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14.02.2012

16:48 Uhr

Kauf von Wertpapieren

Japans Notenbank forciert den Kampf gegen Deflation

VonMartin Koelling

Seit langem fordern Politiker, dass die japanische Notenbank stärker gegen die Deflation kämpfen soll. Nun hat sie überraschend ihre Geldpolitik gelockert. Ökonomen sehen dennoch keinen grundsätzlichen Kurswechsel.

Der Sitz der Bank of Japan in Tokyo. Reuters

Der Sitz der Bank of Japan in Tokyo.

TokyoJapans Notenbank ist im Ringen mit der Regierung um eine aggressivere Geldpolitik heute ein Coup gelungen. Der geldpolitische Ausschuss der Bank of Japan (BoJ) hat nicht wie von den Märkten erwartet seine ultralockere Geldpolitik beibehalten, sondern sie sogar noch weiter gelockert. Zudem erklärte die BoJ erstmals eine Inflationsrate von kurzfristig einem und langfristig zwei Prozent offiziell zum „Ziel“ ihrer Geldpolitik.

Die Märkte reagierten extrem überrascht. Der Yen sackte nach der Nachricht um rund 0,5 Prozent gegenüber US-Dollar und Euro ab, die Aktienkurse stiegen. Denn bisher standen Japans Währungshüter im Ruf, weniger aggressiv als ihre Kollegen in anderen Ländern noch mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Doch diesmal öffneten sie die Schleusen weit.

Die BoJ will ihr Programm zum Kauf von Wertpapieren um 10000 Milliarden Yen (100 Milliarden Euro) auf 650 Milliarden Euro aufstocken. „Das ist bedeutend“, sagt Martin Schulz vom Fujitsu Research Institut. Denn die Geldmenge sei bereits auf einem Rekordhoch. Dennoch sehen viele Beobachter die Entscheidung als Bluff, mit dem die Notenbanker wachsenden politischen Druck ablenken wollen, noch weit aggressiver Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Die Schritte seien sicher „eine positive Überraschung für die Märkte“, sagte Takuji Aida. „Aber wir glauben, dass die Geldpolitik sich selbst nach der heutigen Entscheidung nicht verändern wird.“

Auf den ersten Blick scheint der Vorwurf zu überraschen, dass die Bank of Japan zu zögerlich sei. Denn die BoJ ist der Pionier einer ultralockeren Geldpolitik wie sie nach dem Platzen der Weltfinanzblase im Jahr 2008 weltweit in Mode gekommen ist. Seit mehr als zehn Jahren hält sie die Zinsen auf oder nahe null Prozent, um die Wirtschaft in der Deflation zu stützen.

Die BoJ hat auch als erste Notenbank damit begonnen, wogegen sich die Europäische Zentralbank lange gesträubt hat: im großen Maßstab Anleihen der eigenen Regierung aufzukaufen. Damit will sie nicht nur die Zinsen für Staatsanleihen unter zwei Prozent drücken und damit den Schuldendienst beherrschbar halten. Japans Staatschulden sind bereits auf 230 Prozent des Bruttoinlandsprodukt explodiert. Sie kann so außerdem Geld in die Wirtschaft injizieren.

Auch sonst zeigt sich die Notenbank durchaus pragmatisch. Nachdem Japans Finanzministerium im Oktober 2011 die größte Devisenmarktintervention der japanischen Geschichte angeordnet hatte, beließ die Notenbank das Geld im Markt.

Dennoch wird ihr seit Jahren vorgeworfen, aus wirtschaftspolitischen Motiven nicht aggressiv genug die Geldpolitik gelockert zu haben. Im Jahr 2000 beendete sie ihre Nullzinspolitik unter einer unliebsamen Regierung zu Beginn einer Krise und begann ihre ultralockere Geldpolitik erst ein Jahr später, nachdem der neue Ministerpräsident Junichiro Koizumi neoliberale Strukturreformen versprochen hatte.

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