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13.12.2014

00:14 Uhr

Abstufung der Bonitätsnote

Trübe Aussichten für Frankreichs Staatshaushalt

Die Ratingagentur Fitch senkt Frankreichs Bonitätsnote. Es mangle an Reformen, die Aussichten für den Staatshaushalt seien schlecht. Das schuldengeplagte Land wurde bereits von der Eurogruppe zum Sparen aufgefordert.

Eine Stufe abwärts: Die Ratingagentur Fitch gibt Frankreich schlechte Noten. AFP

Eine Stufe abwärts: Die Ratingagentur Fitch gibt Frankreich schlechte Noten.

LondonDie Ratingagentur Fitch hat das Kreditrating von Frankreich gesenkt. Die Bonitätsnote des Landes sei von „AA+“ auf „AA“ herabgestuft worden, teilte Fitch am späten Freitagabend in London mit. Der Ausblick sei stabil. Die Aussichten für den Staatshaushalt seien trübe, es mangele an Reformen, der Schuldenabbau komme nicht zügig genug voran, hieß es zur Begründung. Fitch hatte Frankreich Mitte Oktober mit einer Herabstufung gedroht.

Der schuldengeplagte Eurostaat wurde jüngst auch von der Eurogruppe zum Sparen aufgefordert, um die Vorgaben des Euro-Stabilitätspakts einzuhalten. „Mehr (Spar-)Maßnahmen sind nötig“, hatte Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem vergangenen Montag in Brüssel am Rande von Beratungen der Euro-Finanzminister gesagt.

Die Ressortchefs folgten damit der EU-Kommission, die im November Frankreich, Italien und Belgien eine Frist bis März 2015 eingeräumt hatte, um ihre Budgets für das kommende Jahr in Ordnung zu bringen. Da Frankreich schon seit 2009 im Defizitverfahren ist, drohen dem Land letztlich Strafen in Milliardenhöhe.

Die deutsche und französische Wirtschaft im Vergleich

Wachstum

Frankreich: Die Industriestaaten-Organisation OECD hat die Wachstumsprognose erst vorige Woche mehr als halbiert. 2014 wird das Bruttoinlandsprodukt demnach nur um 0,4 Prozent zulegen, nachdem im Frühjahr noch 0,9 Prozent vorausgesagt worden waren. Für kommendes Jahr wurde die Prognose von 1,5 auf 1,0 Prozent zurückgenommen.

Deutschland: Auch bei Europas Nummer eins hat die OECD den Daumen gesenkt. Für das laufende Jahr wurde die Prognose von 1,9 auf 1,5 Prozent zurückgenommen, für 2015 von 2,1 auf ebenfalls 1,5 Prozent.

Arbeitslosigkeit

Frankreich: Wegen der Konjunkturflaute leidet der Nachbar unter einer Rekordarbeitslosigkeit. Die EU-Kommission sagt für dieses Jahr einen Anstieg auf 10,4 Prozent voraus, 2015 soll es leicht nach unten gehen auf 10,2 Prozent. Das entspricht etwa dem Durchschnitt aller 28 EU-Staaten.

Deutschland: Hier ist die Arbeitslosenquote nur halb so hoch. Nach der Prognose der EU-Kommission wird sie in diesem Jahr auf 5,1 Prozent fallen und 2015 auf diesem Niveau verharren. Mit Österreich weist die Bundesrepublik damit die niedrigste Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone auf.

Staatsschulden

Frankreich: Erst 2017 will die Regierung die jährliche Neuverschuldung unter die in den EU-Verträgen erlaubte Höchstgrenze von drei Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftskraft drücken. Eigentlich sollte das schon 2015 der Fall sein, doch sieht sich die Regierung in Paris wegen der schwachen Konjunktur dazu nicht in der Lage. Der Schuldenberg wird nach Prognose der EU-Kommission bis 2015 auf 96,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt wachsen. Die EU erlaubt eigentlich nur 60 Prozent.

Deutschland: Der Staat könnte 2014 bereits das dritte Jahr in Folge einen leichten Überschuss aufweisen. Zum Halbjahr wurden 16 Milliarden Euro mehr eingenommen als ausgegeben. Alle übrigen Euro-Staaten dürften hingegen rote Zahlen schreiben. Allerdings ist der Schuldenstand mit rund 76 Prozent immer noch höher als erlaubt.

Wettbewerbsfähigkeit

Frankreich: Ein Grund für die Misere ist die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit. Eine Arbeitsstunde kostet private Arbeitgeber durchschnittlich 35,00 Euro. In der besonders stark dem internationalen Wettbewerb ausgesetzten Industrie sind es sogar 36,70 Euro - in der EU sind die Kosten nur in Schweden, Belgien und Dänemark höher. Das ist auch einer der Gründe dafür, warum Frankreich im weltweiten Standortranking des World Economic Forum (WEF) nur Platz 23 belegt.

Deutschland: Die Arbeitskosten liegen niedriger als in Frankreich. In der Privatwirtschaft sind es 31,70 Euro, in der Industrie 36,20 Euro. Im Standortvergleich des WEF belegt Deutschland den fünften Rang, wobei besonders die gut ausgebildeten Fachkräfte und innovative Unternehmen gelobt werden.

Industrie

Frankreich: Zwar kann das Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder dem Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise in der Euro-Zone durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Sie trägt nur noch 10,25 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, der EU-Schnitt liegt bei 15,3 Prozent.

Deutschland: Hierzulande haben viele "hidden champions" ihre Heimat - also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. "Nur Deutschland hat es geschafft, zwischen 2007 und 2012 Jobs in der Industrie aufzubauen", stellte die EU-Kommission in ihrem europaweiten Vergleich fest. Der Industrie-Anteil an der Wirtschaftsleistung liegt mit 22 Prozent klar über dem EU-Schnitt.

Die französischen Regierung hatte dank angepeilter Milliardeneinsparungen ihre Defizitprognosen für 2016 und 2017 leicht gesenkt. Das Defizit soll 2016 auf 3,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts fallen und im Jahr darauf auf 2,7 Prozent. Damit liegen die Werte aber immer noch deutlich über denen, die Präsident Francois Hollande während seines Wahlkampfs 2012 angekündigt hatte. Damals sagte er zu, das Haushaltsdefizit bis Ende 2013 wieder unter die im EU-Stabilitätspakt vorgeschriebene Drei-Prozent-Grenze zu drücken.

„AA“ ist die drittbeste Bonitätsnote bei Fitch. Bei S&P verfügt die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft ebenfalls über die drittbeste Note „AA“. Bei Moody's hat Frankreich noch die zweitbeste Note „AA1“.

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