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29.03.2016

23:44 Uhr

Janet Yellen beruhigt Finanzmärkte

Wenig Chancen für schnelle Zinsanhebungen

VonAxel Postinett

Fed-Chefin Janet Yellen hat in ihrer Rede vor dem Economic Club in New York betont, bei der Entscheidung über weitere Zinserhöhungen vorsichtig vorzugehen. Die moderaten Äußerungen gaben den Märkten Auftrieb.

Die Worte der Fed-Chefin haben Gewicht. AP

Janet Yellen

Die Worte der Fed-Chefin haben Gewicht.

San FranciscoEine neue Rede, eine neue Entschuldigung: Fed-Chefin Janet Yellen sieht zwar Inflation am Horizont heraufziehen und glaubt auch an weitere Zinserhöhungen. Aber die werden erst spät irgendwann und sehr langsam kommen, erklärte die mächtigste Frau der Weltfinanzmärkte am Dienstag in New York.

Angesichts der Risiken für die Weltwirtschaft werde die US-Notenbank mit großer Vorsicht agieren, so Yellen vor dem Economic Club in New York laut vorab verbreitetem Redemanuskript. In gewisser Weise seien die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sogar nicht mehr so vielversprechend wie im Dezember. Damals hatte die Notenbank in einem Babyschritt die Leitzinsen nach sieben Jahren erstmals um ein Viertelprozent angehoben.

Doch alle danach erwarteten Zinsschritte blieben aus. Denn immer wieder fielen, so wie auch jetzt wieder als Grund angeführt, die Wirtschaftsindikatoren „gemischt“ aus. Die New Yorker Finanzmärkte hatten die zögerliche Haltung Yellens bereits richtig vorausgeahnt.

Gewinner und Verlierer der Fed-Zinswende

Die Entscheidung

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers.

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden.

Verschuldung in Dollar wird zum Bumerang

Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben. Das könnte eine zusätzliche Belastung sein es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer geraten unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten. 

Kaum noch Impulse für die Wall Street

Experten fürchten, dass die Wall Street kaum noch Luft nach oben habe. Dazu sind die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Deutsche Banken bleiben gelassen

Die deutschen Privatbanken erwarten keine direkten Auswirkungen der Fed-Entscheidung auf ihre Geschäfte. „Die Ertragsunterschiede zwischen US-Banken und deutschen Instituten sind nicht auf die Geldpolitik in beiden Ländern zurückzuführen”, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Die Hauptgründe für die geringere Profitabilität der hiesigen Häuser sieht er im harten Wettbewerb und in der schwächeren Konjunktur in Europa. Die Fed sei beim Ankurbeln der Wirtschaft erfolgreicher gewesen.

Rückenwind für die Versicherer

Für Versicherer ist die US-Zinswende positiv. Denn nach Einschätzung des neuen Chefvolkswirts des Branchenverbandes GDV, Klaus Wiener, werden nun die Renditen der US-Anleihen moderat steigen. Tendenziell würden auch die Zinsen der Bundesanleihen anziehen. Für Assekuranzen bedeute das mehr Anlagechancen. Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zehrten allerdings einen Teil des Zinsvorteils wieder auf.

Die Aktienindizes drehten leicht ins Plus und die Renditen für Staatsanleihen sanken. Das Open-Markt-Gremium der Fed hatte bereits Anfang des Monats auf die Probleme der Weltwirtschaft verwiesen und eine Inflationsrate, die „kurzfristig niedrig bleiben“ werde. Allerdings hatten Fed-Mitglieder zwischenzeitlich auch immer wieder Zinserhöhungen für April ins Gespräch gebracht.

Dem schob die „Taube“ Yellen nun praktisch einen Riegel vor. Indirekt gab sie auch einen Hinweis darauf, in welcher Zwickmühle sich die Fed befindet. Wachse die Wirtschaft stärker als erwartet, worauf im Moment aber nichts hindeutet, könnte sie die Zinsen stärker anheben. Sollte es Probleme geben, könne die Fed hingegen nur noch „in geringem Maße“ zusätzliche Stimulierung anbieten. Fehler in der Zinspolitik könnten demnach eine Situation heraufbeschwören, in der die Fed kaum noch handlungsfähig wäre.

Der Ausblick auf die Inflationsentwicklung ist seit Jahresende ebenfalls unsicherer geworden, was zum Teil auf Risiken für die Entwicklung der Weltwirtschaft zurückzuführen ist. Turbulenzen an den Finanzmärkten signalisieren die höhere Wahrscheinlichkeit für ein Abschwächen des Wachstums der Weltwirtschaft. Ölpreise könnten wieder fallen und der Dollar wieder stärker werden.

Wie der Wall Street-Handel lief

Anleger reagieren auf Yellens Worte

Wie der Wall Street-Handel lief: Anleger reagieren auf Yellens Worte

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