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24.02.2016

19:35 Uhr

Jens Weidmann zu Bargeld

„Das hätte das Potenzial, das Vertrauen zu beschädigen“

VonJan Mallien

Auf seiner Pressekonferenz äußert sich Bundesbank-Chef Jens Weidmann ausführlich zum Thema Bargeld. Dabei nennt er ein Tabu bei einer möglichen Abschaffung des 500-Euro-Scheins.

Jens Weidmann hält nichts von einer Abschaffung des Bargelds. dpa

Deutsche Bundesbank

Jens Weidmann hält nichts von einer Abschaffung des Bargelds.

FrankfurtEigentlich sollte es auf der Pressekonferenz von Jens Weidmann vor allem um den Gewinn der Notenbank im vergangenen Jahr gehen. Doch der etwas höhere Überschuss von knapp 3,2 Milliarden Euro geriet etwas in den Hintergrund. Dafür drängte ein anderes Thema in den Vordergrund: Die Diskussion um die Abschaffung von Bargeld.

Jens Weidmann hat für die aktuelle Diskussion um die Abschaffung des Bargelds eine einfache Erklärung. Das derzeit schwierige wirtschaftliche Umfeld rege bei Wissenschaftlern die Fantasie an, wie sich die Beinfreiheit für die Geldpolitik erhöhen lasse, sagte der Bundesbank-Chef.

Diese Länder fahren Kampagnen gegen Bargeld

Dänemark

In ein Regierungsprogramm zur Konjunkturankurbelung hat die dänische Regierung den Plan geschrieben, für kleine Geschäfte, Tankstellen und Restaurants den bisherigen gesetzlichen Annahmezwang für Bargeld aufzuheben. Begründet wird das mit den Kosten, die das Zählen und Bearbeiten des Bargelds mit sich bringt. In den nordischen Ländern hat das elektronische Bezahlen das Zahlen mit Bargeld bereits weitgehend verdrängt.

Frankreich

Ab September 2015 wird für Bürger, die in Frankreich leben, die Bargeldzahlungsgrenze auf 1.000 Euro (bis dahin 3.000 Euro) begrenzt. Für ausländische Bürger liegt die Grenze – um den Tourismus nicht zu stark zu beeinträchtigen ‒ bei 10.000 Euro (bisher 15.000 Euro). Quelle: Buch „Bargeldverbot“, S. 27

Belgien

Seit Januar 2014 hat sich die zulässige Bargeldsumme für Waren und Dienstleistungen von 5.000 Euro auf 3.000 Euro verringert.

Spanien

Barzahlungen von über 2.500 Euro sind nach einem Gesetz vom 30. Oktober 2012 verboten, wenn eine der Parteien professionell oder gewerblich tätig ist. Es dient angeblich dem Kampf gegen Steuerbetrug.

Italien

Barzahlungen von mehr als 1.000 Euro sind in Italien seit Anfang 2012 verboten (Direktive zur Nachvollziehbarkeit von Finanzierungen, vor der Barzahlung mit hohen Beträgen wird gewarnt).

Griechenland

Ab Jahresanfang 2011 sind Geschäfte mit einer Barzahlung von 1.500 Euro und mehr illegal, wenn zumindest ein Partner gewerblich aktiv ist.

Schweden

Kampagne zur Bargeldabschaffung „Bargeldfrei jetzt!“ (Kontantfritt Nu), getragen von der Gewerkschaft für Finanzdienstleister „Finansförbundet“ und „Svensk Handel“ mit Sprüchen wie „Bargeld braucht nur noch deine Oma ‒ und der Bankräuber“ oder „Bargeld ist das Blut in den Adern der Kriminalität“.

Durch Bargeld gibt es eine natürliche Untergrenze für die Zinsen: Sinken diese zu stark in den negativen Bereich, so wird es irgendwann für die Bankkunden attraktiver, das Geld in Cash zu halten. Würde Bargeld hingegen abgeschafft und das Geld ausschließlich bei Banken gehalten, könnten die Zinsen beliebig weit gesenkt werden.

Dies aber sei die falsche Antwort auf das Marktumfeld, machte Weidmann deutlich. In der aktuellen Diskussion geht es vor allem um eine Obergrenze für Barzahlungen und die mögliche Abschaffung des 500-Euro-Scheins. Befürworter argumentieren, dass dadurch kriminelle Aktivitäten erschwert würden. Gegner hingegen sehen dies als ersten Schritt hin zur Abschaffung des Bargelds.

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