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25.04.2013

16:22 Uhr

27,2 Prozent

Rekord-Arbeitslosigkeit schockiert Spanien

Das Drama der Arbeitslosigkeit in Spanien wird immer schlimmer. Nach der Bekanntgabe der neuesten Zahlen gab es am Donnerstag viel Kritik – vor allem an der Regierung Rajoy. Auch in Brüssel läuteten die Alarmglocken.

Arbeitslose warten vor einem Arbeitsamt in Madrid. Die Lage am spanischen Arbeitsmarkt wird noch miserabler. dpa

Arbeitslose warten vor einem Arbeitsamt in Madrid. Die Lage am spanischen Arbeitsmarkt wird noch miserabler.

MadridEin deutlicher Anstieg der spanischen Arbeitslosenquote auf den neuen Rekordwert von 27,2 Prozent hat im Eurokrisenland und auch in Brüssel Entsetzen und Kritik ausgelöst. Im ersten Quartal 2013 kletterte die Zahl der Erwerbslosen erstmals in der Geschichte des Landes auf über sechs Millionen. Wie die Statistik-Behörde INE am Donnerstag mitteilte, betrug der Anstieg im Vergleich zum Vorquartal 1,1 Punkte. Mit 6,2 Millionen lag die Zahl der Arbeitslosen demnach um knapp 240.000 höher als im Schlussquartal 2012.

Nicht nur die Gewerkschaften und die linksgerichtete Opposition prangerten daraufhin die Wirtschafts- und Arbeitspolitik der konservativen Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy an. Auch bürgerlich-liberale Regionalparteien wie die katalanische CiU und die baskische PNV sprachen von „unmoralischen Zahlen“ und einer „dramatischen Situation“. Sie forderten eine dringende Umorientierung.

So viele Schulden kann sich ein Staat leisten

Der Ökonom

Im Oktober 1990 hat Olivier Blanchard, Professor der Volkswirtschaftslehre am Massachusetts Institute of Technology (MIT), eine alte Frage beantwortet. Wie viele Schulden kann sich ein Staat leisten? Grob unterscheidet er drei Szenarien.

Neutrales Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst in einem Jahr um zwei Prozent, ein Land muss auf alle Staatspapiere durchschnittlich zwei Prozent Zinsen zahlen. Das Staatsdefizit ist tragfähig, wenn das Land einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen kann, also Staatsausgaben gleich Steuereinnahmen sind.

Gutes Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst um zwei Prozent, der Staat kann sich günstig refinanzieren und zahlt auf Staatsanleihen weniger als zwei Prozent Zinsen. Das Staatsdefizit ist sogar dann tragfähig, wenn dem Staat weniger Steuern zufließen als er Geld ausgibt.

Schlechtes Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst wieder um zwei Prozent, allerdings wollen Investoren mehr als zwei Prozent Zinsen pro Jahr, um ihr Geld dem Staat zu leihen. Das Staatsdefizit ist nur dann tragfähig, wenn die höheren Zinszahlungen über erhöhte Steuereinnahmen in gleichem Umfang gedeckt sind.

EU-Währungskommissar Olli Rehn bezeichnete die Zahlen als inakzeptabel. Man erwarte, dass Rajoy schon am Freitag der Öffentlichkeit neue Programme zur Ankurbelung der Wirtschaft vorstelle, sagte Rehn am Donnerstag im Europaparlament in Brüssel.

Nach den Zahlen der INE gibt es inzwischen in Spanien fast 3,5 Millionen Menschen (mehr als die Hälfte der Erwerbslosen also), die seit mehr als einem Jahr auf Jobsuche sind. Mit 16,6 Millionen lag die Zahl der Beschäftigten unterdessen um 4,58 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Das ist das geringste Beschäftigungsniveau seit über zehn Jahren (2002).

Die Zahl der Haushalte, in denen alle Mitglieder arbeitslos sind, erhöhte sich um gut 72.000 auf 1,9 Millionen. Besonders schlimm ist die Situation für die jüngeren Generationen. Die Jugendarbeitslosenquote stieg laut INE um mehr als zwei Punkte auf 57,2 Prozent. In Spanien gebe es eine „Sozialkatastrophe“, klagte der Führer der Vereinigten Linken (IU), Cayo Lara.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Die Regierung bemühte sich derweil in einer ersten Stellungnahme, die positiven Entwicklungen hervorzuheben. Der Rhythmus der Job-Zerstörung habe sich im ersten Quartal mit 237 400 Erwerbslosen mehr im Vergleich zur Zunahme im selben Zeitraum des Vorjahres (365.900) abgeschwächt, sagte der Staatssekretär für Wirtschaft Fernando Jiménez Latorre. Das deute auf eine Umkehrung des Trends hin. Wegen der winterlichen Flaute in der Tourismusbranche erhöhten sich die Arbeitslosenzahlen zudem traditionell zum Jahresbeginn.

Von

rtr

Kommentare (10)

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Vicario

25.04.2013, 10:43 Uhr

Die aber auf dem Guten Weg..........!

Account gelöscht!

25.04.2013, 11:07 Uhr

Sagenhafte Erfolge der Merkelschen "Rettungs"- und Europolitik.

Der schwarze Engel des Untergangs Europas.

Was geht nur einem CDU-Wähler durch den Kopf?

Augias

25.04.2013, 11:26 Uhr

Frau Merkel trifft doch nicht die Schuld derer, die jahrelang auf Kredit in Saus und Braus gelebt haben, und jetzt erfahren müssen, dass ihre Schuldenexzesse, die einseitig auf eine Immobilienblase gigantischen Ausmaßes gründet, vorüber ist - aber endgültig vorüber ist. Und es kann nicht die Sache der Deutschen sein, solche aberwitzigen Exzesse auch noch weiterhin mit unseren ehrlich versteuerten Euros zu unterstützen. Es ist ein schwerer Weg, den die Südländer jetzt beschreiten müssen. Aber sie müssen lernen, dass jede Party einmal vorbei ist, zumal dann, wenn man sie sich nicht mehr leisten kann. Das ist wie im richtigen Leben: Ohne Moos nix los!

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