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18.09.2012

18:42 Uhr

Klassiker der Geldpolitik

Goethe liefert Weidmann die Argumente

VonLin Freitag, Georg Watzlawek

Der Bundesbankchef mag in der Europäischen Zentralbank isoliert sein. Doch in Deutschland kann sich Weidmann auf höchste Autoritäten berufen: Was die EZB betreibt ist „Alchemie mit anderen Mitteln", wusste schon Goethe.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. dapd

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

FrankfurtJens Weidmann ist bewusst, dass in der aktuellen Diskussion über die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Hält der Bundesbank-Präsident seine sture Linie gegen die geplanten Staatsanleihenkäufe der EZB durch? Argumentiert er weiter gegen diese Form der Staatsfinanzierung an? Er tut es – und bringt dafür sogar den Dichterfürsten Johann Wolfgang Goethe in Stellung.

Frankfurt feiert gerade mal wieder den Dichter, im Rahmen der Festwoche lud die Bundesbank zu einem hochrangigen Kolloquium mit dem historischen, aber hochaktuellen Motto „Papiergeld – Staatsfinanzierung – Inflation“, und bot den eigenen Präsidenten als Eröffnungsredner auf.

Fast genüsslich zitiert Weidmann aus Goethes Faust und lässt Mephisto auftreten, der als Narr verkleidet, um frisches Geld bettelt. Der Kaiser antwortet entnervt: „Ich habe satt das ewige Wie und Wenn; Es fehlt an Geld, nun gut, so schaff’ es denn.“ Gemeint ist damit die Gelschöpfung am Hofe von Herzog Karl August in Weimar vor knapp 200 Jahren. Doch es passt so treffend auch auf die selbsternannten Retter der Euro-Zone, die für Griechenland, Spanien oder Italien immer mehr Geld fordern. Und für die EZB, die am Ende immer aushilft.

Weidmann könnte Mephistos Antwort weglassen, aber er tut es nicht und liest: „Ich schaffe, was ihr wollt, und schaffe mehr.“ Das ist natürlich nicht seine eigene Rolle. Weidmann warnt immer wieder vor den Staatsanleihekäufen, die für ihn zu nahe an der Staatsfinanzierung per Notenpresse sind. Aber sieht er bei diesen Worten womöglich EZB-Chef Mario Draghi vor seinem geistigen Auge?

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Goethe wusste, wovon er redete. Er arbeitete als Finanzminister in Weimar. Keine einfache Aufgaben, denn auch der Kleinstaat war so gut wie pleite. Die Eltern von Karl-August trieben Sachsen-Eisenach-Weimar mit ihrer Verschwendungssucht in den Ruin. Alleine der Hofstaat, der für die Gesellschaft und geistige Betätigung der Herzogin zuständig war, belief sich auf knapp 40 Personen. Zum Vergleich: Weimar selbst zählte zu dieser Zeit nur 6000 Einwohner.
Da erschien der Ausweg durch die Notenpresse verheißungsvoll. Doch Goethe, der gerade im Karlsbad bei einer Kur die katastrophalen Auswirkungen einer Inflation persönlich miterlebte, stellte sich quer. Die wertungebundene Geldschöpfung erschien ihm als moderne Alchemie, denn bei den Banknoten wird aus dem Nichts ein Wert geschaffen.

Kommentare (38)

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1-weltregierung

18.09.2012, 19:13 Uhr

Graf von Stauffenberg war auch alleine, als er sich mit seinen Mannen gegen Hitler aufgelehnt hat. Und gerade das zeichnet uns Deutsche aus, dass es immer wieder in Zeiten der größten Not Helden gibt, die sich gegen das Unrecht erheben.


Account gelöscht!

18.09.2012, 20:15 Uhr

Weidmann mausert sich. Das Goldman Sachs Gewächs Mario Drucki mit Goethe zu entlarven ist clever. Das lässt auch die ganzen um das goldenen Euro-Kalb tanzenden Hofschranzen am Berliner Hof -Merkel und ihre unfähige Entourage sowie die Mehrheit der 600 Parlamentsschauspieler- alt aussehen. Kann ich nur wünschen weiter so und Weidmanns heil!

Lob auch ans HB für den Bericht!

Trojaner

18.09.2012, 20:20 Uhr

@HB wunderbarer Artikel. Dass hier Kommentare gelöscht und editiert werden, finde ich bedenklich.

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