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12.07.2013

13:00 Uhr

Kapitalflucht aus Schwellenländern

Das Ende des Booms

VonJörg Hackhausen

Die Schwellenländer erfreuten sich jahrelang großer Beliebtheit. Jetzt schlägt die Stimmung um. Anleger ziehen Kapital in großem Stil ab. Experten rufen schon die Rückkehr der alten Industriestaaten aus.

Börse in Shanghai: Der chinesische Aktienmarkt hat in diesem Jahr rund zehn Prozent verloren. dpa

Börse in Shanghai: Der chinesische Aktienmarkt hat in diesem Jahr rund zehn Prozent verloren.

DüsseldorfChina holt auf, keine Frage. Auch Brasilien, Indien oder Russland können noch wachsen. Aber erstens ist der Rückstand zu den entwickelten Industriestaaten nach wie vor groß. Und zweitens bedeuten selbst hohe Wachstumsraten noch lange nicht, dass die sogenannten Schwellenländer ein guter Ort sind, um sein Geld anzulegen. Das bekommen Anleger nun deutlich zu spüren.

Die Kapitalmärkte in Brasilien, Russland, Indien und China sind in den vergangenen Wochen unter Druck geraten. Aktien, Anleihen, Währungen - nichts blieb verschont. Der Aktienindex MSCI BRIC, der die vier großen Schwellenländer abbildet, ist in diesem Jahr um 14 Prozent gefallen. Damit liegt er weit hinter den etablierten Aktienmärkten zurück. Der Dow Jones weist ein Plus von 17 Prozent auf. Und noch eine Zahl verdeutlicht, wie sehr das Vertrauen gelitten hat: Anleger haben in diesem Jahr rund 14 Milliarden Dollar aus Publikumsfonds abgezogen, die in die Aktienmärkte der vier Länder investieren. Das entspricht fast 30 Prozent der Zuflüsse seit 2005.

Das Ausmaß der Kapitalflucht fällt so groß aus, dass Experten dahinter eine grundlegende Trendwende vermuten. Nachdem sich die Schwellenländer jahrelang großer Beliebtheit erfreuten, könnte es nun in die andere Richtung gehen. „In jedem Jahrzehnt gibt es ein Thema, das die Investoren fesselt - in den 1970er Jahren etwa Gold, in den 1980ern Japan und in den 1990ern Technologiewerte“, sagt Ruchir Sharma, Leiter Emerging Markets bei Morgan Stanley. „In der abgelaufenen Dekade waren es die BRICs.“

Was 2013 aus 100.000 Euro wurde (1.Halbjahr)

Silber

62.510 Euro

Brasilianische Aktien

73.320 Euro

Gold

74.490 Euro

Russische Aktien

83.690 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai Composite)

88.730 Euro

Türkische Aktien

90.210 Euro

Bundesanleihen

98.260 Euro

US-Treasuries

98.540 Euro

Sparbuch

100.032 Euro

Tagesgeld

100.930 Euro

US-Dollar

101.220 Euro

Deutsche Aktien

104.360 Euro

Öl (WTI)

105.550 Euro

Japanische Aktien

113.630 Euro

US-Aktien

115.280 Euro

Venezolanische Aktien

151.720 Euro

Der Boom der Schwellenländer begann im Jahr 2001, zumindest tauchte in diesem Jahr erstmals das Kürzel „BRIC“ auf. Es umfasste die Anfangsbuchstaben der vier Schwellenländer: Brasilien, Russland, Indien und China. Die Idee dazu hatte ein gewisser Jim O’Neill, damals Chefvolkswirt bei Goldman Sachs. Schon früh machte O’Neill auf die wachsende Bedeutung der aufstrebenden Volkswirtschaften hin. Er stellte die These auf, dass China die USA als größte Volkswirtschaft der Welt überholen wird – damals, kurz nach dem 11. September, war das noch aufsehenerregend.

Das Bruttoinlandsprodukt der BRIC-Staaten stieg in zehn Jahren von 2,8 Billionen Dollar auf 14,5 Billionen Dollar. Gemeinsam erreichen sie damit schon fast die US-Volkswirtschaft, die auf ein BIP von 15,7 Billionen Dollar kommt. Im vergangenen Jahr trugen die BRIC-Staaten etwa 62 Prozent zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei, wie aus Zahlen des IWF hervorgeht. Zehn Jahre zuvor waren es noch elf Prozent gewesen.

Dass der Aufstieg keineswegs geradlinig verlaufen würde, war abzusehen. Trotzdem scheinen die internationalen Investoren nun überrascht zu sein, dass es nicht nur aufwärts geht. „Die Anleger sind besorgt wegen China und Brasilien, nichts scheint hier mehr zu funktionieren“, schreibt Maarten-Jan Bakkum, Schwellenländerstratege bei ING Investment Management, in einem Kommentar. „Die Kombination aus besseren Wirtschaftsdaten in den USA und Wachstumsschwäche in China belastet die Emerging Markets eindeutig.“

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

12.07.2013, 13:08 Uhr

Whow! ... und das Handelsblatt bringt für seine Leser brandheiß diese "breaking news"!!!! (ca. 3 Jahre zu spät, man schaue sich den Shanghaier Aktienindex an).

Account gelöscht!

12.07.2013, 13:12 Uhr

PS: man muß das HB (und den Rest der Systemmedien) nur lesen können - dann bekommt man alle Info, die man braucht. Diese Nachricht bedeutet in etwa: die "Großen" haben sich mittlerweile ausreichend aus diesen Märkten verabschiedet, so daß es jetzt auch den "Kleinen" erlaubt ist daraus zu flüchten. Vielleicht will man das sogar erreichen: möglichst viel Kapital heimholen.

theaterkritik

12.07.2013, 13:40 Uhr

'China gehört die Zukunft, keine Frage.' - wer solchen Hirnriss ins HB bringt sollte mit nicht unter 3 Jahren China belohnt werden.

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