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11.03.2006

10:00 Uhr

Joachim Paul Schäfer

„Wir sind erzkonservative Anleger“

VonDie Fragen stellte Andrea Cünnen

Joachim Paul Schäfer ist Partner bei der PSM Vermögensverwaltung GmbH. Im Interview spricht er über das Annlageverhalten der Deutschen und die Gefahren der Inflationsseite.

Handelsblatt: Macht ein konservatives Depot angesichts der niedrigen Renditen an den Geld- und Anleihemärkten derzeit überhaupt noch Sinn?

Joachim Paul Schäfer: Aus unserer Sicht mehr denn je. Die weltweite Konjunktur wackelt. Das größte Problem ist die hohe Verschuldung, vor allem in den USA. Hier haben wir eine regelrechte Blase. Dazu kommen die Immobilienblasen in Nordamerika und in vielen europäischen Ländern wie Großbritannien, den Niederlanden, Italien und Spanien. Ein Soft Landing – eine weiche Landung der Konjunktur – gab es nach solchen Übertreibungen noch nie.

Sind Sie da nicht sehr pessimistisch?

Wir sind keine Pessimisten, sondern Realisten. Im vergangenen Jahr konnten Sie in allen Anlageformen große Gewinne machen – selbst in exotischeren Anlagen wie Kunst und Wein. Das ist äußerst selten. Bei vielen Anlegern hat sich die Erwartung aufgebaut, dass dies alles so weiter geht. Das wird es aber nicht.

In Deutschland kann man aber kaum von einer Immobilienblase sprechen, und der Deutsche Aktienindex ist auch noch weit von seinen Hochs entfernt.

Das stimmt. Aber die amerikanischen und weltweiten Probleme werden auf den deutschen Markt überschwappen. Wir alle hängen am seidenen Faden des amerikanischen Konsumenten.

Aber die Lösung kann doch nicht sein, vorwiegend auf den Geldmarkt zu setzen, wie Sie es tun.

Warum nicht? Wir sind erzkonservativ und haben deshalb auch in den schwierigen Jahren ab 2000 kein Geld unserer Kunden verloren. Wir gehen keine Wetten mit dem Vermögen anderer ein, bis wir nicht wissen, wann die Blase platzt. Außerdem passen wir unsere Anlageentscheidungen ständig den Gegebenheiten an. Wir halten nur im Moment sehr viel Liquidität. Daneben kaufen wir aber auch ausgewählte Aktien und sind mit etwa zehn Prozent unserer Depots stark am Goldmarkt engagiert.

Wären Sie denn nicht bei lang laufenden Anleihen besser aufgehoben, wenn Sie so große Gefahren für die Weltwirtschaft sehen?

Derzeit noch nicht. Wir gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank die Leitzinsen noch weiter anheben. Das wird zunächst zu Kursverlusten – also Renditeanstiegen – an den Anleihemärkten führen. Deshalb warten wir noch etwas ab. Denn langfristig können sich die Notenbanken diesseits und jenseits des Atlantiks höhere Zinsen nicht leisten. Und wenn erst wieder Zinssenkungsphantasie aufkommt, kann man mit Anleihen neben der laufenden Verzinsung auch wieder Kursgewinne machen.

Sehen Sie keinerlei Gefahren von der Inflationsseite, die derzeit wieder viel diskutiert werden?

Im Gegenteil, mittelfristig ist Deflation, sind also ständig fallende Preise das Thema. Sie brauchen sich doch nur umzusehen. Überall gibt es Schnäppchenpreise. Das Warenangebot ist gigantisch, und durch die Globalisierung – die weltweite Konkurrenz auf den Güter- und Dienstleistungsmärkten – kann sich Inflation gar nicht durchsetzen.

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