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03.06.2011

14:10 Uhr

Jörg Krämer im Interview

„Der Einbruch ist stärker als nach der Lehman-Pleite“

VonJörg Hackhausen

ExklusivSchwaches Wachstum, hohe Arbeitslosigkeit, ausufernde Schulden: Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, erklärt, wie es um die US-Wirtschaft steht und warum Anleger keine Staatsanleihen kaufen sollten.

Die US-Wirtschaft kommt nur quälend langsam aus der Krise, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt

Die US-Wirtschaft kommt nur quälend langsam aus der Krise, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Herr Krämer, die aktuellen Konjunkturdaten aus den USA lassen nichts Gutes erahnen. Droht ein Rückfall in die Rezession?

Ein Rückfall in die Rezession droht nicht. Das ist bei Leitzinsen nahe Null sehr unwahrscheinlich. Aber wir sehen, dass die US-Wirtschaft deutlich an Schwung verliert. Das lässt sich schon seit Anfang März beobachten, die Konjunkturdaten haben durchweg enttäuscht. Am Mittwoch kam der Einkaufmanagerindex hinzu, der im Vergleich zum Vormonat stärker eingebrochen ist, als nach der Lehman-Pleite. Die heutigen Arbeitsmarktdaten zeigen, dass die US-Wirtschaft im Mai nicht einmal genügend Stellen geschaffen hat, um mit dem Wachstum der Bevölkerung Schritt zu halten. Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich das Wachstum der US-Wirtschaft deutlich abgeschwächt hat.

Wie sollen die USA so wieder aus der Krise kommen?

Die amerikanische Wirtschaft wird sich nur quälend langsam aus der Krise herausarbeiten. Das Wachstum wird in diesem Jahr bei 2,3 Prozent liegen. Das hört sich zunächst einmal gar nicht gar so katastrophal an, reicht aber bei weitem nicht aus, um die extrem hohe Arbeitslosigkeit zu senken. Die Arbeitslosigkeit muss aber sinken, damit sich die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer verbessert, damit die Löhne wieder steigen und damit letztlich der Konsum wieder anzieht.

Wie wird die US-Notenbank reagieren?

Eine Leitzinsanhebung ist völlig vom Tisch. Wir hatten ursprünglich eine Leitzinserhöhung für Anfang nächsten Jahres prognostiziert. Diese Prognose haben wir nun auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Die Frage ist, ob die US-Notenbank die Notenpresse anwirft und das Land weiter mit Liquidität überschwemmt. Es ist nicht auszuschließen, dass sie ein drittes Programm zum Ankauf von Staatsanleihen starten wird. Nachdem die Fed in der Vergangenheit heftig dafür gescholten wurde, wird sie sich das aber gut überlegen. Ich glaube auch nicht, dass ein solches Programm etwas bringen würde.

Wird die Geldpolitik der US-Notenbank zu Inflation führen?

Langfristig schlägt sich zu viel Geld in höheren Preisen nieder. Aber das wird noch dauern. Noch wird der Inflationsdruck gedämpft durch die hohe Arbeitslosigkeit. Wenn die Arbeitslosigkeit in Richtung fünf Prozent sinken sollte und die Löhne steigen, dann könnte eine Inflationsspirale in Gang kommen. Darüber reden wir vielleicht in zwei oder drei Jahren.

Kommentare (10)

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Marlboromann

03.06.2011, 14:30 Uhr

Sehr guter Journalismus. Danke Handelsblatt.

Mit sanftem Druck bringen sie Banken, Versicherungen oder Pensionsfonds dazu, Staatsanleihen zu kaufen. Das bewirkt, dass die Renditen niedrig bleiben, obwohl sie aufgrund der Inflationsgefahr höher sein müssten, und dass man nach einer Phase mit hoher Inflation mit Staatsanleihen nichts mehr verdienen kann. Auf diese Weise haben sich die Staaten ihre Schulden auch nach dem Zweiten Weltkrieg reduziert.

no.7

03.06.2011, 15:03 Uhr

Krämer kommt hier mit allerlei Illusionen- das bevölkerungswachstum sei intakt - na bravo !- die sich nicht erfüllen werden. Die USA werden in die rezession gehen, wobei sie von glück sagen können, wenn daraus nicht in den nächsten Jahren eine harte depression wird.

keeper

03.06.2011, 15:11 Uhr

"mit sanftem Druck" - was soll das denn sein?
de-facto gibt die Regierung Staatsanleihen mit einer Verzinsung unter dem Inflationsausgleich aus - wodurch sich die Geldmenge erhöht, da mittlerweile (konkret: in den letzten 12 Monaten) 70 - 75 Prozent dieser "Trashuries" von der Notenbank FED gekauft werden müssen...

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