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11.02.2013

21:12 Uhr

Abwertungswettlauf droht

Weidmann warnt vor Wechselkursdumping

Befindet sich die Welt mitten in einem Währungskrieg? Sollten immer mehr Länder ihre eigene Währung auf Talfahrt schicken, drohe ein Wechselkurs-Dumping, so Bundesbank-Chef Weidmann. Und der kenne am Ende nur Verlierer.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Reuters

Bundesbankpräsident Jens Weidmann.

Freiburg/LondonBundesbank-Präsident Jens Weidmann hat vor den Folgen eines staatlich betriebenen Wechselkurs-Dumpings gewarnt. "Versuchen mehr und mehr Länder, die eigene Währung zu drücken, kann dies am Ende in einen Abwertungswettlauf münden, der nur Verlierer kennen wird", mahnte der Bundesbank-Chef am Montag bei einem Auftritt in der Universität Freiburg.

Die Wechselkursentwicklung werde bei den geldpolitischen Entscheidungen der EZB selbstverständlich berücksichtigt, falls sie die Preisentwicklung beeinflusse. "Eine Wechselkurspolitik zur gezielten Schwächung des Euro würde aber am Ende auf eine höhere Inflation hinauslaufen", warnte Weidmann laut Redetext.

So funktionieren Eingriffe in den Devisenmarkt

Wie verläuft so ein Eingriff?

Die Intervention einer Notenbank bezieht sich immer auf die eigene Landeswährung. Die Zentralbanker kaufen oder verkaufen am Devisenmarkt die eigene Währung in großen Mengen, um deren Kurs in die gewünschte Richtung zu bewegen. Durch einen Kauf soll die Devise auf- und durch einen Verkauf abgewertet werden.

Was sind die Vor- und Nachteile?

Generell werden durch eine Abwertung die Exporteure im eigenen Land meist gestärkt, weil sie ihre Waren im Ausland günstiger verkaufen können. Allerdings schmeckt dies oft anderen Ländern nicht, da ihre Firmen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Zentralbanken und Staaten sehen nur selten tatenlos zu, wenn sich die Bedingungen für ihre Exporteure massiv verschlechtern. Im schlimmsten Fall droht ein Abwertungswettlauf der Währungen.

Wie kann der Erfolg eines Eingriffs wahrscheinlicher werden?

Ein Eingriff in den Devisenmarkt ist also meist nur dann erfolgreich, wenn er mit anderen Notenbanken abgesprochen ist. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Federal Reserve (Fed) in den USA haben im vergangenen Jahr nur wenig Bereitschaft erkennen lassen, sich an einer Interventionen ihrer Kollegen zu beteiligen.

Wie verliefen solche Eingriffe?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat während der europäischen Schuldenkrise versucht, die Aufwertung des Franken zum Euro zu stoppen. Dafür deckte sich die Nationalbank im großen Umfang mit Euro ein. Kritiker warfen der SNB vor, der Alleingang am Devisenmarkt habe nichts gebracht - der Franken legte sogar weiter zu. Immerhin gelang es der Nationalbank eine Untergrenze von 1,20 Franken zu verteidigen.

War die EZB bereits an einer solchen Maßnahme beteiligt?

Die EZB intervenierte zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 offen an den internationalen Währungsmärkten. Damals hatten EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro gekauft, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.

Auslöser der Debatte über Wechselkurs-Dumping war zuletzt die radikale Lockerung der Geldpolitik in Japan, die den Yen auf Talfahrt geschickt hatte. Dadurch haben exportorientierte japanische Firmen Wettbewerbsvorteile am Weltmarkt.

Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen deutlich aufgewertet, nicht nur zum Yen, sondern auch zum US-Dollar und zum britischen Pfund. Waren aus dem Euroraum werden in der Folge im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, was hierzulande die konjunkturelle Erholung gefährden könnte.

Der Bundesbankchef verwies darauf, dass sich die EU-Finanzminister nur in außergewöhnlichen Situationen wie im Falle klarer und dauerhafter Fehlbewertungen des Euro auf "allgemeine Orientierungen für die Wechselkurspolitik" in der Euro-Zone verständigten. Die Diskussion um einen vermeintlich überbewerteten Wechselkurs der europäischen Gemeinschaftswährung lenke nur von den eigentlichen Herausforderungen ab.

Abwertungswettlauf stoppen: Friedensgrüße im Währungskrieg

Abwertungswettlauf stoppen

Friedensgrüße im Währungskrieg

Der Welt droht ein Währungskrieg wie seit den 30er-Jahren nicht mehr. Japan drückt den Yen-Kurs. Das hilft der Wirtschaft, hat aber höchstes Ansteckungspotenzial. Eilig wird versucht, den Abwertungswettlauf zu stoppen.

Insbesondere Frankreich beklagt, dass die Euro-Stärke Nachteile für die europäische Wirtschaft habe. Finanzminister Pierre Moscovici will das Thema beim Treffen der Industrie- und Schwellenländer (G20) am Wochenende in Moskau ansprechen. Die G7-Gruppe der etablierten Industrieländer erwägt angesichts der Ängste vor einem globalen Abwertungswettlauf auch eine gemeinsame Erklärung gegen politisch gesteuerte Wechselkurse.

Veröffentlicht werden könnte diese während des G20-Treffens, hieß es in G20-Kreisen. Im Entwurf dafür bekennen sich die G7 - das sind neben den USA, Japan und Kanada die EU-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien - zu marktbestimmten Kursen an den Devisenmärkten und wenden sich gegen eine Wechselkurssteuerung durch die Politik.

Kommentare (7)

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Mazi

11.02.2013, 21:43 Uhr

Dann sollten wir auf die Kursbewegung des Goldes achten!

Es gibt nichts einfacheres als die Gelddruckmaschine anzuwerfen und dafür Gold zu kaufen. Billiger kann kein Land seinen Goldbestand aufstocken und seinen eigenen Wechselkurs nach unten drücken.

Wenn Herr Weidmann auch dieses Mal richtig liegt, dann heißt es aber "anschnallen" und fertig machen zur Notlandung!

Da hilft auch kein ESM mehr. Für diese Krisenbewältigung brauchen wir Kompetenz. Kompetenz mit der Schäuble, Asmussen und dessen ehemaliger Chef Steinbrück nicht dienen können.

Moosfluesterer

11.02.2013, 22:08 Uhr

Wechselkursdumping kann man leicht durch Rückverbindung der Währung an ein Gut bekämpfen, wenn man einen festen Umtauschsatz garantiert...


BALDWELTKRIEG

11.02.2013, 22:15 Uhr

Die Eurozone muss bei Ihrer derzeitigen Geldpolitik die Schleusen weiter öffnen. Etwas anders wird den "Währungshütern" gar nicht übrig bleiben, schließlich werden immer mehr Euroländer Opfer dieser unsäglichen "Rettungspolitik" der Eurodiktatoren. Die globale Geld u. Wirtschaftspolitik ist komplett gescheitert. Wer unendliches Wachstum predigt bekommt als Dank hierfür unendliche Umweltverschmutzung, zunehmende Verarmung ganzer Kontinente, Krieg u. Massenvernichtung. Für all dies stehen unsere Bundespolitik-Verbrecher!

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