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13.06.2016

10:07 Uhr

Jens Weidmann

„Bargeld-Abschaffung ist keine Option”

Der Bundesbankpräsident Jens Weidmann weist mögliche Sorgen um eine Bargeldabschaffung zurück – und kritisiert die Politik der Europäischen Zentralbank. Auch der Bankenverband hat sich zum Thema Bargeld geäußert.

Für Weidmann ist die Abschaffung des Bargelds „kein sinnvolles Instrument”, um die Geldpolitik zu beflügeln. dpa

Jens Weidmann

Für Weidmann ist die Abschaffung des Bargelds „kein sinnvolles Instrument”, um die Geldpolitik zu beflügeln.

FrankfurtNach dem beschlossenen Aus für den 500-Euro-Schein weist die Bundesbank Begehrlichkeiten nach einer vollständigen Abschaffung des Bargeldes zurück. „Solche Vorschläge wären (...) die falsche, völlig unverhältnismäßige Antwort auf die geldpolitischen Herausforderungen an der Nullzinsgrenze“, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann am Montag bei einer Tagung der Notenbank in Frankfurt. Er halte „die Abschaffung des Bargelds für kein sinnvolles Instrument, um die Geldpolitik zu beflügeln“. Es gehe vielmehr darum, das Wachstum im Euroraum zu stärken.

Auch der Bankenverband hat sich zum Thema Bargeld geäußert: Sein Hauptgeschäftsführer, Michael Kemmer, glaubt nicht an dessen ein schnelles Ende. „In 20 Jahren fliegen wir vielleicht ganz selbstverständlich zum Mars, aber es wird immer noch Bargeld geben”, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung” vom Montag. Es gebe „niemanden von Gewicht” in der deutschen Politik oder bei der Europäischen Zentralbank (EZB), der „das Bargeld loswerden möchte”, versicherte Kemmer.

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Die Europäische Zentralbank hält den Leitzins im Euro-Raum auf dem Rekordtief von null Prozent - auch weil die Inflationsrate zunächst niedrig bleibt. Schlechte Nachrichten gab es für griechische Banken.

In einer Umfrage des Bankenverbands hätten 90 Prozent der Kunden angegeben, sie seien gegen die Abschaffung von Münzen und Scheinen, sagte Kemmer. „Daher können und wollen die Banken gar nicht anders, als weiterhin unseren Beitrag für einen reibungslosen funktionierenden Bargeldkreislauf zu leisten.” Dennoch werden nach Kemmers Ansicht immer mehr Menschen bargeldlos bezahlen.

Anfang Mai hatte der EZB-Rat die schrittweise Abschaffung des 500ers beschlossen. „Nach einer angemessenen Übergangsfrist, voraussichtlich frühestens Ende 2018, werden (...) keine 500-Euro-Scheine mehr ausgegeben“, bekräftigte Weidmann. „Es gibt erste Hinweise, dass die Bürger bereits beginnen, 500-Euro-Scheine gegen geringere Stückelungen einzutauschen.“

Die Bundesbank kritisierte außerdem die ultralockeren Geldpolitik der EZB auf Neue. Lieber sollten die Wachstumskräfte im Euro-Raum gestützt werden, um Abstand zur Nullzinsgrenze zu gewinnen, so Bundesbankpräsident Jens Weidmann. „Und lassen Sie mich auch klar sagen: Das derzeitige geldpolitische Umfeld erfordert auch keine weiteren Lockerungen”, fügte er hinzu. Es sei ausreichend Zeit, die Wirkung der bereits beschlossenen geldpolitischen Maßnahmen auf die Preisentwicklung abzuwarten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im März den Leitzins nochmals gesenkt - er liegt mittlerweile auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zudem müssen Banken Strafzinsen von 0,4 Prozent zahlen, wenn sie über Nacht bei der EZB Geld parken. Die Notenbank verstärkte darüber hinaus ihr Anleihen-Kaufprogramm, das bis Ende März 2017 ein Gesamtvolumen von 1,74 Billionen Euro erreichen soll. Seit vergangener Woche kaufen die Euro-Wächter auch Firmenanleihen. Die Bundesbank hält zwar eine expansive Geldpolitik aktuell für angemessen, steht aber einzelnen Schritten sehr kritisch gegenüber.

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