Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.04.2013

17:21 Uhr

IWF

Zentralbanken-Krisenmaßnahmen birgen neue Risiken

Einem IWF-Bericht zur globalen Finanzstabilität zufolge spielen die Notenbanken in Japan, den USA und Europa mit ihren Finanzspritzen ein gefährliches Spiel, das extremere Folgen haben wird, je länger sie es spielen.

Das Logo des Internationale Währungsfonds an dessen Hauptsitz in Washington: Ein Bericht warnt die Notenbanken weltweit vor den Folgen ihrer Geldpolitik. dpa

Das Logo des Internationale Währungsfonds an dessen Hauptsitz in Washington: Ein Bericht warnt die Notenbanken weltweit vor den Folgen ihrer Geldpolitik.

Washington/BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) beurteilt die Wirkung der außergewöhnlichen Zentralbanken-Maßnahmen im Kampf gegen Finanz- und Bankenkrise als positiv, aber risikoreich. Diese Maßnahmen der Notenbanken in Japan, den USA und Europa „scheinen in der Tat die Verwundbarkeiten im heimischen Bankensektor vermindert und auf kurze Sicht zur Finanzstabilität beigetragen zu haben“, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichen Teil des IWF-Berichts zur globalen Finanzstabilität.

Allerdings sollten die Entscheidungsträger im Blick behalten, dass Risiken auf andere Teile des Finanzwesens – Schattenbanken, Pensionsfonds, Versicherungen – verlagert werden und Übersprungeffekte auf andere Länder entstehen könnten.

Die mittelfristige Folgen der außergewöhnlichen Liquiditätsspritzen und Wertpapier-Käufen der Zentralbanken beurteilt der IWF ebenfalls mit Skepsis. „Ungeachtet der positiven kurzfristigen Effekte für Banken sind diese Maßnahmen der Zentralbanken mit Finanz-Risiken verbunden, die umso gravierender ausfallen, je länger dieser Kurs verfolgt wird“, heißt es in dem Bericht. So gebe es bereits Zeichen, dass sich die „Reparatur“ von Banken-Bilanzen verzögert, was auf mittlere Sicht Kredit-Probleme nach sich ziehen könnte.

So wollen EU-Experten Europas Banken reformieren

Was ist die Ausgangslage?

Seit der Finanzkrise legt die EU die mehr als 8000 Banken an die kurze Leine. Viele neue Regeln sind schon in Kraft, andere in Arbeit. Mehr Aufsicht, mehr Eigenkapital und Vorgaben für den Pleitefall zählen dazu. Was fehlt, ist eine Strukturreform, die die großen Institute betrifft. Nach den USA und Großbritannien wagt sich nun auch die EU daran. Eine Expertengruppe hat erste Vorschläge gemacht - und empfiehlt die Trennung des klassischen Kundengeschäfts vom riskanteren Investmentbanking. Ob und wann die Vorschläge in Gesetze fließen werden, ist offen.

Warum stellen Universalbanken ein Risiko dar?

Wie der Name schon sagt, bieten sie die gesamte Bandbreite von Bank- und Finanzgeschäften an. Das reicht vom Handel mit Wertpapieren und Investments bis hin zum klassischen Bankbereich mit Krediten, Spareinlagen und Bargeld. In der Finanzkrise ist das Konzept in die Kritik geraten, weil Verluste im risikoreichen Investmentbanking manch eine Bank als Ganzes in die Pleite stürzten - und der Staat sie mit Steuergeldern retten musste. Viele Banken sind so groß, dass der Staat sie nicht pleitegehen lassen kann („too big to fail“).

Was schlagen die EU-Experten vor?

Die Fachleute - Ökonomen, Banker und Branchenvertreter - empfehlen, Großbanken in rechtlich separate Einheiten aufzuteilen - man spricht von einem Trennbankensystem. Riskante Geschäftszweige müssten abgespalten werden, wenn sie mindestens 15 Prozent der Bilanzsumme einer Bank ausmachen. In der Praxis würde dies nur wenige Institute betreffen - in Deutschland etwa den Branchenprimus Deutsche Bank, aber laut Experten schon nicht mehr die Commerzbank.

Wie lautet das Ziel?

Banken sollen Spareinlagen nicht verzocken dürfen. Künftig wäre verboten, dass Banken die Einlagen von Sparern heranziehen, um riskante Geschäfte zu finanzieren. Der Staat könnte Investmentbanken, die sich verzockt haben, pleite gehen lassen, ohne dass das gesamte System in die Krise geriete. Einige Anbieter würden das Geschäft wohl aufgeben - der Markt würde bereinigt.

Würde dies das Ende der Universalbanken einläuten?

Keineswegs. Sie könnten ihre Geschäfte weiterführen, nur eben in getrennten Sparten unter dem Dach einer Holding. Der Leiter der Expertengruppe, Erkki Liikanen, sagt: „Das langjährige und bewährte Universalbankensystem wird bestehen bleiben.“

Gelten die Vorschläge als revolutionär?

Nein, sicher nicht. Es ist ein gemäßigter Kompromiss der elf Mitglieder, die sehr viel radikalere Ideen diskutiert hatten. Von einer Zerschlagung wichtiger Institute kann nicht mehr die Rede sein. Auch die Idee getrennter Eigentümerstrukturen wurde verworfen.

Gibt es in Deutschland ähnliche Forderungen?

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück befürwortet ebenfalls die Trennung von Geldhäusern in Privatkunden- und Investmentbanken. „Wir brauchen einen Rückzug aus der Staatshaftung für Banken“, sagte der frühere Bundesfinanzminister. Viele seiner Vorschläge werden bereits auf EU-Ebene diskutiert oder sind schon umgesetzt.

Ist die EU Vorreiter?

Nein, die Expertengruppe sollte sich ausdrücklich an Reformen in den USA und Großbritannien orientieren. So verhindert die „Volcker Rule“ in Amerika das Zocken der Banken mit eigenem Geld. In Großbritannien hat die Vickers-Kommission vorgeschlagen, das Kapitalmarktgeschäft vom Kredit- und Einlagengeschäft zu trennen.

Wie reagiert die Bankenbranche?

Mit Ablehnung - vor allem aus Deutschland, wo Universalbanken im Gegensatz zu den USA und Großbritannien verbreitet sind. Mit ihrer Aufspaltung würde man etwas „zerstören, was auch für die deutsche Industrie wichtig ist“, sagte der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank Paul Achleitner dem Handelsblatt. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) meint, dies würde den Wirtschaftsstandort Deutschland schwächen und Jobs vernichten.

Wie sind die Aussichten auf Erfolg?

Die Experten haben nur Empfehlungen abgegeben - die EU-Kommission kann ihnen bei ihrer Gesetzgebung folgen, muss es aber nicht. Neue Gesetze müssen von den EU-Staaten und dem Europaparlament angenommen werden - dies dauert in der Regel ein bis zwei Jahre.

Insgesamt rät der IWF: „Trotz allem sollte die Geldpolitik so lange sehr unterstützend (für die Konjunktur) bleiben, bis der Aufschwung sich gut gefestigt hat.

Von

rtr

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Denkste

11.04.2013, 20:36 Uhr

O-Ton Handelsblatt
-----------------------
Zentralbanken-Krisenmaßnahmen birgen neue Risiken
-----------------------

Seit langem fordere ich das Handelsblatt dazu auf den Volontär der die Überschriften verfaßt auszutauschen.

Denn Überschriften sollten den Inhalt eines Artikels prägnant zusammenfassen.

Oft ist das bei Handelsblatt-Überschriften leider nicht der Fall - stattdessen wird irgendein reißerischer Unsinn zusammengeschrieben.

In diesem Fall läßt sich der Bezug zum Artikelinhalt leider überhaupt nicht ermitteln.

Denn ein Verb "birgen" gibt es in der deutschen Spache nicht.

Vielleicht sollte man bei Volontären wenigstens wert auf gute Deutschkenntnisse legen?

Account gelöscht!

11.04.2013, 21:00 Uhr

Obwohl alle Verfassungsrichter in Karlruhe über die Volkswirtschaftlichen Schäden in Deutschland durch die Einführung des Rettungsschirms ESM aufgeklärt wurden, wurde der Rettungsschirm ESM als europäischer Länderfinanzausgleich in XXL Größe, für die Zockerbuden vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, abgesegnet. Wie in dem Fall Bernard Madoff sieht der Staat hin und tut nichts. Und die hochgejubelten Eurobonds sind nichts anderes als ein europäischer Länderfinanzausgleich in XXL Größe. Damit kollabiert jede soziale Marktwirtschaft.

Der Euro ist kein Friedensbringer, er versklavt die Bevölkerungen, vernichtet die Souveränitäten der einzelnen Länder und ist ein wahrer Kriegstreiber. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann der Euro-Raum zerfällt. Die Gemeinschaftswährung wurde als Schneeballsystem für Banken, Börsen und für kranke Typen installiert. Siehe das Video über Bernard Madoff. 150 Jahre Knast! Mit etwas Phantasie sind Parallelen in den Rettungsschirmen zu sehen. Ein Schneeballsystem funktioniert so, in dem ständig neues Kapital hineinfließt. Wie bei den Rettungsschirmen für die Euro-Währung. Was ist, wenn sich tatsächlich ein gigantisches Schneeballsystem hinter dem Rettungsschirmen in Europa verbirgt? Wer soll das herausfinden. Die BaFin ist viel zu blöd dazu, genau wie die SEC in den USA. Karlsruhe hätte gegen den ESM urteilen müssen.

Zuerst sollten die Banker lückenlos erklären, wo die Milliarden geblieben sind. Was wurde mit den Milliarden gemacht. Das ist die Aufgabe der Bafin dies aufzuklären. Die BaFin wurde wohl bezahlt um nichts zu tun!!!

http://www.youtube.com/watch?v=W0kwmZ2njz4

Die Rettungsschirme sind alle Medoff`s Gehilfen in Europa. Schon deshalb gehört der Euro abgeschafft. Die Alternative für Deutschland will den Euro nicht mehr haben.

Die D-Mark könnte tatsächlich als Parallelwährung existieren. Zudem blieben die Souveränitäten der Länder, die ebenfalls eine Parallelwährung einführen, komplett erhalten.

Account gelöscht!

12.04.2013, 00:58 Uhr

Was ist denn daran jetzt neu?
Und birgen, ok, den Ausdruck kannte ich bisher auch nicht, aber der Sprachgebrauch soll ja schnell ändern, vielleicht bin ich ja schon "zu alt für diese Sch*** " :)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×