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26.08.2016

16:45 Uhr

Janet Yellen in Jackson Hole

„Mehr und mehr spricht für eine Anhebung der Zinsen“

Die Chefin der US-Notenbank deutet an, dass eine Zinserhöhung näher rückt – ohne sich festzulegen. Sie macht deutlich, dass es bei künftigen Rezessionen wieder zu Anleihekäufen kommen kann. Wie Ökonomen die Rede sehen.

Die Chefin der US-Notenbank Janet Yellen - hier bei einer Pressekonferenz - sieht mittlerweile mehr Argumente für eine Zinserhöhung in den nächsten Monaten. dpa

Janet Yellen

Die Chefin der US-Notenbank Janet Yellen - hier bei einer Pressekonferenz - sieht mittlerweile mehr Argumente für eine Zinserhöhung in den nächsten Monaten.

Jackson HoleUS-Notenbankchefin Janet Yellen hat sich relativ optimistisch zur US-Wirtschaft und möglichen weiteren Zinserhöhungen geäußert. So sagte sie auf der geldpolitischen Konferenz in Jackson Hole im Bundesstaat Wyoming: „In der Tat, ich glaube, dass angesichts der soliden Entwicklung des Arbeitsmarktes und unserer Prognosen für die Konjunktur und die Inflation seit einigen Monaten mehr und mehr für eine Anhebung der Zinsen spricht.“ Damit lässt sie ausdrücklich die Möglichkeit offen, dass die Zinsen schon im September angehoben werden, ohne sich aber darauf festzulegen.

Die meisten Beobachter waren bisher der Einschätzung, dass der nächste Schritt erst für Dezember zu erwarten ist.  Die Fed hatte die Leitzinsen im vergangenen Dezember zum ersten Mal seit der Finanzkrise erhöht, von nahe Null auf eine Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent, seither aber weitere Anhebungen immer wieder verschoben.

Noch interessanter waren aber ihre Aussagen über die langfristige Entwicklung. „Prognosen zeigen, dass die Leitzinsen für längere Zeit bei drei Prozent verharren werden“, sagte sie, und verglich das mit einem Durchschnitt von sieben Prozent in den Jahren von 1965 bis 2000. Ihre Folgerung: „Daher haben wir voraussichtlich weniger Spielraum für Zinssenkungen, als wir in der Vergangenheit hatten.“

Nach ihrer Aussage besteht weiterhin die Absicht, die Bilanz der Notenbank, die in letzten Jahren durch massive Käufe von Staatsanleihen und verbrieften Immobiliendarlehen aufgebläht wurde, ab einem bestimmten Zeitpunkt abschmelzen zu lassen ­– nicht durch Verkäufe, sondern dadurch, dass ausgelaufene Papiere nicht ersetzt werden. Damit will sie sich offenbar auch Spielraum für neue Ankäufe – bekannt unter dem Stichwort „Quantitative Easing“ (QE) - schaffen.

Was ist eigentlich „Jackson Hole“

Die Entstehung

Im Jahr 1982 nahm der damalige Fed-Vorsitzende Paul Volcker an der Notenbanker-Konferenz in Jackson Hole teil. Es war das einzige Mal, dass er zu diesem jährlich stattfindenden Ereignis in die Berge von Wyoming flog. Dabei hatte die Fed Kansas City, die die Konferenz seit 1978 ausrichtet, angeblich seinetwegen den Konferenzort in den Rocky Mountains ausgewählt. Denn Volcker liebt das Fliegenfischen, und das soll dort oben besonders ertragreich sein. Wie die Fed Kansas in einem eigenen Buch („Late in August“) beschreibt, entwickelte sich die Konferenz, die sich ursprünglich mit Agrarfragen beschäftigte, zum wichtigsten Notenbanker-Treffen weltweit.

Die Bedeutung

Die wirkliche Bedeutung des Treffens war immer wieder umstritten und hat auch geschwankt. Offiziell ist es nur eine Konferenz einer regionalen Niederlassung der US-Notenbank (Fed). Aber die Prominenz der Teilnehmer hat Jackson Hole eine gewisse Aura verschafft. Die Frage, ob einzelne Teilnehmer anreisen oder nicht, wurde immer wieder Anlass für weitreichende Spekulationen. Als 2013 der damalige Fed-Chef in seinem letzten Amtsjahr das Treffen ausließ, führte das sofort zu Betrachtungen über den angeblichen Niedergang von Jackson Hole. Fed-Chefin Janet Yellen hat 2015 bei dem Treffen gefehlt und ihren Vertreter, Stanley Fischer, geschickt. Sie ist aber 2016 wieder dabei und eröffnet die Konferenz am Freitag.

Sie erwartete, dass die Ankäufe „wichtige Komponenten im Instrumentarium“ der Fed bleiben, gesteht aber ein, dass sie bei ohnehin niedrigen Langzeit-Zinsen nur eingeschränkt wirken können ­– denn das Ziel der Käufe ist ja, die langfristigen Zinsen zu senken. Als Teil des Instrumentariums erwähnt sie auch noch einmal die so genannte „Forward Guidance“, die sie in den letzten Jahren ebenfalls eingesetzt, aber inzwischen aufgegeben hat.

Dabei hat die Fed den Märkten zu verstehen gegeben, dass die Zinsen auf relativ lange Sicht niedrig bleiben werden – dies kann einen ähnlichen Effekt wie eine tatsächliche Zinssenkung und sie ersetzen, wenn die Leitzinsen ohnehin bei Null angekommen sind.

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