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05.12.2012

14:57 Uhr

John Paulson

Die Leiden eines Investmentstars

Der Euro wird zerbrechen, davon ist John Paulson, weltbekannter Hedge-Fondsmanager, überzeugt. Bislang hat diese Einschätzung dem Investor vor allem eines eingebracht: herbe Verluste.

John Paulson wettet gegen den Euro: Bislang erfolglos. Bloomberg

John Paulson wettet gegen den Euro: Bislang erfolglos.

New YorkDer prominente Fondsmanager John Paulson hat den Großteil seiner Gewinn im laufenden Jahr offenbar bei Wetten gegen den Euro verloren. Er setzte auf ein Auseinanderbrechen der Eurozone im Zuge der Staatsschuldenkrise, soll Paulson nach Informationen von Bloomberg News vor Anlegern auf dem Jahrestreffen seiner Fondsgesellschaft in New York gesagt haben, wie eine mit dem Vorgang vertraute Person am Mittwoch unter Zusicherung ihrer Anonymität zu Bloomberg News sagte.

Nach der Versicherung des EZB-Präsidenten Mario Draghi im Juli, “alles” zur Sicherung des Euro zu tun, habe Paulson nach eigenen Worten diese Positionen zunehmend aufgelöst, hieß es. Paulson hatte im Februar gesagt, der Euro sei “strukturell angeschlagen” und könne möglicherweise zusammenbrechen. Im April teilte der Gründer der Fondsgesellschaft Paulson & Co. seinen Kunden überdies mit, er spekuliere gegen Staatsanleihen aus Europa indem er so genannte Kreditausfallswaps auf europäische Schuldenpapiere kaufe.

Diese Aktien hat Paulson im Depot

SPDR Gold Trust (ETF)

Anzahl der Anteile: 21,8 Millionen

Anteil am gesamten Fonds: 5,1 Prozent

Anteil in Paulsons Portfolio: 28,3 Prozent

HCA Holding

Anzahl der Aktien: 7,95 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 1,8 Prozent

Anteil in Paulsons Portfolio: 2 Prozent

Equinix

Anzahl der Aktien: 1 Million

Anteil am gesamten Unternehmen: 2,1 Prozent

Anteil in Paulsons Portfolio: 1,5 Prozent

JP Morgan

Anzahl der Aktien: 4 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 0,1 Prozent

Anteil in Paulsons Portfolio: 1,2 Prozent

Sara Lee

Anzahl der Aktien: 2,96 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 2,5 Prozent

Anteil in Paulsons Portfolio: 0,7 Prozent

Quest Software

Anzahl der Aktien: 4,93 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 5,8 Prozent

Anteil in Paulsons Portfolio: 1,1 Prozent

Copper Industries

Anzahl der Aktien: 1 Million

Anteil am gesamten Unternehmen: 0,6 Prozent

Anteil in Paulsons Portfolio: 0,6 Prozent

Resolute Forest Products

Anzahl der Aktien: 3,3 Millionen

Anteil am gesamten Unternehmen: 3,3 Prozent

Anteil in Paulsons Portfolio: 0,3 Prozent

Der Hedgefonds Advantage Plus hat im Oktober den Informationen zufolge drei Prozent verloren, womit sich das Minus in den ersten zehn Monaten des Jahres auf 17 Prozent summiert. Der Fonds Credit Opportunities mit 6,1 Mrd. Dollar Einlagen im dritten Quartal stieg um 3,8 Prozent im Oktober und kommt seit Jahresbeginn auf ein Plus von sechs Prozent.

Paulson musste bereits 2011 einen Verlust von 51 Prozent bei Advantage Plus hinnehmen, was vornehmlich auf gescheiterte Spekulationen auf eine Konjunkturerholung zurückzuführen war. Sprecher Armel Leslie von Paulson & Co. wollte sich zu dem Treffen mit Anlegern nicht äußern. Paulson hat den Informationen zufolge die Aufhellung am US- Immobilienmarkt als einen der Lichtblicke der Wirtschaftsentwicklung bezeichnet.

Stimmen zur Schuldenkrise

Barack Obama, US-Präsident

„So lange Europa keinen konkreten Plan für den Kampf gegen die Krise hat, halten die Turbulenzen an den Finanzmärkten an.“

Mohamed El-Erian, Chef von Pimco

„Das, was wir in Griechenland im Schnelldurchlauf erleben, könnte eines Tages auch die USA erfassen, wenn sich die dortige Politik nicht ändert“

George Soros, Investor

„Die derzeitigen Maßnahmen sind nicht ausreichend, kommen zu spät und lösen weltweit Verwerfungen auf den Finanzmärkten aus“

Charles Plosser, Fed-Gouverneur

„Möglicherweise besitzen wir nicht die richtigen geldpolitischen Instrumente, um die Erkrankungen zu heilen, an denen das System leidet.“

Jose Manuel Barroso, EU-Kommissionspräsident

„Wir sind jetzt wirklich mit einer wahrhaft systemischen Krise konfrontiert“

Nicolas Sarkozy, französischer Staatspräsident

"Diejenigen, die den Euro zerstören, werden die Verantwortung dafür tragen, dass Konflikt und Trennung auf unserem Kontinent wieder auferstehen."

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

„Europa ist heute in einer der schwersten Stunde, vielleicht der schwersten Stunde seit dem Zweiten Weltkrieg.“

Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts

„Es wird für die Politiker immer schwerer, einen Kurswechsel durchzusetzen. Sie werfen immer mehr gutes Geld dem schlechten hinterher und überlassen das Problem der jeweils nachfolgenden Politikergeneration. […] Es kommen noch große Lasten auf Deutschland zu.“

Dirk Müller, Börsenhändler und Buchautor

"Wir haben nichts aus dem ersten Teil der Finanzkrise gelernt, es geht so weiter wie vorher."

Max Otte, Investor und Ökonom

„Die Schuldenberge, die wir aufgetürmt haben, lassen sich nur durch Inflation beseitigen. Alles andere wäre fatal. Wenn dagegen so etwas passiert wie 1929, also eine Phase extremer Deflation bis hin zur Depression, dann gute Nacht.“

Bert Flossbach, Vermögensverwalter

„Die Banken haben das Vertrauen, auf das sie mehr als jede andere Branche angewiesen sind, verspielt. Kein Wunder, dass der Kapitalmarkt kaum noch bereit ist, ihnen Geld zu leihen. Aufgeblähte Bilanzen, zu wenig Eigenkapital, falsche Anreizsysteme, komplexe Geschäfte und zunehmende Risiken machen Großbanken zu unkalkulierbaren Risiken für ihre Aktionäre, den Staat und damit die ganze Gesellschaft.“

Jürgen Heraeus, Unternehmer

„Ich bin besorgt, aber ich bin vor allem realistisch. Wir werden eine Abwertung bekommen, wir werden vielleicht sogar eine Inflation bekommen. Ich möchte das Wort Währungsreform nicht in den Mund nehmen, aber irgendwo müssen diese riesigen Schulden bleiben.“

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt Barclays Capital Deutschland

„Die westlichen Länder stecken in der Wirtschafts- und Finanzkrise, einer Verschuldungskrise. Wie immer bei hoher Verschuldung ist die Gefahr groß, dass die Politik des Gelddruckens als das kleinste Übel angesehen wird. Ich lebe in ständiger Inflationssorge.“

Hans Olaf Henkel, Ex-BDI-Präsident

„Es gibt eine Alternative zur ‚alternativlosen’ Euro-Politik: den gemeinsamen Austritt Deutschlands, Hollands, Österreichs und Finnlands aus der Euro-Zone.“



Kommentare (5)

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Ben-Wa

05.12.2012, 16:13 Uhr

Natürlich hat der Mann recht. Das Timing ist nur das Problem. Wer weiß schon genau, wann Deutschland pleite ist? Und wer kann vorhersagen, was die ideologiegesteuerten Eurokraten noch alles auf der Pfanne haben?
Das Währungsexperiment endet mit dem deutschen Staatsbankrott in der EUSSR. Deutschland ist viel zu schwach, für die Schulden der PIGS zu haften. Diejenigen, die etwas Anderes sagen, sind an deutschem Größenwahn, Selbstüberschätzung und Überheblichkeit kaum zu überbieten. Das hatten wir schon in der Geschichte. Vor allem von 1933 bis 45. Die deutschen Politiker lernen es NIE!

Account gelöscht!

05.12.2012, 18:03 Uhr

Der Euro geht vor die Hunde. Auf das wann würde ich allerdings keine Wette eingehen.

Das Vertrauen jedoch, sollte im kommenden Jahr verspielt sein. Da hilft auch kein Draghi.
Der Wirtschaft wird es weiterhin, im Euroraum, schlechter gehen.
Mehr Arbeitslose, weniger Konsum, weniger Arbeit.

Account gelöscht!

05.12.2012, 18:21 Uhr

Abwarten, Euro4ever - es hat schon immer die Regel gegolten, daß derjenige der zuletzt lacht, am besten lacht. Es kann noch dauern, aber kommen wird der Crash - früher oder später. Ich will dann Ihren Kommentar lesen, wenn hier im HB steht, daß der Herr Paulson mit der Wette so richtig abgeräumt hat...

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