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07.04.2013

16:04 Uhr

IWF-Chefin

Lagarde lobt Japans lockere Geldpolitik

Japan pumpt noch mehr Geld in die Wirtschaft – und erhält dafür ein Lob von der Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde. Doch von anderer Seite kassiert Japan für seine lockere Geldpolitik Kritik.

Die IWF-Chefin Lagarde lobt Japans Geldpolitik. ap

Die IWF-Chefin Lagarde lobt Japans Geldpolitik.

PekingDie Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, hat die von Deutschland kritisierte lockere Geldpolitik Japans als willkommenen Schritt zur Ankurbelung der Weltwirtschaft gewürdigt. "Maßnahmen der Geldpolitik - einschließlich unkonventioneller Maßnahmen - haben geholfen, die fortgeschrittenen Volkswirtschaften zu stützen und damit auch das globale Wachstum", sagte Lagarde am Sonntag auf einem Forum in Peking. Die jetzt von der japanischen Zentralbank angekündigten Maßnahmen seien ein weiterer Schritt in diese Richtung.

Die japanische Notenbank hatte angekündigt, dass sie bis Ende 2014 die Geldbasis verdoppeln will, die sich aus Bargeld sowie den Einlagen der Banken bei der Notenbank zusammensetzt. Dazu pumpt sie mehr Geld in die Wirtschaft, um die Konjunktur zu fördern.

Was Japans Notenbank beschlossen hat:

Neue Messlatte für die Geldpolitik

Die Notenbanker verabschieden sich ein Stück weit vom Leitzins als maßgeblicher Kenngröße für die Geldpolitik. Neuer Orientierungspunkt ist die Geldbasis, also die Geldmenge M0: Diese setzt sich aus dem im Umlauf befindlichen Bargeld sowie den Einlagen der Banken bei der Notenbank zusammen. Sie soll nun um jährlich 60 bis 70 Billionen Yen (495 bis 577 Milliarden Euro) steigen und sich damit bis Ende 2014 ungefähr verdoppeln.

Ankauf länger laufender Anleihen

Die Bank von Japan will künftig Staatsanleihen mit einer Laufzeit von bis zu 40 Jahren kaufen und damit die gesamte Zinskurve widerspiegeln. Unter ihrem Wertpapierkaufprogramm waren es bisher nur drei Jahre.

Die durchschnittliche Laufzeit aller von der Notenbank gehaltenen Papiere soll auf sieben Jahre steigen. Um dieses Ziel zu erreichen, verschmolz die Notenbank das Wertpapierkaufprogramm mit einem bislang unabhängigen Programm zur Liquiditätsversorgung.

Das Volumen

Die Währungshüter wollen den Bestand an Staatsanleihen um jährlich 50 Billionen Yen (gut 400 Milliarden Euro) erhöhen. Der unbefristete Ankauf von Staatsanleihen, bislang für 2014 geplant, wird dazu vorgezogen.

Ankauf risikoreicher Papiere

Zusätzlich will die Notenbank mehr risikoreiche Papiere kaufen: Jährlich sollen die Bestände an börsengehandelten Indexfonds (ETFs) um eine Billion Yen (acht Milliarden Euro) und die Bestände an Immobilienfonds (REITs) um 30 Milliarden Yen (245 Millionen Euro) steigen.

Aussetzen der Banknotenregel

Nach dieser Vorgabe darf die Notenbank nicht mehr Staatsanleihen in der Bilanz halten, als Banknoten im Umlauf sind. Das gilt nun vorerst nicht mehr.

Die Bundesregierung mahnte daraufhin, dass sich Japan an die Verabredungen der G20-Staaten halten müsse. Danach solle die Geldpolitik nicht eingesetzt werden, um sich "irgendwelche wirtschaftspolitischen oder exporttechnischen Vorteile" zu verschaffen.

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kritisierte die expansive japanische Geldpolitik. Man sei sich einig gewesen, zur Lösung der Probleme nicht mit einem Abwertungswettlauf zu beginnen, der nur Verlierer kenne, sagte Weidmann im Deutschlandfunk. Die Probleme des Landes lägen nicht in einer mangelnden Versorgung mit Liquidität. Schuld an der Deflation seien vielmehr die demografische Entwicklung und die hohe Staatsverschuldung. "Und da muss meines Erachtens eine sinnvolle Politik ansetzen."

Von

rtr

Kommentare (10)

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allesverloren

07.04.2013, 16:43 Uhr

Der Yen hat in den letzten 6 Monaten fast 30% gegenüber dem Euro abgewertet. Verdoppelt sich die Geldbasis in Yen, wird sich diese Abwertung weiter fortsetzen.

Sobald das Nettoauslands-Vermögen in Japan aufgebraucht sein wird, bricht der Damm und die Ersparnisse sind weg. Diese Politik kann man wohl nur 2-3 Jahre laufen lassen, dann ist Schluss. Die Inflation frisst dann das Vermögen.

Account gelöscht!

07.04.2013, 16:45 Uhr

Ein Tohuwabohu in der Währungspolitik. Bald haben drei Leute vier Meinungen !
Es fehlt nur noch der dritte, Hollande. Der warnt dann vor japanischen Importen. Noch liegt der Yen im Normalbereich der letzten Jahre. Er holt nur die Unterbewertung auf. Wenn es aber so weiter geht, werden die Japaner Europa übeschwemmen, wenn sie gezielt Wechselkursdumping betreiben. Wenn das Lagarde nicht auf dem Schirm hat, muss man ich schon fagen, wie die Südländer genesen sollen. Die genesen nur, wenn sie dann gegenüber dem Yen auch abwerten können. Lagarde hätte nur eine Schluss ziehen dürfen: Wenn die Japaner abwerten, hält das zwar Deutschland aus, nicht aber die Südländer die Kostenprobleme haben. Folglich muss man zurück zur Währunsschlange. Man kann die Wettbewerbsvorteile Japans nicht durch eine Transferunion bekämpfen, so viel an alle Euroromantiker, die von Außenwirtschaftstheorie keine Ahnung haben.

Petra

07.04.2013, 16:53 Uhr

Nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die Vertreter Deutschlands einer noch lockereren Geldpolitik Europas zustimmen! Damit ist dann der Inflation Tür und Tor geöffnet. Wohl dem, der die Zeichen der Zeit erkennt und daraus seinen "monetären" Vorteil zieht, indem er in Sachwerte investiert. Insbesondere die steuerlichen Vorteile der Edelmetalle bei Kursgewinnen sind noch auszunutzen. Zudem wird ab nächstem Jahr die Mehrwertsteuer auf Silbermünzen erhöht. Also jetzt noch kaufen! Schade nur für diejenigen, die im "Geldwert" hängen und durch die Inflation zu Gunsten Europas zwangsenteignet werden. Neben Besitzern von "geldwerten" Anlagen wie Sparbüchern, Lebensversicherungen, Bundesanleihen etc. trifft es vor allem die Rentner, deren Rente zwar sicher ist, jedoch deutlich an Kaufkraft verliert! Zum Glück gibt es Alternativen...

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