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17.04.2012

19:19 Uhr

Kanadische Fondsgesellschaft

Großanleger kümmern sich um Menschenrechte

VonSusanne Bergius

Im Finanzsektor sorgen Ethik-Beiräte und erste Fondsgesellschaften für die Berücksichtigung der UN-Kriterien hinsichtlich der Wahrung von Menschenrechten.

Institutionelle Anleger müssen sich auch um Menschenrechte kümmern. Reuters

Institutionelle Anleger müssen sich auch um Menschenrechte kümmern.

BerlinMenschenrechtsschutz geht auch institutionelle Anleger an. Die kanadische Fondsgesellschaft Nei Investments fordert nun auch eine entsprechende rechtliche Überarbeitung der geltenden Regeln. Ansonsten könnten die Treuhänder ein Problem mit den Investoren bekommen, argumentieren die Nei-Manager.

Werde nämlich nicht anerkannt, dass Investoren die Verantwortung zum Menschenrechtsschutz teilen, könnten Konflikte entstehen. Anteilseigner könnten sich beispielsweise wehren, wenn das Management Maßnahmen zum Schutz der Menschenrechte in der Beschaffungskette ergreifen will. Es könnte heißen, die Maßnahmen behinderten die Profitmaximierung oder seien materiell unbedeutsam, warnt Nei.

Die Nei-Asset-Manager beziehen die Ruggie-Menschenrechtsleitlinien in die Dialoge mit Unternehmen ("Engagement") mit ein. Bei der Züricher Ges (Global Engagement Services) sind Menschenrechte gar ein Schwerpunkt der Dialoge, so Geschäftsführer Patrick Wirth. Ges betreut 75 Kunden mit 700 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen.

Der Ethik-Anlagebeirat der Church of England will Dialoge mit Bergbauunternehmen verstärken, da selbst Vorreiter laut einer Studie des Fondsmanagers Standard Life Investments viel mehr zum Schutz der Menschenrechte tun müssen.

Die Praxis zeigt, wie wirksam diese Dialoge sein können: Auf Druck seiner Aktionäre hat sich der US-Spezialchemikalienhersteller OM Group aus Cleveland, dem seit Mitte 2011 die Hanauer Vacuumschmelze gehört, auf seiner Hauptversammlung zu einer Menschenrechtspolitik für die gesamte Wertschöpfungskette im Sinne der UN-Leitprinzipien verpflichtet. Dafür stimmten 43 Prozent der Aktionäre - nach vierjähriger Überzeugungsarbeit und tödlichen Arbeitsunfällen in einer Kobalt-Miene in Kongo.

Das Engagement-Team des britischen FTSE-Indexes hat laut eigenen Angaben erreicht, dass 58 Unternehmen verschiedener Branchen die neuen, strengeren Menschenrechtskriterien einhalten. 20 Firmen seien aus den Indizes entfernt worden, weil sie sich nicht bewegten. Unterdessen hat die Finanzinitiative des UN-Umweltprogramms (Unep FI) ein "Human Rights Guidance Tool" für den Finanzsektor hinsichtlich der Ruggie-Leitlinien komplett überarbeitet. Die Werkzeuge sollen helfen, potenzielle Risiken bei Kreditvergaben und Investitionen zu identifizieren, ihre materielle Relevanz zu bewerten und die Risiken zu senken.

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