Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.08.2011

12:43 Uhr

Junk-Bonds

Keine Abzüge in der BB-Note

VonAndrea Cünnen

Mit Junk-Bonds lassen sich in Zeiten sinkender Kurse mit nur mäßigem Wirtschaftswachstum kräftige Renditen einfahren. Der Vorteil: die Unabhängigkeit der Ramschanleihen von den Gewinnaussichten des Unternehmens.

Anleihen von Unternehmen mit einem BB-Rating können für Anleger durchaus attraktiv sein. Quelle: AFP

Anleihen von Unternehmen mit einem BB-Rating können für Anleger durchaus attraktiv sein.

FrankfurtDer Name ist Programm: Junk-Bonds oder Ramschanleihen werden jene Anleihen von Firmen genannt, denen die Ratingagenturen eine mangelnde Kreditwürdigkeit attestieren. In den Skalen der Bonitätsprüfer Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch beginnt die Junk-Klasse bei Noten ab Doppel-B. Angesichts grassierender Ängste der Investoren vor einer Rezession in den USA und den einbrechenden Aktienmärkten ist es kein Wunder, dass auch Junk-Bonds deutlich an Wert verloren.

Um fünf Prozent sind die Kurse auf Euro lautender Junk-Bonds seit Ende Juli im Schnitt gefallen. Im Gegenzug schnellte die Rendite der Papiere mit einer Laufzeit von fünf Jahren auf 9,6 Prozent nach oben - die Rendite ist damit so hoch wie zuletzt vor mehr als einem Jahr. Das macht sie für risikofreudige Investoren, die nicht an einen erneuten Einbruch der Wirtschaft glauben, wieder attraktiv: „In einem vom mäßigen Wachstum geprägten Umfeld mit extrem niedrigen Leitzinsen treffen Hochzinsanleihen genau ins Schwarze“, meint jedenfalls Wes Sparks von der Fondsgesellschaft Schroders.

Nachvollziehbar ist seine Einschätzung: Schließlich kommt es für Besitzer von Anleihen - egal welcher Bonitätsstufe - letztlich nur darauf an, dass die Schuldner zahlungsfähig bleiben. Dafür braucht es, anders als bei Aktien, kein großes Wirtschaftswachstum und keine Aussichten auf steigende Firmengewinne. Deshalb schlagen sich Junk-Bonds in Phasen mit leichtem Wirtschaftswachstum meist besser als Aktien.

Börsen-Glossar

Blue Chips

Aktien von Konzernen, deren Börsenwert sehr groß ist. Die Papiere der 30 Dax-Unternehmen etwa werden als Blue Chips bezeichnet.

Daytrader

Händler, der versucht, geringe Kursschwankungen an den Börsen innerhalb kürzester Zeit auszunutzen

Discountzertifikat

Wertpapier, das den Kursverlauf eines Basiswertes (das können Aktien oder Indizes sein) abbildet, allerdings bei Kauf günstiger ist als der Basiswert. Im Gegenzug ist der Gewinn durch einen sogenannten „Cap“ gedeckelt.

Dividendenrendite

Ist die Dividende, die ein Unternehmen an seine Aktionäre ausschüttet, im Verhältnis zum Aktienkurs.

Emerging Markets

Der Begriff fasst die Gruppe der stark wachsenden Volkswirtschaften zusammen, die früher als Entwicklungsländer galten. China etwa, Indien oder Indonesien.

ETF

Exchanged Traded Fund – börsengehandelter Fonds, der nicht aktiv gemanaged wird.

Future

Terminkontrakt auf ein bestimmtes Gut, der je nach Ausgestaltung den Käufer verpflichtet, eine bestimmte Menge des Gutes zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem vorher festgelegten Preis zu liefern oder zu kaufen.

Grauer Kapitalmarkt

Teil des Kapitalmarktes, der keinen offiziellen Regeln und gesetzlichen Bestimmungen unterliegt.

Hebelzertifikat

Strukturiertes Wertpapier, mit dem Anleger auf den Kursverlauf eines Basiswertes wetten können. Durch den Hebel partizipiert das Zertifikat stärker von Kursschwankungen als der Basiswert. Im schlimmsten Falle allerdings droht Totalverlust.

Junk-Bonds

Anleihen von Unternehmen mit schlechter Bonität.

Offener Immobilienfonds

Investmentfonds, der es Anlegern ermöglicht, mit relativ kleinen Beträgen in Immobilien zu investieren.

Rating

Gütesiegel für die Bonität eines Schuldners. Je besser das Rating, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Gläubiger sein Geld zurückbekommt.

Hinzu kommt, dass viele Unternehmen ihre Verschuldung in den vergangenen Jahren abgebaut haben. „Es gibt keine Anzeichen für eine Verschlechterung der Kreditqualität - ganz im Gegenteil gab es zuletzt mehr Herauf- als Herabstufungen der Bonität“, betont Matthew Iannucci von UBS Global Asset Management.

Dabei sind die Spannen und die Unterschiede in der Kreditqualität im Junk-Universum immens. So zählen in Deutschland auch Dax-Konzerne wie Thyssen-Krupp, die Lufthansa und Heidelberg Cement zu den Junk-Schuldnern. Der Großteil der Junk-Firmen, deren Bonds höhere Renditen als die der Dax-Konzerne abwerfen, sind jedoch kleinere, wenig bekannte Unternehmen. Insofern sind risikofreudige Privatanleger mit Fonds für Junk-Bonds besser beraten als mit Einzelinvestments, weil die Fonds die einzelnen Unternehmen besser analysieren und zudem die Risiken breiter streuen können.

Staatliche Junk-Schuldner wenig gefragt

Nicht enthalten in den Junk-Bond-Fonds sind Anleihen aus Griechenland, Portugal und Irland. Dabei wird Griechenland von allen drei großen Ratingagenturen als fast zahlungsunfähig bewertet. Irland und Portugal verbannte Moody's in den oberen Junk-Bereich mit Doppel-B-Ratings. Investoren sehen das Ausfallrisiko für Irland und Portugal mit Renditen von 8,5 und über elf Prozent jedoch höher an, als es die Ratings vermuten lassen. Bei Griechenland liegt die Rendite sogar über 17,5 Prozent. Zwar hat das vor drei Wochen geschnürte neue Hilfspaket der Euro-Länder für Griechenland die Kurse steigen und die Renditen sinken lassen. Die Umsätze sind aber nur gering - selbst Zockern sind die Anleihen aus Griechenland, Portugal und Irland noch zu gefährlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×