Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.08.2012

08:43 Uhr

Kommt sie – oder nicht?

Die Angst vor der großen Inflation

VonAndreas Toller
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Die Notenbanken fluten die Finanzmärkte mit immer mehr Geld. Viele Sparer fürchten, dass diese Strategie letztlich zu kräftig steigenden Inflationsraten führt. Aber wie berechtigt ist die Angst? Zwei Standpunkte.

Wie viel wird Papiergeld in zehn Jahren wert sein? dpa

Wie viel wird Papiergeld in zehn Jahren wert sein?

DüsseldorfHyperinflation. Das Wort verfolgt uns seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 und den darauf folgenden Bankenrettungen, schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen, Zinssenkungen und Geldschwemmen der Notenbanken – und weckt Erinnerungen an die 20er Jahre. Das Drohszenario rasant steigender Inflationsraten treibt Sparer und Anleger in Sachwerte wie Immobilien, krisenfeste Anlage wie Gold oder zur Flucht aus dem Euroraum. Dabei sind die offiziellen Inflationsraten gerade jetzt beruhigend niedrig: In den USA 1,7 Prozent, in Deutschland 1,7 Prozent, in der gesamten Euro-Zone bei 2,4 Prozent und selbst EU-weit bei nur 2,6 Prozent. Von hohen Inflationsraten kann also keine Rede sein.

Die Gretchenfrage für die Sparer und Vermögenden lautet dennoch: Bleibt es dabei oder kommt es in den nächsten Jahren zu einem signifikanten Anstieg der Inflation. WirtschaftsWoche Online hat zwei erfolgreiche Vermögensverwalter gefragt, womit sie rechnen und was sie daraus für ihre Kunden ableiten. Die Positionen unterscheiden sich deutlich. Nicht aber die Konsequenzen, die sie für das Vermögensmanagement daraus ziehen.

Aus Sicht von Harald Preißler, Chefvolkswirt beim Anleihemanager Bantleon, ist es unwahrscheinlich, dass es bald zu einen Anstieg der Inflation kommt. „Die Behauptung, dass immer mehr Geld in den Markt gepumpt, ist falsch. Denn mit der Finanzkrise sind die Geldmengenwachstumsraten zusammengebrochen.“ Im Durchschnitt seien die Geldmengen seit Herbst 2008 nur um 2,4 Prozent gewachsen - davor waren es rund 7,5 Prozent pro Jahr. „Mit dem Geld der Notenbanken stopfen wir lediglich Löcher und blähen den Markt nicht auf. Tatsächlich musste die Liquiditätsversorgung durch die Maßnahmen der Notenbanken gestützt werden, weil sich die Banken untereinander kein Geld mehr leihen“, sagt er. Preißler verweist darauf, dass die viel zitierte Geldmenge M3 bereits konsolidiert ist und so nur betrachtet, was netto im Bankensystem und durch die EZB an neuem Geld entstanden ist. „Und danach ist die Geldschöpfung per Saldo nur knapp über der Nulllinie. Wir haben gerade das volkswirtschaftliche Minimum an Liquidität, von aufblähen kann da keine Rede sein.“ Die Grundvoraussetzung für steigende Inflationsraten fehle also.

Gefährliche Inflation

Was ist Inflation?

Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Sich-Aufblasen“. Der Begriff bezeichnet einen andauernden starken Anstieg des Preisniveaus: Waren- und Dienstleistungspreise steigen insgesamt an, blasen sich quasi auf. Die Kaufkraft des Geldes sinkt, da man weniger Waren und Dienstleistungen als zuvor für den gleichen Geldbetrag kaufen kann. Wenn die Preise nur einzelner Güter steigen, herrscht noch keine Inflation. Kennzeichnend für eine Inflation ist vielmehr, dass das Geld generell und fortlaufend an Kaufkraft verliert. Das Eurosystem hat definiert, dass eine jährliche Inflationsrate von unter zwei Prozent noch mit dem Ziel der Preisstabilität vereinbar ist.

Quelle: Deutsche Bundesbank, Bundeszentrale für politische Bildung.

Wie wird die Inflation gemessen?

Am häufigsten wird zur Messung der Inflation der Verbraucherpreisindex (früher Preisindex für die Lebenshaltung) als Maßstab für Preisveränderungen herangezogen. Der Verbraucherpreisindex wird anhand eines Verbrauchsschemas, des sogenannten Warenkorbs, berechnet, der alle Güter und Dienstleistungen enthält, die den typischen Verbrauchsgewohnheiten eines Durchschnittshaushalts entsprechen. Dazu gehören Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Bekleidung oder Mieten und langlebige Gebrauchsgüter wie Kraftfahrzeuge oder Möbel genauso wie Dienstleistungen (z. B. Friseurbesuche oder Versicherungen). In der Regel wird der Warenkorb ungefähr alle fünf Jahre neu festgesetzt, weil sich die Konsumgewohnheiten der Verbraucher verändern oder neue Waren und Dienstleistungen angeboten werden. Die Berechnung der Preisveränderung für die Lebenshaltung erfolgt durch die Ermittlung der Preise für die einzelnen Güter des Warenkorbes. Diese Preise werden dann als Indexzahl, bezogen auf ein Basisjahr (derzeit Preisbasis 2005 = 100), ausgedrückt.

Wann spricht man von Hyperinflation?

Eine Hyperinflation ist eine Inflation mit gigantischen Preissteigerungen. Die Inflationsraten liegen mindestens bei 50 Prozent, meist sogar höher. Ist eine Hyperinflation im Gange, nimmt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ständig zu. Das liegt daran, dass jeder sein Geld möglichst sofort ausgibt, um weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen. Die Folge ist eine immer schnellere Nachfrage und immer schnellere Preissteigerungen, bis schließlich das Vertrauen der Bevölkerung in die inländische Währung total verloren geht. Spätestens in dieser Situation weicht die Bevölkerung auf wertbeständiges ausländisches Geld oder auf knappe Sachgüter als Ersatzwährung aus (z. B. amerikanische Zigaretten nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland), um sich auf dem Schwarzmarkt mit notwendigen Gütern zu versorgen.

Schützen Immobilien vor Inflation?

Dass Stein und Beton gegen die Geldentwertung helfen stimmt nur bedingt. Denn die Preise von Eigentumswohnungen und Häusern steigen vor allem in Metropolen. Der Maklerverband IVD hat festgestellt, dass die Preise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser von 1977 bis 2010 stärker gestiegen sind als die Inflation, aber vor allem in Metropolen und nicht in Kleinstädten oder auf dem Land.

Schützt Gold vor einer Inflation?

Gold gilt als besonders sicher, weshalb Anleger gerade aus Furcht vor fallenden Börsenkursen und Angst vor steigender Inflation hier zugreifen. Allerdings raten Verbraucherschützer regelmäßig zur Vorsicht: Denn die künftige Entwicklung des Goldpreises ist reine Spekulation. Zwar spricht aus ihrer Sicht nichts dagegen, in Gold zu investieren. Allerdings gibt es einiges zu beachten: Da Gold in Dollar gehandelt wird, besteht ein Währungsrisiko. Wer Goldbestände aus Sicherheitsgründen nicht daheim lagern will, muss zudem Kosten für ein Schließfach einkalkulieren.

Schützen Aktien vor einer Inflation?

Neben Immobilien und Edelmetallen gelten auch Aktien als verlässlicher Schutz. Die Idee dahinter: Steigt das allgemeine Preisniveau, schlägt sich das früher oder später auch in den Preisen und Kursen realer Vermögenswerte nieder. Einigkeit herrscht unter Experten aber auch darin, dass dieser Zusammenhang erstens nur tendenziell gilt und zweitens vor allem langfristig.

Bert Flossbach vom Vermögensverwalter Flossbach von Storch, sieht das anders. „Inflation – angelehnt an das lateinische inflare, also aufblähen – bedeutet ja zunächst einmal ein Aufblähen der Geldmenge. Was sich aufgebläht hat, sind die Geldeinlagen der Banken bei der Zentralbank, beim Bargeld hat sich wenig getan. Über die aufgeblähte Zentralbankbilanz haben wir die theoretische Basis für die Geldschöpfung der Banken geschaffen, die sich dann ihrerseits über die Kreditvergabe in einem Anschwellen der Geldmenge niederschlägt. Noch ist da wenig passiert. Die Inflationsgefahr ist auch nicht konkret, aber die Basis dafür ist geschaffen. Und wenn wir eine Inflation bekommen, dann ist sie sicher – salopp formuliert – eine Inflation, die auf Vertrauensdeflation basiert. Dass der Rückgang des Vertrauens zur Inflation führt, sehen wir jetzt bereits etwa auf dem Immobilienmarkt. In allen besseren Gegenden Deutschlands explodieren die Preise für Immobilien.“

Kommentare (47)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

04.08.2012, 09:22 Uhr

Viel zu viel blabla....
Selbst wenn die Notenbanken kein extra Fiat Money mehr in die Welt pupen würden, kann eine Inflation über Nacht losbrechen....
Das Geld der Investoren kann in kürzester Zeit die Richtung wechseln und die Welt in den finanziellen Armageddon treiben - was ja auch beabsichtigt ist.
Nur der "rechte" Zeitpunkt in den Augen der Strippenzieher im Hintergrund ist noch nicht da.
Bald...... sehr bald aber....

SabineM

04.08.2012, 09:47 Uhr

Sie ist doch schon da.

Account gelöscht!

04.08.2012, 10:05 Uhr

Arbeitslose, Obdachlose, Kleinrentner und Konkurs-Firmen, die kein Geld mehr von Banken bekommen, haben 100% Inflation. Pleite Banken haben 100% Inflation, Millionäre haben 1,7% Inflation und Zinsen zum Ausgleich.
Die Politik muß auch Inflation gerecht verteilen :)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×