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30.03.2016

08:32 Uhr

Janet Yellen und die Finanzmärkte

Fed in Fesseln

VonFrank Wiebe

Janet Yellen, die Chefin der US-Notenbank, macht sich zu sehr abhängig von Entwicklungen im Ausland und an den Märkten. Das zeigt ihre jüngste Rede in New York. Eine Analyse.

Sie hat den Märkten das gegeben, was sie hören wollten. Reuters

Janet Yellen

Sie hat den Märkten das gegeben, was sie hören wollten.

New YorkSchon nach der März-Sitzung der US-Notenbank (Fed) hatten die Märkte aufgeatmet und die Äußerungen von Janet Yellen als Ausdruck einer weichen Geldpolitik gedeutet. In einer neuerlichen Rede am Mittwoch in New York hätte die Fed-Chefin die Chance gehabt, diesen Eindruck zu korrigieren.

Stattdessen sprach Janet Yellen viel von Risiken aus dem Ausland und wehrte sich gegen die Kritik, die Inflationsgefahr zu gering einzuschätzen. Damit hat sie den Märkten abermals das gegeben, was sie gerne hören wollten. Entsprechend fielen die Reaktionen aus, der Dollar war schwächer, Aktien liefen gut.

Gewinner und Verlierer der Fed-Zinswende

Die Entscheidung

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers.

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden.

Verschuldung in Dollar wird zum Bumerang

Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben. Das könnte eine zusätzliche Belastung sein es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer geraten unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten. 

Kaum noch Impulse für die Wall Street

Experten fürchten, dass die Wall Street kaum noch Luft nach oben habe. Dazu sind die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Deutsche Banken bleiben gelassen

Die deutschen Privatbanken erwarten keine direkten Auswirkungen der Fed-Entscheidung auf ihre Geschäfte. „Die Ertragsunterschiede zwischen US-Banken und deutschen Instituten sind nicht auf die Geldpolitik in beiden Ländern zurückzuführen”, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Die Hauptgründe für die geringere Profitabilität der hiesigen Häuser sieht er im harten Wettbewerb und in der schwächeren Konjunktur in Europa. Die Fed sei beim Ankurbeln der Wirtschaft erfolgreicher gewesen.

Rückenwind für die Versicherer

Für Versicherer ist die US-Zinswende positiv. Denn nach Einschätzung des neuen Chefvolkswirts des Branchenverbandes GDV, Klaus Wiener, werden nun die Renditen der US-Anleihen moderat steigen. Tendenziell würden auch die Zinsen der Bundesanleihen anziehen. Für Assekuranzen bedeute das mehr Anlagechancen. Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zehrten allerdings einen Teil des Zinsvorteils wieder auf.

An der Wall Street galt lange die Weisheit, dass die Märkte am Ende immer dahin laufen, wo die Fed sie haben will. Nun stellt sich jedoch die Frage, ob sich nicht umgekehrt die Märkte gegen Yellen durchgesetzt haben.

Die Fed-Chefin hatte im Dezember mit der ersten Zinserhöhung seit der Finanzkrise die Normalisierung der US-Geldpolitik eingeleitet. Im Januar und Februar kam es dann zu Turbulenzen an den Märkten, die offensichtlich den Rückenwind der Geldpolitik vermissten. Danach beruhigten die Märkte sich wieder, und spätestens seit Mitte März bekommen die Kurse de facto wieder die gewohnte Unterstützung der Geldpolitik.

Die Frage ist, wie weit das trägt. Denn die Kurserholung der US-Aktien ist nur von sehr dünnen Umsätzen getragen. Nach Meinung von Experten kommt darin ein spürbares Misstrauen der Investoren gegenüber der Kurserholung zum Ausdruck.

Die Märkte sind aber nicht die einzige Fessel der Fed. Hinzu kommt, dass sie stärker denn je ins Ausland schaut. Torsten Slok von der Deutschen Bank weist dies sogar nach, indem er nachgezählt hat, wie häufig die Notenbank Begriffe wie Dollar und China benutzt. „Es wird sich zeigen, ob dies der richtige Ansatz ist“, schreibt er.

Slok hatte immer wieder betont, dass die US-Konjunktur relativ robust gegenüber Einflüssen aus dem Ausland sei. Eine neue Analyse des JP Morgan Institute zeigt, dass vor allem junge Leute und Amerikaner mit niedrigen Einkommen zuletzt den recht robusten Konsum gestützt haben, während ältere und reichere Leute sparsamer sind.

Michael Feroli von JP Morgan glaubt zudem, dass Yellen bei ihren jüngsten, vorsichtigen Äußerungen den Dollar-Kurs noch mehr im Blick hat, als sie selber zugibt.

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