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28.06.2012

12:14 Uhr

Kleinanleger

Nicht so dämlich, wie viele glauben

VonJörg Hackhausen

Kleinanleger müssen viel Spott über sich ergehen lassen. Aber sie sind gar nicht so doof, wie oft dargestellt. Das zeigen aktuelle Studien. Zumal es gute Gründe gibt, jetzt Aktien zu kaufen.

Die Zahl der Aktionäre in Deutschland ist in den vergangenen Jahren gesunken. Nur noch die Hartgesottenen sind übriggeblieben. Andreas Reeg - VISUM

Die Zahl der Aktionäre in Deutschland ist in den vergangenen Jahren gesunken. Nur noch die Hartgesottenen sind übriggeblieben.

DüsseldorfDer Aktionär ist eine gefährdete Spezies, zumindest in Deutschland. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Aktienanleger deutlich gesunken. Kein Wunder. Die kräftigen Schwankungen, nicht zuletzt der Absturz in der Finanzkrise haben die Anleger verschreckt. Die anschließende Rally haben viele schon nicht mehr mitbekommen. Wer kauft überhaupt noch Aktien? Und warum?


Dieser Frage ist die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Zusammenarbeit mit der Uni Leipzig und der Hochschule für Ökonomie & Management in Essen nachgegangen. Das Ergebnis: Die Aktionäre sind kein bemitleidenswertes Häufchen. Diejenigen, die dabei geblieben sind, haben aus Fehlern gelernt. Sie wissen, was sie tun, lassen sich nicht von Beratern oder Banken reinreden.

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„Die Portfolios der Anleger sind breit gestreut. Die Anlageentscheidungen sind in der Regel auf Langfristigkeit angelegt“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW. Die Aktionäre verließen sich vor allem auf die eigene Meinung. Berater spielten zunehmend eine kleinere Rolle. Das gilt wohlgemerkt nur für die Befragten, also aktive Aktionäre. Die meisten Anleger und Sparer in Deutschland sind nur unzureichend informiert, wenn es um Finanzdinge geht.

Die Deutschen halten die Börse für ein Kasino - vor allem die sogenannte „Dotcom-Blase“ haben viele in schlechter Erinnerung. Der Hype um Internetaktien lockte Millionen an, die auf das schnelle Geld hofften. Experten bescheinigten vermeintlichen Zukunftsunternehmen abenteuerliche Gewinnerwartungen. Die Kleinanleger glaubten es gerne. Zur Jahrtausendwende hatte jeder fünfte Erwachsene Wertpapiere im Depot – so viele wie nie zuvor und vielleicht wie nie wieder danach. Hausfrauen, Taxifahrer und Studenten spekulierten mit Aktien von neugegründeten Technologiebuden.

Was Privatanleger im Depot haben

Aktien

93 Prozent

Aktienfonds

52,1 Prozent

Anleihen

45,1 Prozent

Gold, Gold-ETFs

22,5 Prozent

Alternative Investments, Zertifikate

20,7 Prozent

Sonstige Fonds

20,7 Prozent

Sonstiges

17,8 Prozent

Quelle

Aktionärskompass der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Hochschule für Ökonomie & Management Essen; Befragung von 413 Privatanlegern; Mehrfachnennungen möglich.

Kritiker wie Altmeister André Kostolany, der schon früh warnte, die hohen Bewertungen seien niemals gerechtfertigt, wurden verlacht. Doch Kostolany sollte recht behalten. Als klar wurde, dass die überbewerteten Firmen die Erwartungen nicht erfüllen konnten, stürzten die Kurse ab. Die Kleinanleger verloren den Großteil ihres Geldes und wendeten sich frustriert von der Börse ab. „Die Anleger befanden sich damals zu einem großen Teil noch im Bann der Vertriebsmaschinen der Banken. Sie handelten eindeutig zyklisch“, erklärt Anlegerschützer Tüngler heute.

Die Finanzkrise seit 2007 vergraulte noch einmal viele Anleger. Nach dem zweiten Börsencrashs innerhalb von zehn Jahre blieben nur noch die Hartgesottenen übrig. Nur noch 8,6 Millionen Deutsche besitzen Aktien oder Anteile an Aktienfonds. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es 12,8 Millionen.

Kommentare (14)

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standby

28.06.2012, 13:25 Uhr

Oh man, wieder so ein gesteuerter Bericht.
Natürlich Aktien, aber doch nicht zu jedem Preis.
Under der Preis heute ist nicht heiß.

franky

28.06.2012, 13:53 Uhr

Mal abgesehen davon, das Gelächter stammt doch nur von der Finanzindustrie, die kein Geschäft mit den Kleinanlegern macht, da diese keine teuren Produkte kaufen, sondern direkt Aktien.
In Folge dessen redet sie diese schlecht, ist ihr verbrecherischer Job.

Predonor

28.06.2012, 14:31 Uhr

Die Banken beraten doch heutzutage kaum noch in Aktien, da der Gesetzgeber mit Beratungsprotokollen und gesetzlichen Anforderungen eine Beratung unmöglich macht. Daher sollte man mal nachdenken, ob nicht die Gier eines jeden einzelnen an der Situation manchmal mehr schuld hat....

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