Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2010

09:52 Uhr

Aktuelle Studie

Deutschland büßt 2009 Produktivität ein

VonDorit Marschall

Was den deutschen Arbeitsmarkt vor einem massiven Einbruch bewahrt hat, drückt die Produktivität der Wirtschaft offenbar erheblich. Das lässt sich aus den Ergebnissen einer aktuellen Studie schließen. Danach sank die Arbeitsproduktivität im vergangenen Jahr in Deutschland um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und damit stärker als im gesamten Euro-Raum mit einem Prozent.

Der Produktivitätsverlust ist laut Studie auf den Rückgang der Produktionsmenge pro Mitarbeiter zurückzuführen. ap

Der Produktivitätsverlust ist laut Studie auf den Rückgang der Produktionsmenge pro Mitarbeiter zurückzuführen.

FRANKFURT. Der starke Produktivitätsverlust sei „auf den starken Rückgang der Produktionsmenge pro Mitarbeiter“ zurückzuführen, schreibt das amerikanischen Forschungsinstituts Conference Board, das für die Studie verantwortlich zeichnet. Dass die Stundenzahl im zurückliegenden Jahr um 2,8 Prozent in Deutschland sank, liege an der verringerten Stundenzahl pro Mitarbeiter – nicht an Stellenstreichungen. Die Situation in der größten Volkswirtschaft des Euro-Raums ist insofern einmalig als hier zu Lande in großem Maße und über lange Zeit Unternehmen für Arbeitszeitverkürzungen vom Staat bezuschusst werden.

Ganz anders ist die Lage in den USA: Im Ursprungsland der Wirtschafts- und Finanzkrise nahm die Produktivität der Studie zufolge 2009 um 2,5 Prozent gegenüber 2008 zu. „US-Arbeitgeber haben in der Rezession viel stärker mit Stellenstreichungen und der Kürzung der Arbeitszeit reagiert als die europäischen Arbeitgeber“, so der Chefökonom des Conference Board, Bart van Ark, zur Erklärung der „ungewöhnlich großen Unterschiede beim Produktivitätswachstum zwischen den USA und Europa“.

Im laufenden Jahr würden beide, Europa und die USA, aus der Rezession herauskommend höhere Produktivitätszuwächse aufweisen. „Allerdings ist Produktivitätszuwachs ohne die Entstehung weiterer Arbeitsplätze das wahrscheinlichste Szenario in beiden Regionen“, prognostiziert Ökonom van Ark.

Durch mehr Entlassungen könnte die deutsche Wirtschaft die Produktivitätsschere gegenüber den USA zügig schließen – zumindest statistisch. Ob es ihr nützt? Kurzarbeit, so begründen es viele Experten, helfe den Unternehmen, ihre Fachkräfte und damit einen ihrer Hauptvorteile gegenüber internationalen Wettbewerbern, zu halten.

Ob das Kalkül der deutschen Unternehmen aufgeht, hängt vor allem von der Antwort auf eine Frage ab: Hält die Nachfrage nach dem Produktspektrum „made in Germany“ auch nach der Wirtschaftskrise an?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×