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14.02.2013

13:34 Uhr

Jim Rogers

„Das Geld wird Sie finden“

VonJörg Hackhausen

Jim Rogers hat ein Vermögen an der Börse gemacht. Jetzt hat der berühmt-berüchtigte Investor ein Buch geschrieben. Darin verrät er, warum er sich für Amerika schämt – und warum Anleger nicht auf ihn hören sollten.

Jim Rogers: "Selbst wenn uns die Geschichte nichts anderes lehrt, dann doch dies: Was heute noch unbestritten erscheint, wird morgen ganz anders aussehen." ap

Jim Rogers: "Selbst wenn uns die Geschichte nichts anderes lehrt, dann doch dies: Was heute noch unbestritten erscheint, wird morgen ganz anders aussehen."

Wenn Sie reich werden möchten, hören Sie nicht auf Jim Rogers. Dieser Ratschlag stammt von Rogers selbst. Der berühmt-berüchtigte Investor (Markenzeichen: bunte Fliege) hat ein Buch geschrieben: „Die Wall Street ist auch nur eine Straße“.

Rogers erzählt, wie er als junger Student an die Wall Street kam, wie fasziniert er war vom Auf und Ab der Finanzmärkte, wie er viel Geld gemacht und manchmal etwas verloren hat; eine Zeit lang davon an der Seite mit George Soros, dem anderen großen, alten Börsenguru.

Rogers erklärt aber auch, warum er eines Tages die Nase voll hatte und von New York fortging. „Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gingen kluge Leute nach London. Hundert Jahre später zogen die klugen Leute nach New York. Und wenn Sie am Beginn des 21. Jahrhunderts klug sind, machen Sie sich auf den Weg nach Asien“, schreibt Rogers. Das Zeitalter Amerikas sei vorbei - die Zukunft gehöre China.

Nebenbei streut der Autor immer wieder Ratschläge ein, zum Beispiel den, dass man beim Investieren nicht auf ihn hören solle. Aber dazu später mehr.

Jim Rogers über...

George W. Bush, ehemaliger US-Präsident

„Er hatte als Kapitän das Staatsschiff längst auf ein Riff gesteuert, ging als Erster von Bord und verbrannte zuvor noch sämtliche Rettungsboote.“

Alan Greenspan, ehemaliger Chef der US-Notenbank

Greenspan, ein mittelmäßiger Ökonom von der Wall Street, der sich ständig um eine Anstellung beim Staat bemühte, hatte 15 Jahre lang immer mal wieder einen Posten in Washington und dann wieder nicht, bis Präsident Reagan ihn 1987 für seine Inkompetenz belohnte.

Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank

„Denken Sie an die zahlreichen Erklärungen, die zahlreichen Prognosen Bernankes im Lauf der Jahre, dann werden Sie sehr schnell erkennen, dass Bernanke selten recht behielt. Er weiß wenig von Ökonomie oder Finanzen, er hat keine Ahnung, wie die Märkte funktionieren, und was die Währung betrifft, da weiß er nur eines ganz genau: wie man sie druckt.“

Timothy Geithner, Ex-Chef der New Yorker Fed und US-Finanzminister

„Geithner wurde für seine Unfähigkeit belohnt und zum […] Finanzminister ernannt. Die New Yorker Bankenszene übte diesbezüglich Druck auf die neue Regierung Obama aus, denn die Banker schätzten Geithner als kleinen, einfachen Waschlappen in der New Yorker Fed, der alles tat, was sie ihm sagten. Er war genau der Speichellecker, den sie in Washington brauchten, der Schwächling, der sie beschützte, wenn sie ihm sagten, dass ihnen der Himmel auf den Kopf falle.“

Hank Paulson, ehemaliger US-Finanzminister

„Hank Paulson war Finanzminister, als 2008 die Subprime-Krise zuschlug und alle New Yorker Banker bei ihm anriefen und jammerten, die Welt werde untergehen. […] In seinen acht Jahren als CEO bei Goldman Sachs hatte er den Aufbau von Subprime-Hypotheken verantwortet. Das war genau der Müll, den man jetzt nicht mehr loswerden konnte und an dem seine früheren Kollegen bei Goldman Sachs gerade erstickten.“

Warren Buffett, Investor

„Das ist es, was erfolgreiche Investoren tun. Sie springen nicht viel herum. Warren Buffett verändert seine Positionen nur selten. Ich verändere meine Positionen kaum, weil ich in langfristige Trends investiere, die, wie der Name schon sagt, viele Jahre anhalten.“

Jim O’Neill, Ökonom von Goldman Sachs

„Natürlich hatte er keine Ahnung, wovon er sprach, und wie ich ihm inzwischen – erst 2012 – von Angesicht zu Angesicht gesagt habe, spricht das Festhalten an dieser These [BRIC] für eine Ignoranz der globalen Tatsachen, die man bestenfalls als irritierend bezeichnen kann.“

George Soros, Investor und früherer Partner von Rogers

„Soros war ein sehr guter Trader, besaß ein gutes Gefühl für Timing und Trading. [...] Geld zu verdienen war ihm wichtiger als alles andere, das bei einer Transaktion auf dem Spiel stand.“

Quelle: Jim Rogers. Die Wall Street ist auch nur eine Straße. Finanzbuchverlag (2013).

Jim Rogers (70) hat in seinem Leben mehr mitgemacht, als es sich die meisten Banker und Geldverwalter überhaupt erträumen könnten. Wahrscheinlich liegt das daran, dass er immer genau das Gegenteil von dem tat, was alle anderen für richtig hielten.

Rogers wächst in Alabama auf. Schon früh habe er den Drang verspürt, die Welt zu erkunden. Zum Studium der Geschichte, Philosophie und Wirtschaft geht er nach Yale, später ins britische Oxford. Über einen Ferienjob gelangt Rogers an die Wall Street.

Buchcover: Jim Rogers. Die Wall Street ist auch nur eine Straße. Lektionen eines Investment-Rebellen.

Buchcover: Jim Rogers. Die Wall Street ist auch nur eine Straße. Lektionen eines Investment-Rebellen.

Darüber sagt er heute: „Ehe ich dorthin ging, wusste ich über die Wall Street nur, dass sie irgendwo in New York lag und dass dort 1929 etwas Schlimmes passiert war. Ich wusste nicht, dass es einen Unterschied zwischen Aktien und Anleihen gab, und schon gar nicht, worin dieser Unterschied bestand. Ich hatte keinen blassen Schimmer von Währungen oder Rohstoffen.“

Das ändert sich schnell. Rogers ist so begeistert von der neuen Welt, dass er nicht mehr loslassen will. Er arbeitet für eine Investmentbank, 15 Stunden am Tag, manchmal sieben Tage die Woche. Während die meisten seiner Kollegen allein den US-Markt im Blick haben, schaut er sich auf der ganzen Welt um. Schließlich lernt er George Soros kennen und gründet mit ihm 1970 einen Hedge Fonds, den legendären Quantum Funds.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

14.02.2013, 18:19 Uhr

Ein hervorragender Artikel (auch mal ein Fehlerfreier).Roger´s Lebenserfahrung bringt viele Wahrheiten ans Licht. Die USA werden untergehen, die jetzigen Höhenflüge der NYSE sind letzte Zuckungen.

@holy_church_of_money

14.02.2013, 18:47 Uhr

Das Geld wird mich finden?

Ich bin schneller: b assured abt.

Account gelöscht!

14.02.2013, 22:16 Uhr

@salam-i:

Ich glaube nicht, dass die USA untergehen werden. Seien Sie sicher, auch heute noch ist der "american dream" fuer eine leistungsbereite Person definitiv moeglich.

Aber, die derzeitige US-Politik ist mit Obama leider etwas naiv, und schadet den USA.
Die "echten" Amerikaner unterstuetzen Obamas Politik ueberhaupt nicht. Obama schielt immer mit einem gewissen Neid auf unsere Bundeskanzlerin, und meint, bestimmte Dinge auf die USA uebertragen zu koennen, das wird aber nicht funktionieren.

Allerdings, die Zukunft gehoert ganz klar Asien ! Damit ist nicht nur China gemeint.



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