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04.04.2013

08:23 Uhr

Kampf gegen Deflation

Japans Notenbank im Kaufrausch

Die japanische Notenbank setzt im Kampf gegen die Deflation auf ein massives Kaufprogramm. Chef-Banker Kuroda gibt dem Druck der Regierung nach und will sein Portfolio an Staatsanleihen und ETF-Fonds verdoppeln.

Japans Chef-Notenbanker Haruhiko Kuroda geht auf Einkaufstour. Reuters

Japans Chef-Notenbanker Haruhiko Kuroda geht auf Einkaufstour.

TokioDie japanische Notenbank schießt im Kampf gegen die hartnäckige Deflation aus allen Rohren und hat damit Schockwellen an den Finanzmärkten ausgelöst. Die Notenbanker unter ihrem neuen Chef Haruhiko Kuroda lockerten die Geldpolitik mit radikalen Schritten und schickten damit die Renditen der Staatsanleihen auf Talfahrt.

Wie die Währungshüter am Donnerstag nach ihrer zweitägigen Sitzung mitteilten, wird das Programm zum Ankauf von Wertpapieren deutlich ausgeweitet. Zudem verabschiedet sich die Bank von Japan vom Leitzins als maßgeblicher geldpolitischer Kenngröße und will statt dessen auf die Geldbasis (Geldmenge M0) achten. Bei der Regierung stößt sie damit auf Zustimmung: Die Entscheidung der Bank von Japan sei höchst anerkennenswert, sagte Wirtschaftsminister Akira Amari. Notenbankchef Kuroda will die Maßnahmen noch am Donnerstag vor Journalisten erläutern.

Was Japans Notenbank beschlossen hat:

Neue Messlatte für die Geldpolitik

Die Notenbanker verabschieden sich ein Stück weit vom Leitzins als maßgeblicher Kenngröße für die Geldpolitik. Neuer Orientierungspunkt ist die Geldbasis, also die Geldmenge M0: Diese setzt sich aus dem im Umlauf befindlichen Bargeld sowie den Einlagen der Banken bei der Notenbank zusammen. Sie soll nun um jährlich 60 bis 70 Billionen Yen (495 bis 577 Milliarden Euro) steigen und sich damit bis Ende 2014 ungefähr verdoppeln.

Ankauf länger laufender Anleihen

Die Bank von Japan will künftig Staatsanleihen mit einer Laufzeit von bis zu 40 Jahren kaufen und damit die gesamte Zinskurve widerspiegeln. Unter ihrem Wertpapierkaufprogramm waren es bisher nur drei Jahre.

Die durchschnittliche Laufzeit aller von der Notenbank gehaltenen Papiere soll auf sieben Jahre steigen. Um dieses Ziel zu erreichen, verschmolz die Notenbank das Wertpapierkaufprogramm mit einem bislang unabhängigen Programm zur Liquiditätsversorgung.

Das Volumen

Die Währungshüter wollen den Bestand an Staatsanleihen um jährlich 50 Billionen Yen (gut 400 Milliarden Euro) erhöhen. Der unbefristete Ankauf von Staatsanleihen, bislang für 2014 geplant, wird dazu vorgezogen.

Ankauf risikoreicher Papiere

Zusätzlich will die Notenbank mehr risikoreiche Papiere kaufen: Jährlich sollen die Bestände an börsengehandelten Indexfonds (ETFs) um eine Billion Yen (acht Milliarden Euro) und die Bestände an Immobilienfonds (REITs) um 30 Milliarden Yen (245 Millionen Euro) steigen.

Aussetzen der Banknotenregel

Nach dieser Vorgabe darf die Notenbank nicht mehr Staatsanleihen in der Bilanz halten, als Banknoten im Umlauf sind. Das gilt nun vorerst nicht mehr.

"Die Bank von Japan wird geldpolitische Operationen so durchführen, dass die Geldbasis jährlich um 60 bis 70 Billionen Yen (495 bis 577 Milliarden Euro) steigt", teilte die Notenbank zu ihrer Entscheidung mit. Sie zieht dazu den unbefristeten Ankauf von Wertpapieren vor. Auch wollen die Währungshüter in Zukunft japanische Anleihen mit längeren Laufzeiten von bis zu 40 Jahren kaufen.

Mehrere Ankaufprogramme wurden zusammengefasst. Jährlich sollen die Bestände an Staatsanleihen um 50 Billionen Yen (412 Milliarden Euro) steigen. Zudem wollen die Notenbanker ihr Portfolio an langlaufenden Staatsanleihen und börsennotierten Fonds (ETF) verdoppeln. Die Entscheidungen seien im geldpolitischen Rat einstimmig gefallen, hieß es weiter.

Die Renditen japanischer Staatsanleihen sanken auf das niedrigste Niveau seit zehn Jahren, die Futures stiegen auf Rekordhöhe. Der Yen gab nach. "Es sieht aus wie ein Experiment, aber ich denke, das ist in Ordnung, weil es viele wirtschaftliche Ideen gibt, die man nicht im Vorfeld testen kann", sagte Hiroaki Muto, Volkswirt bei Sumitomo Mitsui Asset Management. Es sei aber fraglich, ob die Geldpolitik ausreiche, um die Wirtschaft Japans wieder in Schwung zu bringen.

Geschäftsklima steigt: Japans Exporte schwächeln

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Die Billiggeld-Politik der Notenbank scheint wirkungslos – noch.

Japan leidet seit Jahren unter einer Deflation, also einer Abwärtsspirale aus fallenden Preisen und einer sinkenden Nachfrage. Die Notenbank und die Regierung von Shinzo Abe wollen nun diesen Teufelskreis durchbrechen. Die Währungshüter haben sich ein Inflationsziel von zwei Prozent gesetzt, das sie binnen zwei Jahren erreichen wollen - was viele Experten aber als allzu ambitioniert ansehen.

Zudem stellen sie in Frage, ob es eine Lösung für die japanische Wirtschaft ist, Geld zu drucken. Schon im März erreichte die Geldbasis, die sich aus Bargeld und den Reserven bei der Notenbank zusammensetzt, ein Rekordhoch, ohne dass die Deflation zu Ende ging.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Prophet

04.04.2013, 08:46 Uhr

The Endgame begins - at least in Japan.

mono

04.04.2013, 10:04 Uhr

Printing money makes you rich. Idiots at work.

Boom

04.04.2013, 10:27 Uhr

Eine Frage noch: Wenn das die Endlösung für ein florierende Wirtschaft ist, frage ich mich warum man damit so lange gewartet hat! Sicher werden ab heute die Probleme gelöst! Wenn man den Zusatnd der Weltwirtschaften in Asien, Amerika und Europa so sieht könnte man glauben, das die hektischen Schläge am EKG als beginnender Boom interpretiert werden und nicht als bevorstehender Infarkt!

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