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14.04.2016

20:18 Uhr

Kapitalmarktgeschäfte

Was die Investmentbanker von Trump halten

VonPeter Köhler

Kein „Super Tuesday“, aber eine wichtige Etappe im Vorwahlkampf. Nächsten Dienstag könnte Donald Trump in New York gewinnen. Die Investmentbanker haben schon eine Meinung, ob der Mann gut für das Geschäft ist.

Präsidentschaftskandidat Trump spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung in Pittsburgh Reuters

Trump eine Belastung im Fusionsgeschäft?

Präsidentschaftskandidat Trump spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung in Pittsburgh

FrankfurtFür Donald Trump ist der Wahlkampf in New York ein Heimspiel. Sein Name ist eng verbunden mit der Stadt, die niemals schläft. Seine Immobilienspekulationen in Manhattan sind sein wirtschaftliches Markenzeichen, symbolisiert durch den „Trump Tower“ am Rande des Central Parks. Während andernorts in den USA viele Republikaner seine Präsidentschaftskandidatur mit Grausen verfolgen, steht das Parteiestablishment in seinem Heimatstaat weitgehend hinter dem politischen Quereinsteiger. Nach Wochen der Rückschläge in seiner Kampagne sehen ihn Umfragen bei der Vorwahl in New York klar vor seinen Verfolgern.

Aber wie denken die Investmentbanker in der Wall Street über den oft marktschreierisch auftretenden Politiker? Sie sind ziemlich skeptisch, ob ein Präsident Trump gut wäre fürs Geschäft. Allerdings sind die Ängste in den USA viel kleiner als in Übersee. Immerhin zwei Drittel von weltweit 1500 befragten M&A-Fachleuten glauben, dass Trump im Weißen Haus eher schlecht wäre für das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen. Das ergab eine Studie von Intralinks, derzufolge Hillary Clinton als diejenige Kandidatin gesehen wird, der am ehesten eine positive Beeinflussung der M&A-Aktivitäten zugetraut wird – besonders in Europa.

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

„Unsere Auswertung zeigt, dass Dealmaker weltweit sehr beunruhigt sind bei dem Gedanken, dass der nächste US-Präsident Donald Trump heißen könnte: Er gilt als der Kandidat, der mit Abstand den schlechtesten Einfluss auf den M&A-Markt hätte“, sagt Matt Porzio, Vice President für den Bereich M&A Strategy bei Intralinks.

Die Sorge um eine Trump-Präsidentschaft wird besonders außerhalb der USA deutlich: So fürchten 71 Prozent der Dealmaker in Europa negative Konsequenzen. In Lateinamerika sind es sogar 83 Prozent, in der Asien-Pazifik-Region 75 Prozent.

Warum die US-Wahl für Deutschland wichtig ist

Politisches Verhältnis

Weniger herzlich ist das transatlantische Verhältnis geworden. Kühler, zweckorientierter, auch fremder. Die Uneinigkeit Europas und sein Auseinanderdriften besorgen Washington sehr. Wird der nächste Präsident auf Distanz bleiben und die Bindungen nach Asien ausbauen – oder wird er sich wieder um mehr Nähe bemühen?

Flüchtlinge

Wenn die Konflikte im Nahen Osten eskalieren - was bedeutet das für die Flüchtlingsbewegungen und ihr Hauptziel Deutschland? Ein härterer, weniger international denkender Präsident würde noch viel weniger Syrien-Flüchtlinge in die USA lassen. Das könnte den Druck auf andere Länder erhöhen.


Außenpolitik

Wer auch immer Barack Obama nachfolgen wird: Er wird außenpolitisch eine härtere Gangart anschlagen. Mehr Aggressivität im Nahen Osten und in Nordafrika ist wahrscheinlich. Die Erwartungen an den Nato-Partner Deutschland werden steigen.

Energie

Treibt der 45. Präsident der USA die Energieautonomie seines Landes voran, fördert das Fracking weiter? Wenn die USA deswegen ihr Engagement in der ölreichen Golfregion weiter zurückfahren, was heißt das für Deutschlands und Europas Rolle in Nahost?

Klima

Ohne die USA geht beim Klimaschutz nichts voran. Deutschland hat an diesem Thema großes Interesse, ein republikanischer Präsident aber könnte das dagegen ganz anders sehen.

TTIP

Das Freihandelsabkommen TTIP soll 2017 oder 2018 abgeschlossen werden. Wirtschaftlich wäre das für Deutschland und Europa bedeutend. Wie viel Wert wird der nächste US-Präsident darauf legen wollen, wenn dann das Pendant zu diesem TTIP unter Dach und Fach sein sollte, das gewaltige Abkommen TTP mit den Pazifikanrainern?


In den USA dagegen ergibt sich dagegen ein ganz anderes Bild. Hier haben M&A-Manager ein größeres Vertrauen in den Milliardär, denn nur 46 Prozent glauben, dass er schlecht für das Übernahmekarussell wäre.

Deutlich negativere Konsequenzen brächte aus Sicht der Wall Street die Wahl von Bernie Sanders, der sich selbst als demokratischen Sozialisten bezeichnet. Fast drei Viertel der Befragten glauben, dass das M&A-Geschäft dann Schaden nehmen würde. Hillary Clinton dagegen hätte gar keinen Einfluss auf Fusionen und Übernahmen, glauben 40 Prozent der Einfädler von Unternehmenskäufen in Nordamerika.

Gegenwind aus der Politik oder eine noch schärfere Regulierung – etwa bei den Boni oder den Steuern auf Einkommensmillionäre - können die Investmentbanker aktuell kaum gebrauchen. Weltweit lahmt das Fusionsgeschäft, außerdem mangelt es an lukrativen Börsengängen, so dass auch hier die Ertragsquellen nicht mehr so sprudeln wie noch im vergangenen Jahr.

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