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26.08.2015

11:13 Uhr

Kommentar zur China-Krise

Deutsche Bank findet Schuldigen für Börsen-Crash

VonMartin Dowideit

In einem Interview stellt der Chefvolkswirt der größten deutschen Bank eine gewagte These auf: Schuld am Börsencrash von Montag sei die schärfere Regulierung der Banken. Da bleibt mir die Spucke weg. Ein Kommentar.

Der ehemalige US-Notenbankpräsident hat nach der Immobilienkrise ab 2008 jahrelang für eine schärfere Regulierung von Banken gekämpft. Reuters

Paul A. Volcker

Der ehemalige US-Notenbankpräsident hat nach der Immobilienkrise ab 2008 jahrelang für eine schärfere Regulierung von Banken gekämpft.

Paul Volcker ist ein gestandener Mann von imposanter Körpergröße. 2,01 Meter misst er, auch wenn die Haltung des mittlerweile 87-Jährigen inzwischen etwas gebückt ist. Über einen Mangel an Rückgrat sagt das aber nichts aus. Ganz im Gegenteil: Der ehemalige Chef der US-Notenbank hat nicht nur mit eisenharter Geldpolitik in den 1970er-Jahren eine Phase aus hoher Inflation und Arbeitslosigkeit bekämpft.

Dieser gestandene Mann gilt der Deutschen Bank jetzt als Sündenbock. In einem Interview mit Spiegel Online hat der Chefvolkswirt der größten Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, Volcker jetzt die Schuld am Marktcrash vom Montag gegeben. An dem Tag brach der Dax kurzzeitig um fast acht Prozent ein.

Der Chefvolkswirt wurde in Ostfriesland geboren, promovierte in Princeton und arbeitete für den Internationalen Währungsfonds. Seit 1997 steht er im Dienst der Deutschen Bank. Reuters

David Folkerts-Landau

Der Chefvolkswirt wurde in Ostfriesland geboren, promovierte in Princeton und arbeitete für den Internationalen Währungsfonds. Seit 1997 steht er im Dienst der Deutschen Bank.

Nicht die Sorge über ein schwaches chinesisches Wirtschaftswachstum, eine mögliche globale Rezession, nicht der automatisierte Hochgeschwindigkeitshandel der Börsenroboter soll maßgeblich dazu beigetragen haben – nein, Volcker soll der Schuldige sein.

Mir ist beim Lesen von Folkerts-Landaus Antwort die Spucke weggeblieben.

Die schwärzesten Tage des Dax: 1989-2001

Was zeichnet einen Crash aus?

Eindeutige Kriterien für einen Crash gibt es nicht - außer Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste. Beim bislang größten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen ließ, gab es den Dax noch nicht. Er wurde erst am 1. Juli 1988 erstmals berechnet. Die höchsten Verluste des Dax seither:

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

Ein später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den Dax um gut neun Prozent ins Minus.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf um bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

Wie kommt er zu seiner These? Volcker hat sein Engagement in der Finanzregulierung nicht mit dem Abschied aus der Notenbank in den frühen 1980er-Jahren beendet. Ganz im Gegenteil: Jahrzehnte später setzte er sich für eine schärfere Regulierung der Wall Street ein, nachdem die Finanzbranche durch den Zusammenbruch des US-Hypothekenmarktes dem Ruin nahestand.

Die sogenannte „Volcker Rule“ ist mittlerweile in Kraft – sie verbietet Banken den Handel mit vielen Wertpapieren auf eigene Rechnung und fand Einzug in das große Finanzregulierungspaket, bekannt als Dodd-Frank Act.

Kommentare (17)

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Herr Lothar Bitschnau

26.08.2015, 11:55 Uhr

Fonds und Großspekulanten dürfen über Handel spekulieren und manipulieren,
Banken nicht.
Wieso haben denn immer die guten Amerikaner recht?
Objektiv ist das nicht.

Account gelöscht!

26.08.2015, 11:57 Uhr

Sehr geehrter Deskchef Finanzen, jetzt wird mir klar warum die Auflage des Handelsblatts sich verschlechtert hat. Kommentare wie "Da bleibt mir die Spucke weg." und "Quatsch" kommen in Boulevardpresse gut an, aber bei der ehemaligen Leserschaft ihrer Zeitung; eher weniger.
Natürlich wirkt sich der Eigenhandel der Banken regulierend aus. Schlicht weil mehr Marktteilnehmer vorhanden sind. Das gilt für Bewegungen nach oben, als auch nach unten. Die Banken haben ein ureigenes Interesse am Profit. Somit wird der Eigenhandel der Banken bei Übertreibungen einsetzen. Als Portfoliomanager einer Bank hätte ich bei DAX 10000 Positionen aufgestockt.

Herr San Yukon

26.08.2015, 12:03 Uhr

Sechs Jahre!! für ein VWL-Studium, nie im Finanzwesen gearbeitet, das spricht für die Qualifikation dieses Herren. Volkswirte sind Menschen die alles erklären aber nichts verstehen.

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