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24.05.2012

15:40 Uhr

4,5 Prozent mehr Geld

Tarifeinigung in der Chemiebranche

Durchbruch in den Tarifverhandlungen für die rund 550.000 Beschäftigen der deutschen Chemieindustrie. Für die Beschäftigten soll es eine Lohnerhöhung von 4,5 Prozent geben.

BerlinDie 550 000 Beschäftigten der Chemieindustrie in Deutschland erhalten 4,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Darauf einigten sich der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und die Gewerkschaft IG BCE am Donnerstag in Schönefeld bei Berlin. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 19 Monaten. Er gilt je nach Tarifbezirk ab Juli oder August.

Ein Chemiker kontrolliert eine organische Halbleitersubstanz. ap

Ein Chemiker kontrolliert eine organische Halbleitersubstanz.

Zudem zahlen die Unternehmen bis 2015 mehr als 200 Millionen Euro in Fonds, der Altersteilzeitmodelle ermöglichen soll. Die Regelarbeitszeit bleibt bei 37,5 Stunden pro Woche, Wochenarbeitszeiten zwischen 35 und 40 Stunden werden aber ermöglicht.

„Wir haben ein Tarifpaket beschlossen, das wir gut vertreten können“, sagte Peter Hausmann, der Verhandlungsführer der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Arbeitgeberchef Hans-Carsten Hansen sagte, auch seine Seite habe ihre wesentlichen Ziele erreicht und mit der Gewerkschaft einen fairen Kompromiss vereinbart.

Öffentlicher Dienst - Forderungen und Tarifabschlüsse

2012

Die Gewerkschaften fordern für etwa zwei Millionen Beschäftigte von Bund und Kommunen 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro monatlich mehr für Bezieher kleinerer Einkommen. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber ist ein Stufenmodell, das nach ihrer Rechnung im zweiten Jahr 3,3 Prozent Lohnplus bedeutet. Nach Rechnung der Gewerkschaften beträgt die Steigerung über die gesamte Zeit aber nur 1,77 Prozent.

2011

Ein Plus von 50 Euro und eine lineare Erhöhung von drei Prozent fordern die Gewerkschaften für die rund 600.000 Angestellten der Länder (ohne Berlin und Hessen). Das entspricht Verbesserungen von durchschnittlich fünf Prozent. Die Arbeitgeber legen zunächst kein Angebot vor. Im März einigen sich beide Seiten auf eine Einmalzahlung von 360 Euro (Auszubildende 120 Euro) und eine lineare Erhöhung der Gehälter von 1,5 Prozent zum 1. April. Für 2012 werden eine lineare Erhöhung von weiteren 1,9 Prozent sowie ein monatlicher Sockelbetrag von 17 Euro (Auszubildende sechs Euro) beschlossen. Verdi beziffert die Tariferhöhung für 2011 mit 2,3 und für 2012 mit 2,55 Prozent.

2010

Die Gewerkschaften fordern für rund zwei Millionen Angestellte von Bund und Kommunen zu Beginn der Verhandlungen Einkommensverbesserungen mit einem Gesamtumfang von fünf Prozent. Später bieten sie für 2010 ein Plus im Gesamtvolumen von 3,5 Prozent an. Die Arbeitgeber schlagen ein Gesamtvolumen von 1,5 Prozent für eine Laufzeit von zwei Jahren vor. Im Februar erklären beide Seiten die Tarifverhandlungen für gescheitert. Ende des Monats akzeptieren sie den Schlichterspruch. Er sieht vor, dass die Gehälter bis Sommer 2011 stufenweise um 2,3 Prozent angehoben werden. Im Januar 2011 gibt es eine Einmalzahlung von 240 Euro (Auszubildende 50 Euro).

Die Entgelterhöhung greift jeweils einen Monat nach Inkrafttreten des Tarifvertrags. Je nach wirtschaftlicher Lage können die Unternehmen sie vorziehen oder per Betriebsvereinbarung um zwei Monate verzögern.

Die Gewerkschaft hatte sechs Prozent mehr Geld bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten gefordert.

Um wen und was es im Tarifkonflikt geht

Wie viele Menschen arbeiten im öffentlichen Dienst?

Polizisten, Lehrer oder Behördenmitarbeiter: Rund 4,5 Millionen Menschen arbeiten im öffentlichen Dienst - als Angestellte oder Beamte. Für einen Teil, die Angestellten von Bund und Kommunen, laufen derzeit Tarifverhandlungen. Bis zu diesem Dienstag soll die zweite Verhandlungsrunde dauern, nachdem die Gewerkschaften in der vergangenen Woche mit Warnstreiks viel Druck gemacht haben.

Für wen wird verhandelt?

Es geht um rund zwei Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst des Bundes und vor allem der Kommunen - etwa Busfahrer, Müllmänner, Krankenschwestern und Erzieher. In der Zahl sind nach Angaben der Gewerkschaft Verdi auch mehr als 300.000 Beamte des Bundes enthalten, einschließlich Soldaten und Richter, auf die das Tarifergebnis - wie in den Vorjahren - übertragen werden soll. Doch Gewerkschaften und Arbeitgeber sind sich nicht einmal einig über diese Zahlen. Die kommunalen Arbeitgeber gehen von allein zwei Millionen betroffenen Beschäftigten bei ihnen aus. Die Angestellten im öffentlichen Dienst der Länder haben einen eigenen Tarifvertrag, der Ende 2012 ausläuft. Sie sind jetzt nicht berührt.

Wer verhandelt?

Auf Gewerkschaftsseite sind dies die Tarifunion des Beamtenbundes dbb und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Auf der Seite der Arbeitgeber verhandeln Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und Finanzstaatssekretär Werner Gatzer für den Bund sowie Thomas Böhle und Manfred Hoffmann von der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) für die Kommunen.

Wie hoch sind die Forderungen der Gewerkschaften?

Sie fordern 6,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro im Monat, um vor allem den unteren Lohngruppen zu helfen. Die Gewerkschaften halten ein deutliches Lohnplus auch zur Stärkung der Binnenkonjunktur für nötig. Zudem sei mit der bislang letzten Gehaltssteigerung nicht einmal die Inflationsrate ausgeglichen worden. Auch seien die Beschäftigten im öffentlichen Dienst mit ihren vergangenen Lohnsteigerungen schlechter weggekommen als Mitarbeiter anderer Branchen. Gute Fachkräfte gingen deshalb lieber in die Privatwirtschaft.

Was sagen die Arbeitgeber?

Die Kommunen argumentieren, der wirtschaftliche Aufschwung sei an ihnen vorbeigegangen. Zudem zeichnet sich jetzt wieder eine schlechtere Wirtschaftsentwicklung ab. Die Arbeitgeber verweisen zudem auf ihre Schulden: Der Bund steht mit rund 1,3 Billionen Euro in der Kreide. Die Gemeinden und Gemeindeverbände haben Schulden in Höhe von rund 129 Milliarden Euro. Auch den von den Gewerkschaften angemeldeten „Nachholbedarf“ sehen sie nicht - die Entwicklung der Gehälter im öffentlichen Dienst sei in den vergangenen Jahren nicht schlechter als woanders gewesen. Gewerkschaften und Arbeitgeber rechnen hier auf der Grundlage unterschiedlicher Zahlen.

Wie liefen die Verhandlungen in den vergangenen Jahren?

2010 war ein Tarifabschluss im öffentlichen Dienst nach zähen Verhandlungen und erst nach einem Schlichterspruch zustande gekommen. Danach wurden die Gehälter bis Sommer 2011 stufenweise um 2,3 Prozent angehoben. Auch 2008 hatte es erst ein Ergebnis nach der Einschaltung eines Schlichters gegeben. Beide Verhandlungsrunden wurden von Warnstreiks begleitet.

Wie ist der Stand der Dinge?

In diesem Jahr riefen die Gewerkschaften bereits nach der ersten Verhandlungsrunde zu Warnstreiks auf, statt - wie in den vergangenen Jahren - erst nach der zweiten. Sie begründeten das damit, dass die Arbeitgeber kein Angebot vorlegten. Laut Verdi beteiligten sich in der vergangenen Woche bundesweit rund 130.000 Menschen an Warnstreiks - unter anderem in Kitas, Krankenhäusern, Stadtverwaltungen. Die Arbeitgeber riefen die Gewerkschaften auf, erst ihre Forderungen herunterzuschrauben - erst dann soll es ein Angebot geben.

Wie geht es jetzt weiter?

Bis zum Dienstag sitzen Arbeitgeber und Gewerkschaften zur zweiten Verhandlungsrunde in Potsdam zusammen. Verdi drohte bereits mit weiteren Warnstreiks. Für Ende März ist eine dritte Verhandlungsrunde geplant. Ist man dann nicht weiter gekommen, könnten wieder Schlichter um Hilfe gebeten werden.

       

Kommentare (1)

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Moneto

24.05.2012, 16:42 Uhr

Unter 3% aufs Jahr. Super Erfolg - für die Arbeitgeber. Verhandeln da wirklich Vertreter der Arbeitnehmer mit? Wenn nicht in Zeiten hoher Unternehmensgewinne, wann geht dann mal was?
In 19 Monaten wird dann wieder Zurückhaltung wegen Rezession oder sonstigen Gründen gefordert. Und die Kaufkraft schwindet, denn mit der wirklichen Inflationsrate und der Steuerprogression bleibt weniger Kaufkraft.

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