen-Anleihen in Höhe von etwa 40 Milliarden Euro in ihren Büchern hat. Die EZB tätigt ihre Anleihekäufe nicht selbst, sondern lässt sie von den nationalen Notenbanken durchführen. Diese müssen sich dabei entsprechend ihres EZB-Kapitalanteils beteiligen.

Unklar ist, wie innerhalb der EZB über eine Beteiligung am Schuldenschnitt entschieden wird. Im Direktorium hat normalerweise jedes Mitglied eine Stimme. Je nach Fragestellung könnte jedoch auch entsprechend des EZB-Kapitalschlüssels abgestimmt werden. In diesem Fall hätte Deutschland als stärkster Kapitalgeber der EZB ein höheres Stimmgewicht.

Private Gläubiger verhandeln derzeit in Athen mit der Regierung über einen Schuldenschnitt, die Gespräche stocken aber immer wieder. Es geht um einen Erlass in Höhe von 50 Prozent der Forderungen. Dieser Schuldenerlass, der etwa hundert Milliarden Euro entspricht, ist die Voraussetzung für das im Herbst im Grundsatz beschlossene zweite Griechenland-Hilfsprogramm von IWF und Euroländern in Höhe von insgesamt 130 Milliarden Euro.

Erneut forderte Lagarde die Europäer auf, «Brandmauern» gegen die Eurokrise einzuziehen. Dann könnten auch die bisher noch zögerlichen Nicht-Euro-Länder ihre Mittel im Kampf gegen die Schuldenkrise erhöhen.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

25.01.2012, 15:22 Uhr

Es sollen alle zahlen - bloss die wirklich Schuldigen nicht. Die Einen erhalten das geschuldete Geld nachtraeglich geschenkt, die Anderen haben jahrelang gute Gehaelter als versagende Euroverwalter kassiert. Die hatten wenigstens ihren Spass damit und alle anderen muessen buessen.

Ist ja wie in den USA jetzt hier auch bei uns. Dort feiern die FED und die Banken auch ordentlich obwohl sie den Crash zu verantworten hatten, waehrend der grosse Rest der Bevoelkerung und internationale Anleger inklusive Staaten wie China, Japan bezahlen.

Merkel findet dies hier gut (offensichtlich, weil sie schweigt) und Obama dort. Schuldige fuer die ganze Misere? Vielleicht ein paar Bauernopfer. Wirkliche Aenderung an der ganzen Misere? Vermutlich bis zum totalen Crash keine wirkliche.

Account gelöscht!

25.01.2012, 15:55 Uhr

Wir alle können nur hoffen, dass auch die EZB bluten wird. Denn dann endlich kommt die Wahrheit in Sachen Rettungsschirme und Euro zumindest tröpfchenweise auch bei den Menschen in Deutschland an. Dann endlich kommen kommen Forderungen und nicht nur verdrängbare Bürgschaften mit Lasten für zukünftige Generationen auf uns zu. 40 Mrd. Euro bedeuten für Deutschland bei einem Schuldenschnitt von 70 Prozent knapp 10 Mrd Euro an Kosten - gleich hier und bar abzudrücken. Die EZB wird mangels eigener Finanzstärke diese Rechnung an die Bundesbank weiterreichen. Dann wird auch klar, dass weitere 200 Mrd. Euro an faulen Anleihen bei der EZB lagern, zusätzlich 500 Mrd. Euro an Krediten an klamme südeuropäische Banken, die mit Schrottanleihen (Bierdeckelanleihen) besichert sind und 500 Mrd. Euro an Target2-Verpflichtungen zuungunsten der deutschen Bundesbank in den Büchern stehen. Wir haben schon jetzt Bürgschaften übernommen, die den gesamten Aufbau Ost übersteigen!

melancholiker

25.01.2012, 16:15 Uhr

jetzt kommt langsam die wahrheit auf den tisch: die EZB soll sich am schuldenschnitt beteiligen -ein neuer rechtsbruch der europäischen verträge. alles ist denkbar - insbesondere bei der achse Lagarde- sarkozy und den beiden super marios nur die beendigung der schenkungen an griechenland nicht. und diese schenkungen werden das präjudiz für andere länder spanien, italien, ungarn, etc. notfalls werden die defizite noch künstlich erhöht .. -eurostat ist ja geduldig.
aber deutschland hat ja lange keinen krieg verloren, dann können wir ja auch zahlen.

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