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21.11.2013

19:44 Uhr

Jens Weidmann warnt

Rechtzeitig aus den Niedrigzinsen aussteigen

Bundesbank-Präsident Weidmann mahnte die Europäische Zentralbank zu Vorsicht bei ihren Kriseninstrumenten: Die Wirksamkeit der niedrigen Zinsen nehme auf Dauer ab. Dennoch verteidigt er das neue Rekord-Tief der Zinsen.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann will Reformen in der Euro-Zone weiter vorantreiben. dpa

Bundesbankpräsident Jens Weidmann will Reformen in der Euro-Zone weiter vorantreiben.

BerlinBundesbank-Präsident Jens Weidmann hat vor einem zu späten Ausstieg aus der aktuellen Phase extrem niedriger Zinsen in der Euro-Zone gewarnt. „Entscheidend ist, dass wir rechtzeitig aus der Situation des Niedrigzinsumfeldes wieder rauskommen“, sagte Weidmann am Donnerstag in Berlin. Die Wirksamkeit der niedrigen Zinsen nehme auf Dauer ab, die Finanzstabilitätsrisiken aber zu.

Weidmann mahnte die Europäische Zentralbank (EZB) zu Vorsicht bei ihren Kriseninstrumenten. Es dürfe gar nicht erst der Verdacht aufkommen, dass die Geldpolitik der Solvenzsicherung des Staates untergeordnet werde: „Zum Beispiel dadurch, dass der Notenbankzins länger niedrig bleibt, als es unbedingt notwendig ist, um Preisstabilität zu erreichen.“ Oder indem Staatsanleihen in großem Stil aufgekauft würden.

Wie zuvor EZB-Chef Marion Draghi verteidigte Weidmann die Zinssenkung auf das Rekord-Tief von 0,25 Prozent als Reaktion der zuletzt auf 0,7 Prozent gesunkenen Inflationsrate in der Euro-Zone: „Wir machen Geldpolitik für den Euroraum als Ganzes.“ Entscheidend sei, wie die Inflation in 18 oder 24 Monaten aussehe. Natürlich seien die Sparer betroffen. „Wir sind aber eben nicht nur alle Sparer“, sagte Weidmann beim „Führungstreffen Wirtschaft 2013“ der „Süddeutschen Zeitung“. Von einer verbesserten Konjunktur profitierten auch die Arbeitnehmer, von niedrigen Zinsen der Fiskus und damit auch der Steuerzahler: „Die Gesamtschau ist entscheidend.“

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

Knapp ein Jahr vor dem Start der europäischen Bankenaufsicht unter dem Dach der EZB warnte der Bundesbankchef vor Interessenkonflikten mit der Geldpolitik: „Diese Aufgaben sind von der Geldpolitik zu trennen.“ Auf Basis des bestehenden Rechtsrahmens werde dies jedoch nicht in strikter Form möglich sein. „Denn die Letztverantwortung für die Geldpolitik wie auch die Bankenaufsicht trägt der EZB-Rat.“

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

21.11.2013, 20:40 Uhr

Zitat : verteidigte Weidmann die Zinssenkung auf das Rekord-Tief von 0,25 Prozent als Reaktion der zuletzt auf 0,7 Prozent gesunkenen Inflationsrate in der Euro-Zone: „Wir machen Geldpolitik für den Euroraum als Ganzes.“

- und genau hier ist auch der Hund begraben ! Bei einer Inflation in Griechenland, die niedrig ist wegen Totsparens, Gehaltskürzungen, Zusammenbruch der Wirtschaft ( dies alles führt zu geringerer Nachfrage ===> und sinkenden Preisen ),
ist die Lage in Deutschland bei einer Inflation von ca. 7 % eine andere ! Hier zahlen die Kleinsparer die Rechnung für diese Club-Med-Länder mit ihrem Spargroschen.

Dieser Weidmann ist nichts anderes, als Kofferträger vom Draghi !

Account gelöscht!

22.11.2013, 07:50 Uhr

Wirklich beeindruckend. Wusste gar nicht, dass Herr Weidmann neben seinem Amt als Bundesbankpraesident auch gleich Herrn Gauck abgeloest hat ( Vergleiche Bild )

Aber mal im Ernst. Wie kann es sein, dass die EZB nur die Interessen der Suedlaender vertritt. Und sollte man nicht ersteinmal abwarten, ob wirklich Deflationsrisiken bestehen. Koennte die Ursache nicht eher in den gefallenden Sprit und Energiepreisen liegen? Bin mal gespannt, wie die Inflation fuer den naechsten Monat ausfaellt.

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