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23.06.2017

14:26 Uhr

Kapitaldecke

US-Großbanken verbessern sich beim Stresstest

Was würde bei US-Banken wie JP Morgan passieren, wenn die Wirtschaft der USA plötzlich einbräche? Die US-Notenbank Fed hat ein Extremszenario durchgespielt – mit insgesamt erfreulichen Ergebnissen.

Seit der Finanzkrise 2008 müssen sich die US-Großbanken einmal im Jahr einem Stresstest unterziehen. Dabei prüft die US-Notenbank Fed, ob sie einer plötzlichen Rezession standhalten können. AFP

Am Automaten einer US-Bank

Seit der Finanzkrise 2008 müssen sich die US-Großbanken einmal im Jahr einem Stresstest unterziehen. Dabei prüft die US-Notenbank Fed, ob sie einer plötzlichen Rezession standhalten können.

Washington/New YorkDie 34 größten US-Banken haben die erste Stufe des diesjährigen Belastungstests der Notenbank Fed bestanden. Selbst unter der Annahme einer extremen Rezession und eines sprunghaften Anstiegs der Arbeitslosenquote hätten sie noch genügend Kapital, um die Vorgaben der Aufseher zu erfüllen, teilte die Fed am Donnerstag nach Börsenschluss mit. Zwar würden bei den Instituten – darunter Branchengrößen wie JPMorgan Chase oder Bank of America im schlimmsten Fall Kredite von insgesamt 383 Milliarden Dollar ausfallen. Sie würden aber dennoch über deutlich mehr Kapital verfügen als vorgeschrieben. Die Quote habe sich im Vergleich zum vergangenen Jahr verbessert. Damit könnten die Banken selbst in schweren Zeiten weiter Kredite an Unternehmen und Haushalte vergeben, sagte Fed-Führungsmitglied Jerome Powell.

Die Fed führte die Stresstests als Konsequenz aus der Finanzkrise von 2008 ein, um die Krisenfestigkeit der Branche regelmäßig zu überprüfen. Im Extremszenario der Fed-Experten würde sich die Arbeitslosigkeit auf zehn Prozent mehr als verdoppeln. Die Belastungstests bestehen aus zwei Teilen: Am kommenden Mittwoch wird dann bekanntgegeben, ob die Fed die Kapitalpläne der Institute billigt.

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Sie schnitt unter den großen Wall-Street-Banken im Stresstest am besten ab. Im Extremszenario würde die Kernkapitalquote (CET 1) der Fed zufolge auf 9,7 Prozent schrumpfen. Bei JP Morgan, Bank of America, Wells Fargo, Goldman Sachs und Morgan Stanley läge die Kernkapitalquote zwischen 8,4 und 9,4 Prozent.

Das dickste Kapitalpolster aller getesteten Banken hat wie im vergangenen Jahr die Deutsche Bank Trust Corporation (DBTC) mit einer Quote von 60,2 Prozent im Extremszenario. Trotz eines dicken Kapitalpolsters war der Kapitalplan der DBTC 2016 bei der Fed durchgefallen, die scharfe Kritik am Risikomanagement übte. Daher durfte die Gesellschaft, die in den USA lediglich für den Zahlungsverkehr und die Vermögensverwaltung zuständig ist, keine Gewinne aus dem Land abziehen. Den Großteil ihrer US-Aktivitäten – darunter das Investmentbanking – hat die Deutsche Bank im vergangenen Sommer in der neuen Dachgesellschaft DB USA Corporation zusammengefasst, unter der auch die DBTC angedockt ist. Sie wird erst 2018 öffentlich am Fed-Stresstest teilnehmen.

Der jüngste Bankenbelastungstest ist der erste seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump. Er will den Finanzkonzernen weniger Vorschriften machen, um so die Kreditvergabe und die Wirtschaft insgesamt anzukurbeln. Das US-Finanzministerium stellte kürzlich Pläne für mehr als 100 Änderungen an geltenden Bankenregeln vor, die in den USA als Reaktion auf die Finanzkrise eingeführt wurden. Unter anderem sollen die Beschränkungen gelockert werden, denen Großbanken im Handel unterliegen. Die bislang jährlichen Stresstests sollen nur noch alle zwei Jahre stattfinden. Die Überwachung von US-Banken mit einer Bilanzsumme von weniger als 50 Milliarden Dollar will das Ministerium grundsätzlich drosseln. Die Mechanismen für die Abwicklung maroder Geldhäuser sollen überprüft werden.

Die Ergebnisse des jüngsten Stresstests lieferten Argumente für eine Lockerung der Regulierung, sagte der Chef des US-Bankenverbands, Rob Nichols. „Auf diesem soliden Fundament sollten wir aufbauen und uns nun auf die Frage konzentrieren, wie man den Banken helfen kann, damit sie das Wirtschaftswachstum weiter ankurbeln.“

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Die US-Notenbank hatte vor kurzem bekanntgegeben, sie werde der Forderung der Finanzbranche nach einer größeren Transparenz bei den Stresstests nachgeben. Fed-Chefin Janet Yellen kündigte an, man werde unter anderem spezifische Beispiele aus den vergangenen Jahren veröffentlichen. Allerdings müssten die dem Test zugrundeliegenden Modelle weiter unter Verschluss bleiben. Ansonsten könnten die Konzerne ihr Verhalten ändern, um bessere Ergebnisse zu erzielen, ohne jedoch das Risiko zu senken. Die Banken hatten sich beklagt, dass die Prüfungen zunehmend verwirrend seien.

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