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14.03.2017

12:48 Uhr

2,2 Prozent Inflation

Energie und Lebensmittel treiben Preise

Die deutsche Inflation steigt auf den höchsten Stand seit 2012: Um 2,2 Prozent lagen die Preise im Februar höher als im Vorjahr. Energie- und Lebensmittelpreise heizten die Inflation an. Manches wurde aber auch billiger.

Die Preise für Gemüse zogen im Februar um 21 Prozent an im Vergleich zum Vorjahr. dpa

Gemüsetheke

Die Preise für Gemüse zogen im Februar um 21 Prozent an im Vergleich zum Vorjahr.

WiesbadenTeureres Tanken, Heizen und Essen hat die deutsche Inflationsrate im Februar erstmals seit viereinhalb Jahren über die Marke von zwei Prozent gehievt. Waren und Dienstleistungen kosteten im Schnitt 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte und damit eine Schätzung von Anfang März bestätigte. Die Teuerung liegt nun über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB), die nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen spricht.

Größter Preistreiber war erneut Energie, die sich im Februar um 7,2 Prozent verteuerte. Im Januar waren sie bereits um knapp sechs Prozent angestiegen. Die hohen Raten ergeben sich laut den Statistikern im Wesentlichen aus den niedrigen Energiepreisen vor einem Jahr. Im Februar 2016, dem Vergleichsmonat, war Energie so billig wie zu keinem anderen Zeitpunkt in 2016. Im Vergleich verteuerten sich vor allem Heizöl (plus 43,8 Prozent) und Kraftstoff (plus 15,6 Prozent) stark. Jedoch wurde nicht jede Energieform teurer. Die Strompreise stiegen nur um 1,6 Prozent und Gas und Fernwärme verbilligten sich sogar um 3,2 und 4,7 Prozent.

Neben Heizöl und Kraftstoff heizten vor allem die Nahrungsmittelpreise die Inflation im Februar an: Sie stiegen um 4,4 Prozent, nach gut drei Prozent im Januar. Den Inflationsrekord maßen die Statistiker bei Kopf- und Eisbergsalat – das Grünzeug kostete ganze 141 Prozent mehr als im Vorjahr. Generell stiegen die Preise für Gemüse um 21 Prozent, aber auch Speisefette und -öle, Fisch sowie Obst verteuerte sich deutlich.

Unterm Strich verteuerten sich Waren mit 3,2 überdurchschnittlich, neben Energie und Nahrungsmittel stiegen auch die Preise für Zeitungen und Magazine und Tabakwaren. Billiger wurde Elektronik und Bekleidung.

Die Dienstleistungspreise zogen weniger stark an: plus 1,3 Prozent. Preistreiber waren hier Steigerungen bei der Kaltmiete (plus 1,6 Prozent), für die die deutschen Haushalte rund ein Drittel ihres Einkommens ausgeben.

Teurer wurden auch Restaurant- und Cafébesuche sowie Versicherungen, hier die Preise um rund zwei Prozent. Dafür verbilligten sich soziale Dienstleistungen, etwa in der Altenpflege aufgrund eines neuen Pflegegesetzes. Auch Flugtickets, Telefon und Internet wurden billiger.

Inflation: Sorgen momentan „sehr übertrieben“

Inflation

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Am Donnerstag äußerte sich EZB-Chef Mario Draghi positiver über die wirtschaftliche Lage des Euro-Raums. Ratsmitglied Villeroy de Galhau bezeichnet bestehenden Inflationssorgen als übertrieben.

Klammert man den Hauptpreistreiber Energie aus, lag die Inflation im Februar nicht bei 2,2, sondern bei 1,7 Prozent, rechnet das Statistische Bundesamt vor. Die Europäische Zentralbank argumentiert, dass die aktuell gestiegene Inflationsrate vor allem am Anstieg der Energie- und Nahrungsmittelpreise hängt und es noch fraglich ist, ob der der Preisanstieg sich auch auf breiter Front durchsetzt. Die neuen Zahlen der deutschen Statistiker dürften den Zentralbankern neue Argumente liefern.

Für das Gesamtjahr 2017 rechnen Ökonomen mit einer insgesamt deutlich zunehmenden Inflation. Lag sie 2016 nur bei 0,5 Prozent, beträgt sie nach Einschätzung des Kieler IfW-Instituts in diesem und im nächsten Jahr jeweils 1,8 Prozent. Fachleute gehen davon aus, dass dies die Kaufkraft der Verbraucher schmälert und der private Konsum deshalb nicht mehr so kräftig wächst wie zuletzt.

Von

feho

Kommentare (2)

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Herr Holger Narrog

14.03.2017, 09:06 Uhr

Das die Energiepreise steigen ist ein No - Brainer. Zum Einen war der Erdölpreis im Q1/2016 zusammengebrochen. Kaum ein Förderer hat damit mehr als die Betriebskosten erwirtschaftet. Meines Erachtens ist ein Erdölpreis von ca. 60 - 70 $/bl auf Sicht von 5 Jahren nachhaltig. Das bedeutet weitere Energiepreissteigerungen. Des weiteren ist ein Kernpunkt der Ökoreligion die Vision den Strom mittels umweltschädlicher Windmühlen und Solaranlagen zu erzeugen. Da dies sachlich abwegig ist, steigen die auf Verbraucher, Gewerbe und Industrie umgelegten Subventionen für den gewonnenen, wertlosen Strom. Ein zusätzlicher Verstärker ist der "Klimawandel". Ein zentraler Bestandteil der Ökoreligion ist die Drohung mit dem Weltuntergang bei sündigem Verhalten. So gibt es dann die ökoreligiösen Weltuntergangskatastrophen, "Endliche Rohstoffe", "Waldsterben" und aktuell "Klimawandel". Die diesbezüglichen Auflagen, z.B. Emissionszertifikate, kosten natürlich viel Geld.

Bei den Lebensmitteln gab es in Deutschland lange Zeit einen starken Preiswettbewerb der den Preisanstieg sehr gedämpft hat. Mittlerweile sind die Discounter etabliert und streben mehr nach einer angenehmen Einkaufsatmosphäre als nach Niedrigstpreisen. Ein neuer Hartdiscounter mit kleinen Läden, schmalen Gängen, braunen Kartons, 500 - 600 Artikeln könnte den Preiswettbewerb beleben.

Herr Hans-Jörg Griesinger

14.03.2017, 10:09 Uhr

Auch bei der Lebensmittelversorgung gibt es mittlerweile eine Drei-Klassen-Gesellschaft.
Die Hipster kaufen ihr handgestreicheltes Rinderfilet teuer im hippen Bio-Ökoladen ein, die anderen in den modernisierten Konsumtempeln und beim runderneuerten Discounter ala Aldi, Lidl, Rewe & Co. und die Abgehängten, Arbeitslosen und Zuwanderer stehen in den Schlangen vor den Tafelläden an.

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