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08.09.2014

17:07 Uhr

Kapitalmarktexperte im Interview

Ängstlich, arglos, deutsch

VonJessica Schwarzer

In Zeiten homöopathischer Zinsen müssen Anleger höhere Risiken eingehen. Doch viele Investoren gehen damit arglos um, warnt Anlageexperte Andreas Rapp. Warum die Deutschen ängstlich und arglos zugleich sind.

Was ist Risiko? Anleger schätzen es oft falsch ein. ap

Was ist Risiko? Anleger schätzen es oft falsch ein.

Arglose Anleger hat Andreas Rapp schon oft in seinem Leben erlebt. Der Leiter Private Banking bei Ellwanger / Geiger erinnert sich noch gut, wie Familienväter zu Zeiten des Neuen Marktes die Konten leerräumten, um Internetaktien zu kaufen. Arglos seien sie damals gewesen, und gierig. Vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brother, die die Finanzkrise ausgelöst hatte, war es ähnlich. Heute beobachtet er wieder, dass die Deutschen Risiken falsch einschätzen oder ignorieren.

Andreas Rapp, Leiter Private Banking bei Ellwanger / Geiger

Andreas Rapp, Leiter Private Banking bei Ellwanger / Geiger

Herr Rapp, eigentlich gelten deutsche Anleger als risikoscheu. Sie sehen das anders, warum?
Dass die Deutschen risikoscheu sind, stimmt schon. Aber sie sind aktuell  auch sehr arglos – und das ist viel gefährlicher.

Sie gehen also leichtsinnig mit dem Risiko um.
In Zeiten von Niedrigzinsen erzählen die Experten ihnen, dass sie ein höheres Risiko eingehen müssen, um – nach Abzug von Steuern, Kosten und Inflation – überhaupt noch eine positive Realrendite zu erzielen. Das ist natürlich absolut richtig. Nur leider gehen viele Anleger mit diesem erhöhten Risiko falsch um. Sie setzen sich nicht damit auseinander, verdrängen es. Augen zu und durch, lautet ihre Devise. Und das kann schnell schief gehen. Das erinnert mich stark an die Zeit vor der Lehman-Pleite.

Wovor sich Anleger hüten sollten

Falsche Sicherheit

Fühlen sie sich nicht zu sicher - denn dieses Gefühl kommt immer vor bösen Überraschungen.

Rendite ohne Risiko

Es gibt keine Rendite ohne Risiko. Was man dagegen oft bekommt: Risiko ohne Rendite.

Zocken mit dem Sparschwein

Ersparnisse aus 35 Jahren harter Arbeit in eine Geldanlage zu stecken, die man nur 15 Minuten analysiert hat - böser Fehler.

Ungeduld

Hin und her macht Taschen leer: Hibbelige Finger sind der schnellste Weg, sein Geld zu verbrennen.

Halbwissen

Finger weg von Investments, die man nicht versteht. Der Test: Können Sie das Investment einem Schüler der vierten Klasse erklären?

Übersteigertes Selbstbewusstsein

Zu viel Selbstsicherheit hat noch nie gut getan. Wer meint, alle Gewinne beruhten auf Können, alle Verluste aber seien Pech, ist auf der falschen Fährte.

Daytrading

Man hat keine Chance gegen den Zufall und Super-Computer, die innerhalb von Millisekunden mehr Entscheidungen treffen als ein Anleger in einem ganzen Leben.

Crashpropheten

Hören Sie besser nicht auf Menschen, die ständig vor dem Untergang warnen. Es soll Leute geben, die 128 der letzen zwei Crashs richtig vorhergesagt haben...

Wieso das denn?
Vor 2008 wurden wie verrückt Zertifikate gekauft. Dass diese Papiere aber ein nicht zu unterschätzendes Emittentenrisiko haben, im Fall einer Insolvenz der ausgebenden Bank das Geld zumindest teilweise weg ist, wurde schlichtweg ausgeblendet. Dann ging Lehman pleite und plötzlich waren die Zertifikate der US-Bank wertlos, die viele heimische Anleger im Depot hatten.

Lag das nicht auch an mangelnder Beratung? Da hatten plötzlich 80-Jährige spekulative Zertifikate im Depot. Sind hier nicht die Berater gefragt?
Natürlich müssen wir als Berater sehr viel tiefer einsteigen. Wir müssen unseren Kunden die Risiken sehr genau aufzeigen, vor allem dann, wenn Anleger in ein Produkt investieren wollen, dass für sie neu ist. Viele Sparprodukte und auch Anleihen mit sicherer Bonität bringen kaum noch Rendite, deshalb sind andere Anlageklassen gefragt.

Kommentare (1)

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Herr Uwe Warschkow

09.09.2014, 15:28 Uhr

Für viele Dinge konnten die Deutschen nichts.Das die letzte Tranche der Telekom zu 66,50 kommt,war wohl nicht deren Schuld oder? Und das ist nur ein Beispiel.Auf längere Sicht,wirken die 2 verlorenen Weltkriege natürlich in der Mentalität nach,auch finanzpolitisch mit der Hyperinflation 1923,der Weltwirtschaftskrise 1929 und der Währungsreform 1948.Unter allen dreien litten besonders die Deutschen,umso mehr ist es der Bundesbank gelungen,nach 1948 mit der DM,den Deutschen wieder Selbstvertrauen zu geben.Man sprach von einer Friedensdividende,wenn man plötzlich im Urlaub viel günstiger einkaufen gehen konnte,weil unsere Währung wieder so stark war.Es hat schon seinen Grund,warum Mitterand die Abschaffung der DM,als Zustimmung zur Deutschen Einheit forderte.

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