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03.08.2011

14:04 Uhr

Kommentar

Die Angst ist zurück

VonNorbert Häring

Die Märkte steuern im Krisenmodus. Auslöser sind die USA, doch die größten Kursrückgänge gibt es in Europa. Das ist nur auf den ersten Blick erstaunlich. Die USA werden irgendwie durchkommen – zu Lasten der Euro-Staaten.

Norbert Häring ist Finanzkorrespondent des Handelsblatts in Frankfurt. Quelle: Pablo Castagnola

Norbert Häring ist Finanzkorrespondent des Handelsblatts in Frankfurt.

FrankfurtDie Weltfinanzkrise, die 2007 begann und 2008 eskalierte, ist noch keinesfalls überwunden. Das zeigt sich in diesen Tage, in denen Börsen wanken und die Währungen ächzen. In Europa hat sie ihre Fortsetzung in der Euro-Krise gefunden, in den USA in einer Haushaltskrise gepaart mit der Angst vor einer neuen Rezession.

Zwei Jahre lang haben es die Wirtschaftspolitiker in den USA geschafft, mit schuldenfinanzierten Ausgabenprogrammen, Nullzinsen und Finanzierung der Staatsverschuldung durch Geld-Drucken etwas Wirtschaftswachstum zu Stande zu bringen. Ein selbst tragender Aufschwung ist daraus allerdings nicht entstanden, die Arbeitslosigkeit blieb für amerikanische Verhältnisse sehr hoch. Nun hat sich durch neuere Wirtschaftszahlen herausgestellt, dass die Wirtschaft auch mit massivem Rückenwind von der Politik im vergangenen halben Jahr kaum noch gewachsen ist.

Rezessionsangst macht sich breit, weil der Rückenwind von jetzt an schwächer wird. Die Notenbank will ihre Bestände an Staatsanleihen nicht mehr aufstocken. Neue Defizite muss die Regierung also über die Finanzmärkte abdecken. Die Regierung hat versprochen, Ausgaben zu kürzen. Das bremst die Wirtschaft. Wenn die Konjunktur jetzt einknicken sollte, kann die Notenbank nicht mehr viel tun, denn unter Null kann sie den Leitzins kaum senken, und bei Null ist er schon. Die politische Situation lässt neue Konjunkturprogramme kaum möglich erscheinen.

Auf den ersten Blick erstaunt, dass die Aktienmärkte in Deutschland und Europa von den Schwierigkeiten der USA stärker betroffen zu sein scheinen als die amerikanischen selbst. Auf den zweiten Blick kann man jedoch einen Sinn darin finden. Die USA sind die führende Wirtschaftsmacht. Sie haben die Leitwährung und das Kapitalmarktzentrum. Sie werden irgendwie durchkommen. Notfalls wertet der Dollar kräftig ab, so dass die amerikanischen Exporteure mehr exportieren, die Multis mehr Dollar für ihre im Ausland verdienten Gewinne bekommen, die amerikanischen Produzenten preislich  im Inland gegen Importkonkurrenz besser bestehen können – und die Staatsschuld, die auf Dollar lautet, entwertet wird.

All das hilft den USA  und schadet denen, die amerikanische Anleihen oder Aktien halten, nach Amerika exportieren oder mit amerikanischen Unternehmen in Konkurrenz stehen, also den europäischen Banken und Unternehmen. Das erklärt, warum schlechte Wirtschaftsdaten aus den USA bei uns zu überproportional großen Kursrückgängen geführt haben.

Hinzu kommt, dass die Euro-Krise durch die sich abzeichnende Konjunkturschwäche und die Marktturbulenzen noch zusätzlich verschärft wird.  Denn diese Krise ist auch deshalb so schwer zu lösen, weil die Banken, die einen großen Teil der europäischen Staatsanleihen halten, noch in einem ziemlich schlechten Zustand sind. Wenn die Wirtschaft wächst und die Aktienmärkte steigen, können sie immerhin ganz gut verdienen. Fällt auch das weg, können die Bankenprobleme leicht wieder virulent werden.

 

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

03.08.2011, 14:15 Uhr

Die Angstintervalle verkürzen sich. Bald werden wir vermutlich den Komplettcrash der Währungsanleihen in halb Europa erleben. Der Aktienmarkt wird entsprechend reagieren. Schon jetzt wurde der Handel in Italien für einige Finanzinstitute mehrfach ausgesetzt. Der Einbruch beim Franken wird sich als kurzfristig herausstellen. Gleiches gilt für Gold, das neue Höchststände erreicht.

hamp

03.08.2011, 14:32 Uhr

und so beginnt es..'schau...die USA ist ein nation und kann besser krisen bewältigen wie wir....also...wir mussen auch eine nation sein'..

es ist wie ein drehbuch..und..es ist ein putsch...bald kommt der forderung das wir unsere nationen aufgeben MUSS ...an anti-demokraten im ausland ubergeben..sonst geht alles kapput...

in dem moment MUSSEN 100000er auf die strasse gehen...weil fragen..ob wir das wollen..würden die uns nicht...

Fat_Bob_ger

03.08.2011, 14:57 Uhr

Hamp:
Der Tiefgang deines Kommentars wird nur noch vom Tiefgang eines Tischtennisballes im Wasser übertroffen.

Die USA hat klar den Vorteil, dass es sich um einen Wirtschaftsraum mit gut 200 Mio. Konsumenten handelt, der unter einheitlicher Lenkung, einh. Gesetzen und einer gesicherten Außengrenze steht.
Das Risiko einer Abwertung des USD sind hierbei extrem steigende Benzin- und Heizkosten, die den US-Konsumenten sehr hart treffen werden (Suburbs-, weite Transportwege, geringer Gütertransport per Schiff/Bahn, nachlassende Infrastruktur, hoher Energieverbrauch/Kopf). Dadurch wird der Konsum weiter beeinträchtigt. Ziel eines jeden Wirtschaftens ist der Konsum. Sinkt dieser, verringern sich die Exporte deutlich, Läger werden abgebaut und damit bricht der Export massiv ein, deshalb reagiert ein Exportweltmeister empfindlich. Gefahr droht dem freien Welthandel, von dem wir absolut abhängig sind, wenn Staaten ihre Importwege mit höheren Zöllen schließen sollten. Eine Exportfinanzierung wird auch riskant, da Exportkredite vermehrt ausfallen könnten (PIIGS Staaten). Wird es so schlimm kommen? Ich weiß es nicht.

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