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10.02.2015

21:20 Uhr

Jeffrey Lacker

Fed-Spitzenbanker erwägt Leitzinserhöhung im Juni

Seit 2008 hat die US-Notenbank an ihrer Geldpolitik und dem Leitzins nahe Null gehalten: Spitzenbanker Jeffrey Lacker spricht sich nun für eine Erhöhung im Juni aus. Doch die Einschätzung könnte sich noch ändern.

Fed-Spitzenbanker Jeffrey Lacker erwägt eine Leitzinserhöhung im Juni. Reuters

Fed-Spitzenbanker Jeffrey Lacker erwägt eine Leitzinserhöhung im Juni.

RaleighDer US-Notenbanker Jeffrey Lacker hat sich für eine Zinserhöhung im Juni ausgesprochen. Die US-Wirtschaft gewinne an Stärke und die Inflation bewege sich auf die von der Fed angepeilte Marke zu, sagte der Präsident der Zentralbank von Richmond am Dienstag vor Journalisten in Raleigh. Juni biete sich daher als „eine attraktive Option“ für eine Zinserhöhung an.

Seine Einschätzung könne sich ändern, je nachdem wie künftige Konjunkturdaten ausfielen. „Aber das müssten für mich überraschende Daten sein.“

Es ist das erste Mal, dass Lacker einen konkreten Monat als Datum für eine Zinserhöhung genannt hat. Er ist bekannt dafür, besonders streng auf die Wahrung des Inflationsziels von 2,0 Prozent zu achten und ein Gegner der sehr lockeren Geldpolitik der Fed. Die US-Notenbank hält den Leitzins seit 2008 nahe Null, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Folgen der Leitzinssenkung

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB.

Was, wenn der Leitzins sinkt?

Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel auch die Interbankzinssätze. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken an ihre Kunden weiterreichen. Sparzinsen - wie für Tages- oder Festgeld - liegen dabei oft unterhalb des Leitzinssatzes, Kreditzinsen eher darüber. Mit dieser Spanne zwischen Geldmarktzins und den Zinssätzen, die Banken Verbrauchern gewähren oder von diesen kassieren, verdienen die Institute ihr Geld.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich. „Da schauen die Anleger jetzt erstmal in die Röhre“, sagt Preu. Andererseits profitierten die Verbraucher derzeit von der niedrigen Inflationsrate. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,2 Prozent gestiegen.

Was sollten Verbraucher mit ihrem Ersparten tun?

Nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit„"ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse. Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Was bringen langfristige Anlagen?

Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen, um sich auskömmliche Zinsen zu sichern. Bei zweijähriger Laufzeit gibt es laut Herbst derzeit maximal 1,9 Prozent Zinsen, bei drei Jahren Laufzeit 2,15 Prozent. Bei vierjähriger Laufzeit gebe es 2,30 oder 2,40 Prozent, „aber da wird die Luft schon dünn“, sagt Herbst mit Blick auf die Auswahl attraktiver Festgeldangebote.

Werden Baukredite billiger?

Auch wenn der Leitzins nicht unbedingt der Referenzzins für Baukredite ist, können Bauherren nach den Worten von Preu derzeit "in Ruhe planen". Der zwischenzeitige Zinsanstieg beim Baugeld sei inzwischen wieder gestoppt. Laut Michiel Goris vom Immobilienfinanzierer Interhyp sind die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Er empfehle Immobilienkäufern und Bauherren daher, die derzeit günstigen Zinsen zu nutzen und sie sich langfristig zu sichern.

Was wird aus der Restschuld?

Käufer mit viel Eigenkapital bekämen derzeit einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent, erklärte Goris. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

Parallel zu Lacker sagte der Chef der Zentralbank von San Francisco, John Williams, der „Financial Times“, dass die wirtschaftlichen Bedingungen immer mehr jenen annäherten, unter denen es Sinn mache, „wirklich ernsthaft darüber nachzudenken, diesen Prozess der Normalisierung zu beginnen“. Es sei besser, die Zinsen allmählich und bedacht anzuheben, als „viel dramatischer“, wenn man zu lange damit warte.

Von

rtr

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