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13.01.2005

13:50 Uhr

2005 dürften Zinsen trotz allem wieder steigen

EZB lässt Leitzinsen wie erwartet unverändert

Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen in der Euro-Zone am Donnerstag unverändert gelassen. Mäßiges Wirtschaftswachstum und begrenzter Inflationsdruck werden den EZB-Rat auch noch länger am niedrigsten Leitzins der Nachkriegszeit festhalten lassen.

HB FRANKFURT. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins betrage weiterhin 2,00 %, teilte die EZB in Frankfurt mit. Alle 60 von Reuters befragten Bankvolkswirte hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Eine leichte Mehrheit der Analysten geht von Zinserhöhungen 2005 aus, während fast jeder dritte Befragte einen gleich bleibenden Zins für das gesamte Jahr erwartet. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird den Zinsbeschluss ab 14.30 Uhr vor der Presse in Frankfurt erläutern.

Die EZB möchte nach Ansicht von Volkswirten den historisch niedrigen Leitzins rechtzeitig anheben, um bei anhaltender Konjunkturerholung einen übermäßigen Preisanstieg zu verhindern. So lange die Konjunktur aber exportabhängig bleibt und keine stärkere Eigendynamik entwickelt, sollte sich die Inflation weiter in Grenzen halten, so dass die Zentralbank die Wirtschaft noch länger unterstützen kann. Der Schlüsselzins liegt schon seit Juni 2003, als die Wirtschaft im Euro-Raum stagnierte, bei 2,00 %. „Wir sind noch immer bei einem Zinsniveau, das in einer Phase der Krise festgesetzt wurde“, sagte Thorsten Polleit, Volkswirt von Barclays Capital. Diese sei inzwischen aber vorüber, deshalb müsse der Zins auf ein neutrales Niveau angehoben werden. EZB-Chef Trichet habe sich beim jüngsten Notenbankentreffen in Basel außerdem zuversichtlich über die Wachstumsaussichten für dieses Jahr geäußert.

Die EZB geht von knapp zwei Prozent Wachstum 2005 aus. Nach der ersten Schätzung erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland 2004 insgesamt um 1,7 %. Um Kalendereffekte bereinigt waren es 1,1 % nach dem leichten Minus 2003. Daten für das vierte Quartal wurden zwar nicht genannt, doch Analysten schlossen aus den Gesamtjahreszahlen, dass das Wachstum in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone die langsamere Gangart des dritten Quartals beibehalten hatte. Wie für den Euro-Raum stehen in Deutschland damit die Zeichen auf anhaltende Erholung, aber keinen kräftigen Aufschwung. Fraglich bleibt, ob der gestiegene Euro-Kurs den Wachstumsmotor Export bremsen, und ob Investitionen und Konsum in der Binnenwirtschaft dies ausgleichen können.

Die Teuerungsrate, die im Dezember mit vorläufig 2,3 % den achten Monat in Folge etwas über zwei Prozent lag, soll nach EZB-Prognose im Lauf des Jahres unter diese Schwelle sinken. Bei einem Preisanstieg unter, aber nahe zwei Prozent betrachtet die EZB ihr oberstes Ziel der Preisstabilität als erreicht. Dennoch wird Trichet nach Erwartung von Analysten erneut vor Inflationsgefahren warnen. Die EZB will vor allem vermeiden, dass sich angesichts hoher Ölpreise und steigender Steuern Inflationserwartungen unter den Wirtschaftsakteuren aufbauen. Das wiederum könnte zu übermäßigen Lohn- und Preiserhöhungen führen, denen die EZB mit Zinsanhebungen entgegentreten müsste.

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