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10.06.2017

09:47 Uhr

Japaner liebäugeln nach Brexit mit Düsseldorf

Klein-Tokio von Europa

Nach dem Brexit wollen viele japanische Firmen laut Untersuchungen in Deutschland investieren – vor allem in Düsseldorf. Denn die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt ist für Asiaten ein attraktiver Standort.

Von insgesamt 1345 Unternehmen aus dem asiatischen Raum, die sich in Deutschland angesiedelt haben, sind 510 in NRW zu finden – vor allem in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. dpa

Düsseldorf

Von insgesamt 1345 Unternehmen aus dem asiatischen Raum, die sich in Deutschland angesiedelt haben, sind 510 in NRW zu finden – vor allem in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt.

New YorkFür Petra Wassner ist der Brexit ein Glücksfall. Die Leiterin der Wirtschaftsförderung von Nordrhein-Westfalen hat zahlreiche Anfragen von umzugswilligen Unternehmen erhalten, seitdem sich die Briten entschieden haben, der Europäischen Union (EU) den Rücken zu kehren. Eine besondere Rolle spielt dabei Unternehmen aus Japan.

„Wir führen konkrete Ansiedlungsgespräche mit mehreren Unternehmen, die Aktivitäten aus Großbritannien auf Grund des Brexit nach Nordrhein-Westfalen verlagern wollen. Darunter befindet sich beispielsweise auch eine japanische Firma aus der Pharmabranche“, sagte Wassner, Geschäftsführerin von NRW-Invest, im Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Wassner hofft, dass sich am Ende „eine Anzahl japanischer Unternehmen in NRW engagieren wird“, denn die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf gelte schon heute als „Klein-Tokio“ von Europa.

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In der Tat gibt es in Nordrhein-Westfalen eine besonders starke Dichte japanischer Unternehmen. Von insgesamt 1345 Unternehmen aus dem asiatischen Raum, die sich in Deutschland angesiedelt haben, sind 510 in NRW zu finden – vor allem in Düsseldorf. Dazu zählen unter anderem Hitachi, Fujifilm, Mitsubishi Electric und Canon, wie aus Daten der deutschen Wirtschaftsförderung Germany Trade & Invest hervorgeht. Dessen Sprecher Andreas Bilfinger stuft die Chancen Deutschlands als alternatives Ziel für japanische Unternehmen als gut ein. Deutschland sei als Markt, aber auch als Forschungs- und Entwicklungsstandort für japanische Investoren interessant – ein gutes Sprungbrett in die EU.

Und die Hoffnung des Landes, aber auch des Bundes, dass sich britische Unternehmen nach dem Brexit hierzulande ansiedeln, ist laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young LLP durchaus berechtigt: Demnach plant jede siebte in Großbritannien aktive Firma, Geschäftsbereiche aus dem Land auszulagern. In einer weiteren Befragung nannten 20 Prozent Deutschland als einen von drei Top-Investitionsstandorten. Großbritannien belegte den siebten Platz.

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Bei den tatsächlich von ausländischen Unternehmen durchgeführten Investitionen hatte laut Ernst & Young hingegen Großbritannien die Nase vorn: Die Zahl der Investitionsprojekte lag im vergangenen Jahr bei 1144. In Deutschland waren es 1063. Wenn US-Firmen, die traditionell Großbritannien als europäisches Investitionsziel bevorzugen, nicht berücksichtigt werden würden, käme Deutschland auf 869 Investitionsprojekte und läge damit vor Großbritannien mit 788 Projekten. „Falls es einen harten Brexit ohne Zugang zum Binnenmarkt für Großbritannien gibt, wird es eine deutliche Verschiebung der Investitionen von Großbritannien in Richtung Deutschland geben“, meint Bernhard Lorentz, Leiter des Bereichs Government & Public Sector bei Ernst & Young.

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